DIE ANDREN BATRACHIER DEUTSCHEN FAUNA. LNTERSLCHT UND BESCHRIEBEN !>: TKANZ LEYDIG ER iraiVERSITAT ZI Mii ' \ TAFELN. VERLAC 1 V. BONN MAX COHEN 8, SÜHN [FR. COHEN! i •" . /. OF COMPARATIYE ZOÖLOGY, AT EARVARD COLLEGE, CAMBRIDGE. M.ASS. iFounTieTi bn jirfbatc stiöscrfptfon, fix 1861. Deposited by ALEX. AGASSIZ. No. X%]ß\\ DIE ANUREN BATRACHIER DER DEUTSCHEN FAl'NA. UNTERSUCHT UNO BESCHRIEBEN VON Dr FRANZ LEYÜIG. PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT ZU BONN. MIT NEUN TAFELN. BONN VERLAG VON MAX COHEN & SOHN [FR. COHEN]. 1877. Vorbemerkung. Deu Inlialt dev Blätter, welclic ich hiermit der Üett'eiitlich- keit zu übergeben mir gestatte, biklet eine Fortsetzung der Abliand- luna' über die Molche der Württembergischen Fauna, Berlin bei Nicolai 1867, sowie der Schrift über die in Deutschland lebenden Arten der Saurier, Tübingen bei Laupp 1872. Im Anschluss an den Brauch ursprünglichen Naturbcobachteus irehe ich seit Jahren den Batrachiern im Freien nach, sammele sie und suche ihre Lebensweise kennen zu lernen. Daneben hielt ich zur Ergänzung und Vergleichung biologischer Erfahrungen eine gute Anzahl der Arten für längere oder kürzere Dauer in häuslicher Umgebung. Selbstverständlich wurden auch viele Stücke dem Scalpel und der mikroskopischen Untersuchung geopfert; doch freilich zumeist nur mit Rücksicht auf die Frage, wie weit die Formbeständigkeit der Arten auch in der inneren Organisation sich abspiegele. Hierbei ergaben sich auch einige Wahrnehmungen, welche vielleicht der Morpliologie im allgemeineren Sinne zu Gute kommen. IV Vorbemerkung;. Hauptzweck blieb aber immer die Feststellimü- und Sielitung- der auf deutseliem Boden lebenden Arten. Und ich wünsche, dass gegenwärtige Schrift trotz der Mängel und Lücken, nicht nur dem Freunde vaterländischer Naturkunde und dem Zoologen überhaupt, sondern auch dem Anatomen und Physiologen, welcher fast täg- lich ein und das andere Tliier dieser Gruppe zur Lösung wissen- schaftlicher Fragen verwendet, nicht unwillkommen sein möge. Bonn, Ende Juli 1877. lulialtsyerzeichniss. Seite Einleitung 1 Klasse: Aiiiphibia. Ordmmg: Aniira. Familie: Bufonina, I. Gattung : Bufo Laiir. 1 1 1. Art: Bufo vulgaris, Laur 12 Kennzeichen . 12 Vorkommen 13 Bemerkungen 14 a. Zu den Zahleuverhältuissen der Geschlechter 14 b. Zur Entwicklung, Form und Farbe 15 c. Zur Biologie 18 d. Zur Anatomie 19 Geschichtliches und Kritisches 26 2. Art: Bufo variahilis, Fall 29 Kennzeichen 29 Vorkommen 29 Bemerkungen 31 a. Zur Biologie 31 b. Zur Anatomie 33 Geschichtlichem 34 3. Art: Bufo calamita, Laur 36 Kennzeichen 36 Vorkommen 37 Bemerkungen 40 a. Zur Entwicklung und Lebeuserscheinungen 40 b. Ztir Anatomie 43 c. Ueber das Verhältniss von Bufo calamita zu Bufo variabilis. 46 Familie : Bombinatores. IL Gattung: Bombinator, Merrem 49 4. Art: Bomhinator if/neus, Rösel 50 Kennzeichen 51 Vorkommen 50 VI Inlialtsverzeiclmiss. Seite Bemerkungen 52 a. Zur Haut uud Farbe 52 b. Zur Entwicklung und Lebenserscheinungen 55 c. Zur Anatomie 59 Geschichtliches uud Kritisches (52 III. Gattimt;.- Alytes, Wagler 64 5. Art : Alytes obxtetiicans, Laur 64 Kennzeichen 64 Vorkommen 65 Bemerkungen 67 a. Zur Entwicklung uud Lebensweise 67 1). Zur Anatomie 72 Geschichtliches 75 IV. Gattimg' : Pelobates, Wagler 77 fi. Art: Pelubalcs /uscus, Laur 77 Kennzeichen 77 Vorkommen 78 Bemerkungen 81 a. Zur Entwicklung und Biologie 81 b. Zur Anatomie 85 Geschichtliches uud Kritisches. — Pelobates cultripes . . 89 Familie: Calamitae. V. Gattung : Hyla, Laur. 94 7. Art: Hyla (aitorea, L 94 Kennzeichen 94 Vorkommen 95 Bemerkungen 96 a. Ueber Varietäten 96 b. Zur Entwicklung. — Biologisches 98 c. Zur Anatomie 10(1 Geschichtliches 102 Familie: Ranina. VI. Gattung: Rana (L.), Laur. 103 S. Art: Jiaiui isci/lfiita, L 104 Kennzeichen .104 Vorkommen 104 Bemerkungen 107 a. Zur Entwicklung und Farbe. — Biologisches ..... 107 b. Zur Anatomie .... 110 Geschichtliches uud Kritisches 114 9. Art: Ra/ia /'iisca, Kösel 11(1 Kennzeichen llt> \'orkomiii('n 117 Inhaltsverzeichuias. vii Seite Bemerkungen 118 !i. Zur Form und Farbe . . 118 h Zur Fntwicklung. — lüolnirisclios .... .... 119 c. Zur Auatouiie [1^ Geschichtliches und Kritisclies . 128 Art: Raiia nrrolis, Nilsson 129 Kenn'zeiehen 129 Vorkommen . ..... 130 Bemerkungen 132 a. Zur Form und Farbe 132 b. Zur Entwicklung. — Biologisches 133 c. Zur Anatomie 136 (Teschichtliches und Kritisches 14(i Art: Riittn a/jiUs, Thomas 143 Kennzeichen 143 Vorkommen 144 Bemerkungen .... 145 a. Zur Form und Farbe. — Biobjgisches .... ... 145 b. Zur Anatomie 147 Geschichtliches 151 Beilagen 152 1. Zur Frage nach den Bastardfonnen 152 2. Missbilduugcn 156 Erklärung der Tafeln 159 Einleitung. Zu den wiclitigereu Aufgaben der Zoologie gehört es, fest- zustellen, in welclier Weise die Vertlieilung der Thiere sowolil im Grossen und Ganzen über die Erdoberfläche hin, als auch im Besonderen durch die einzelnen Landstrecken geschieht. Der Gesichtspunct, von dem aus solche Studien zu pflegen seien, hat sich gegen früher nicht wenig geändert. Die Naturforscher einer ab"elaufeuen Zeit richteten, indem sie die Flora und Fauna des heimatlilichen Gel)ietes kennen zu lernen sich bemühten, das Bestreben gern und mitunter hauptsächlich auf den Nacliweis, dass auch ihre Gegend reich sei an Thieren oder Pflanzen, „non premi plantarum paupertate", wie sich z. B. der Botaniker Heller i) ausdrückt. Wir in der Gegenwart wollen hingegen durcli faunistische Untersuchungen zunächst einen Einblick uns verschaffen in den Zusammenhang von Sonst und Jetzt der Erdoberfläche und indem w^ir dies erreichen, werden wir auch zugleich in den Kreis all- gemeiner, wenn man will höiierer morphologischer Betrachtungen übergeführt. Sollen aber w^irklich die auf die Fauna eines Landes ab- zielenden Arbeiten der Wissenschaft Nutzen bringen, so müssen die Formen der Thiere und ihre Verbreitung mit Genauigkeit ins Auge gefasst werden. Die Amphibien üben nun zw^ar seit Langem eine eigene Anziehungskraft auf viele Naturforscher aus und wurden daher vielfältig untersucht. Wem es befremdlich erscheinen wollte, dass man trotzdem über den eigentlichen Bestand unserer 1) Flora Wirceburgensis, 1810. Leydig, Balradiier. Einleitims' &• im Ganzen so wenig zalilreiclien Arten sieh noch nicht liat einigen können, liat sich zu vergegenwärtigen, dass gerade solche Studien ihre besonderen Schwierigkeiten mit sicli bringen und der Beobachter mitunter erst nach längerem Untersuchen und Vergleiclien klar sieht. ') Icli habe mir es angelegen sein lassen, über manche Arten etwas mehr Licht zu verbreiten, so z. B. über jene von Rana., die Jeder zu kennen glaubt, die in Wahrheit aber bisher nur von Wenigen richtig beurtheilt wurden. Ehe ich jedoch zur Darlegung des Einzelnen schreite, gestatte ich mir einige Bemerkungen allgemeineren Charakters vorauszu- schicken, welche meinen Standpunct gewissen obschwebenden und immer wieder in Betracht kommenden Fragen gegenübei- an- deuten mögen. ^o' In unsern Taü'en wird bekanntlich von vielen Seiten die CT Ansicht geäussert, es wäre das, was man als „Species" bezeichne, im Grunde nur eine künstliche Zerlegung der Thierformen, und der Begriö' der Species etwas Ueberwundenes und Aufgegebenes. Dem entgegen drängen mich die Arbeiten, welche ich seit Jahren den Thieren der heimischen Fauna, und daher meist in grösserer Menge beschatfbar, gewidmet habe, immer entschiedener zu der Auffassung zurück, dass die Species eine für eine unübersehbar lange Zeitepoche bleibende Einheit vorstellt, trotz aller Mannich- faltigkeit individuellen Lebens in Gestaltung und Wandlung. Nach meiner Meinung liegt es mehr als einmal in dem Mangel genaueren l) LiNNE in der letzten Ausgabe (Editio XII) des Systema natnrae bemerkt: Amphibiologi paiicissimi, niillique veri. Die letzteren Worte hat J. Fß. G.MKLiN, der Herausgeber der 13. Ausgabe, weggelassen, vielleicht weil ihm eine innere Stimme sagte, dass Linnäcs ihn ebenfalls bei den „nullique veri" eingereiht haben würde. Uebrigens können wir aus Linnes Schriften gar wohl sehen, dass es ihm ebenfalls nicht leicht wurde, sich in den einheimischen Arten der Frösche und Kröten zurecht zu finden. Mau vergleiche in dieser Hinsicht die erste Ausgabe der Fauna suecica, Stock- holmiae vom Jahre 1746 mit der Editio altera, auctior, Stockholmiae, 17(>1. — Und um ein Beispiel zu geben, welche Fehler noch in unsern Tagen in den Bearbeitungen der Amphibien- und Reptilieufauna deutscher Gegenden gemacht werden, sei erwähnt, dass in einer Sclirift, welche die Aufzählung der im Rhöngebirge einheimischen Thiere enthält, der Gecko genannt wird, ein Reptil, das nirgends in Deutschland sich findet und auch in Italien erst jenseits des Apennin auftritt. Einleitung. 3 Ziiselieus, wenn die typisclie Ausprägung- einer Species von Diesem und Jenem in Zweifel g-ezog-en wird. Es hat, um eines Falles zu gedenken, ein Zoolog, dessen sonstige Verdienste zu verkleinern mir gewiss fern liegt, zu Salamandra maculosa als „race" die Salamandra atra gezogen und zu Triton cristatus wieder als „raee" den Triton alpestris; in gleiclier Weise zu Triton taeniatus den Triton palmatus. Ein Verfahren, bei welchem die Schuld doch wahrlich an dem Faunisten und nicht in den Dingen der Natur liegt. Verwunderung darf es aber erregen, wenn man, wie dies geschielit, aus solchen Angaben folgert, dass die „Species" von schwankendem Character sei, da ja nach dem Einen nur 3 Arten von Molchen in Deutscliland leben, nach dem Andern 6 Arten vorhanden seien. Denn es wird, um bei dem angezogenen Beispiel zu bleiben, jeder wirkliche Kenner der Molche bemerken dürfen, dass die Genauigkeit, mit welcher gedachte Tiiiere auf die morphologischen und pliysiologischen Eigenscliaften untersucht wurden, bei den verschiedeneu Beobachtern nicht die gleiche gewesen ist. ^) Der Begriff der Art bleibt der Angelpimct in den Fragen, welche die Naturforscher der Gegenwart bewegen. '^) Und dass die Species etwas für sich Abgeschlossenes sei, auch wenn sie sich zu einem Formeukreis erweitern kann, wird, je mehr mau die Beobachtung schärft und in das Studium der einzelnen Species sich vertieft, immer klarer hervortreten. Ist es nicht bedeutsam, wie z. B. der feinere Bau der Hautdecke bei den einheimischen 1) „Verschiedene Personen sehen in der Dämmerung dunkle Gegen- stände, die Einen halten sie für Mensehen, die Andern für Bäume — mithin existirt zwischen Mensch und Baum kein Unterschied" bemerkt spöttiscli und nicht unrichtig ein Bekämpfer der Transmutationstheorie über diese Art Schlussfolgerung, die „Nichtexistenz der Species" glaublich machen zu wollen. 2) Befähigung zum physiologischen Experiment verbindet sich uicht allzuoft mit dem Verständniss für Morpliologie. Oder ist es uicht ergötz- lich zu lesen, wie z. B. Spallanzani die ganze systematische Zoologie für „Possen und unnütze Sachen" erklärt; Linnk sei ein „Grammaticus" , ein „Wörterkramer" , ein „Ignorant". (Vergl. des Freiherrn Carl Erenbert V, Moll Mittheilungen aus seinem Briefwechsel, 111. Abth. 1S34, Briefe von Scopoll) Doch muss unser Physiolog, wie zur Strafe, sich öfters abmühen, pie Thiere zu bezeichnen, welche zu seinen Untersuchungen dienten. 1* » 4 Einleitung. Arten der Amphibien und Reptilien eine weitgehende Form- beständigkeit zeigt, und ebenso die Gestalt der Samenelemente eine so bestimmte Ausprägung nach der Species darbietet. Lehr- reich ist in dieser Beziehung auch die bisher wenig berück- sichtigte Rana arvcdis Nilsson. Man kann für diese Art ganz wohl sagen, dass sie die Mitte zwischen R. esculenta L und R. fusca RösEL halte, aber sie ist dennoch keine Uebergang^sform in dem Sinne der Descendenztheorie. An gleichen Oertlichkeiten mit den beiden andern Arten lebend, ist sie nach äusserem und innerem Bau, Stimme und sonstigen Lebenseigenschaften eine so scharf gekennzeichnete Art, wie es Rana esculenta ist. Meine theilweise schon anderwärts veröffentlichten Unter- suchungen über die Haut machen uns auch recht bemerklich, dass die Gattungen der einheimischen Amphibien grosse Verschieden- heiten an sich haben, und wollen wir uns zu Anhängern der Transmutationstheorie und der Lehre der langsamen Umbildung erklären, so sehen wir uns alsdann auch zu der Annahme gezwungen, dass eine Menge von unbekannten Formen als ver- bindende Glieder ausgefallen sein müssen. Doch die Entstehung der Arten und die Weise ihrer Sonderungen erscheint auch jetzt noch so dunkel, als sie jemals gewesen : sie ist überhaupt der Forschung unzugänglich. Die Descendenztheorie ist zwar ein grosser, zusammenfassender Gedanke und wird wohl noch lange eine Art Richtschnur oder Methode bleiben, mit deren Anwendung wir das organische Leben uns fasslicher zu machen suchen, als es mit andern Erklärungsformeln gelingen will; wie ich denn selber in mehreren Arbeiten mich bestrebt zeigte, Thier- arten und Organe in diesem Sinne zu beleuchten. Doch wurde dabei nicht ohne Vorbedacht und wiederholt erklärt, dass solchen Darlegungen nur der Werth von Erklärungsversuchen zuerkannt werden könne, es seien eben „Vorstellungen schlechthin." Wir können uns unmöglich verhehlen, dass die Wirklichkeit in Vielem der Anschauung von der allmähligen Uml)ilduug der einen Thierart in die andere widerspricht ; es ist keine Thier- gruppe bekannt geworden, weder aus den erloschenen noch aus den lebenden Formen, von der wir die Reihen der Uebergänge, welche die Hypothese voraussetzt, uns vor Augen zu bringen im Stande wären : wir sind allezeit genötliigt, die thatsächlich be- stehende Trenuuns: in aeistiger Weise zu überbrücken. Und so hat Eiiileitnne o- sich die Stellung-, welche ich zu der Descendenztheorie vor ge- raumer Zeit, im Jahre 1S64, einnahm und in dem Buche: „Vom Bau des thierischen Körpers') näher bezeichnete, nicht geändert, trotz der unterdessen gepflogenen Untersuchungen oder vielmehr gerade weil die letzteren gar Vieles als Täuschung haben er- kennen lassen. Wer nur Dasjenige, was in der unmittelbaren Nähe sich ab- spielt, würdigt und gelten lässt, wird leicht in allen organischen Gestalten bloss den Ablauf chemisch -physikalischer Vorgänge sehen ; indessen Derjenige, welcher, von den Gegenständen zurück tretend, einen entfernteren Standpunct einnimmt, in den Formen der organischen Welt und ihren Wandlungen eine Art Vor- zeichnung oder Plan zu erblicken glaubt. Er meint als Letztes ein immaterielles Etwas zu bemerken, das auf die chemisch- physikalischen Kräfte bestimmend, Richtung und Gestalt gebend einwirkt. In solchem Gefülde sind wir aber geneigt, einzuräumen, dass auch eine idealere Vorstellung über das grosse und an sich unlösbar bleibende Eäthsel der organischen FormenW'elt volle Be- rechtigung habe. Verlassen wir jetzt dergleichen Betrachtungen, w-elche sich immer und nur allzubald ins Gebiet der Muthmassungen verlieren müssen und treten dem eigentlichen Gegenstande der Aufgabe, insoweit er fassbar ist, näher. 1) z. B. Seite 7. „Der menschliche Geist fordert, dass das Werdende in der Natur bei aller Beeinflussung und Abänderung durch das schon Vorhandene denn doch im Grunde nach gewissen grossen feststehenden Principien sich gestalte." Diesen Gedanken hegen offenbar nicht wenige Beobachter, denn es liegt auf der Hand, dass, was man später „Schöpfungs- gesetz" oder „Formengesetz", auch wohl „organisches Entwickelungsgesetz" nannte, oder jüngst „unbekannte, treibende Entwlckelungskraft" doch nur verschiedene Ausdrucksformen für eine und dieselbe Vorstellung sind. Glasse: AMPHIBIA. Ordnimg: Aiiura. Vierbeinig, im vollkommenen Zustand ohne Schwanz. Die Wirbelsäule ist kurz : bei allen eiulieimischen Arten beträgt die Zahl eigentlicher Rumpfwirbel neun. Der Bogen des ersten Wirbels ist oftmals nur knorpelig geschlossen ; erster und zweiter Wirbel können im Bogentheil eine festere Verbindung eingehen ißufo z. B.) ; der Dornfortsatz des dritten Wirbels ist gern ausgesprochen zweispitzig ; der letzte Wirbel hebt sich als Kreuzbein (os sacrum) ab ; die Schwanzwirbelsäule besteht aus einem einzigen, langen, bei manchen Arten mit Querfortsätzen versehenen Knochen, dem Steissbein (os coccygis). Eigentliche Bippen sind nicht vorhanden, wohl aber knorpelige und bei einigen selbst knöchenie Ansätze, jedoch immer unbeweglich mit den meist sehr entwickelten Querfortsätzen verbunden. Die Bichtung der Querfortsätze ist niclit überall die gleiche : nach den Arten und den Gegenden der Wirbelsäule verschieden, stehen sie bald rein quer, bald nach rückwärts oder vorwärts gewendet. Der dritte ist gewöhnlich der stärkste. Am Schädel, dessen knorpelige Grundlage oder Prim- ordialcranium sich in grösserer oder geringerer Ausdehnung er- hält, sind Stirn- und Sclieitelbeine zu je einem einzigen Knochen verschmolzen (os fronto-parietale) ; alle unsere Arten ]ial)en ein knöchernes Joclibein (os jugale) in Form einer feinen Knoclien- leiste zwischen Oberkiefer und dem Suspensorium für den Unter- kiefer ; immer ist das Siebbein (os etlmioideum) ein ringartiger Onlnunj^: Anura. 7 Kuocilou am vordem Ende der rölircnförraig-on Seliädelcapsel ; sie besitzen sämmtlieli ein paar Knocheuplatten (Conelia) in der knorpeligen Nasencapsel. Dem Br iistgürtel der einen Gattung kommt ein Epister- niini zu, den anderen fehlt dieser Theil. Das obere Seliulterblatt ist seltener in dem eigentlieli knöchernen Abschnitt einfach schuppenförmig, sondern häutiger ausgeschnitten und damit an das os suprascapulare vieler Knochen- tische erinnernd. Die Zahl der ausgebildeten Finger (Vorderbeine) ist all- gemein vier ; indessen was Meckel i) zuerst erkannt hat, es liegt der Rest eines fünften Fingers oder Daumens unter der Haut verborgen, in Form eines verschieden entwickelten Knorpelsttickes oder Knochens. Was man daher gemeinhin Pollex nennt, ist eigentlich der zweite Finger oder Index. Am Becken sind die Scham- und Sitzbeine zu einer senk- rechten Scheibe vereinigt ; die Darmbeine bilden eine nach vorn geöffnete Gabel und können nach oben einen Kamm entwickeln. '-) An der Fuss würzet bilden Sprungbein und Fersenbein zwei längliehe Röhrenknochen, ein anscheinendes „crus secun- darium". Neben den fünf Zehen der Hinterbeine, am Innenrand, findet sich ziemlich allgemein eine sogenannte „sechste Zehe". lieber den Bau und die Bedeutung dieser Bildung habe ich mich vor Kurzem ausgesprochen. 3) Das Endglied der Finger und Zehen bezeichnete ich bei einer früheren Gelegenheit als spitz auslaufend oder einfach ge- rundet. Dies möchte ich jetzt wenigstens bezüglich der Gattung Rana und Büß dahin verbessern, dass die Spitze des Endgliedes (Tafel IV, Fig. 43) eine seitliche Verbreiterung besitzt, womit sie der Form jener des Menschen sich anähnlicht.^) 1) System der vergl. Anatomie, Th. II, 1824, S. 464. Später haben DuGEs, Ecker und Gegexbalr Über dieses Knochenstück gebandelt. 2) Aiif der Abbildung des Beckens von „Rana boans L." bei Cuvier (Rech, sur les oss. foss.) im Grossen ausgedrückt; die Vor- und Rückbildung bei den einheimischen Arten durch Hertens beschrieben (1820). 3) Morphologisches Jahrbuch, Bd. II. 4) Man hat, um dies deutlich zu sehen, den gereinigten Knochen unter dem Mikroskop bei auffallendem Licht zu betrachten. § Classe: Ainphibia. Hautverknöclierung" kommt iiuter den einlieimisclien Arten bloss am Schädel des Peloljates vor. Oberkinnlade ohne oder mit Zähnen, Unterkinnlade immer zahnlos ; meist auch Zähne am Gaumen.') Die Zähne galten vor meinen hierauf gerichteten Unter- suchungen als einfach „kegelförmig, glatt und etwas zuriickge- bogen". Ihre Spitze ist aber bei allen einheimischen Arten mehr- zinkig oder mehrlappig, Avobei die Zacken nach einwärts sicli krümmen. Die Spitzen des Zahnes sind niemals gelb. Eine vergleichend durchgeführte Untersuchung der Cuti- cular Zähne der Larven fehlt noch. Ich habe nur einige Arten geprüft, aber in Uebereinstimmung mit van Bambeke'^) bemerkt, dass in Form des Zahnes und seiner Spitzen, auch was die Zahl betrifft, Verschiedenheiten nach den Arten bestehen. An den Larven brechen, wie allbekannt, die Hinterbeine zuerst hervor, alsdann erst die Vorderbeine. Hingegen ist erst durch neuere Studien bekannt geworden, dass das Kiemenloch, welches später nur ein einziges ist, entweder links an der Seite liegt, so bei Rana^ Büß, Hijla^ Pelohates , oder in der Mittellinie des Körpers, so bei Alytes und Botnhina(or. (Lataste). Die geschlechtliche Sonderung erscheint entweder nach aussen wenig ausgedrückt oder es unterscheiden sicIi Männchen und Weibchen aucli äusserlish in vielen Puncten. Das ]\Iäunchen besitzt Eigenthümlichkeiten im Skelet der Vorderbeine und eine kräftigere Musculatur des Armes. Es kann Daumen- 1) Die Zähne blieben, bei ihrer Feinheit xmd fast vergraben im Epitliel, manchem der früheren Beobachter unbekannt. Zuerst wurden sie gesehen und dargestellt von Coitee am Frosch ; aber die Späteren , wie Linne und Laur^nti bemerkten sie nicht, der letztere giebt ausdrücklich den defectum dentium als charakteristisches Merkmal der Gruppe an \ selbst CuvrEu sagt noch in dem Tableau elementaire de l'histoire naturelle, die Frösche seien zahnlos: „leur gueule tres-fendue et sans dents." Und so ist Schneider zu rühmen, der die Zähne der Oberkinnlade und zuerst auch die des Gaumens erwähnt. Ilist. amphib. p. 110: „accurate iuspicienti ranarum generis species fere oranes maxillam superiorem cum palato dentibus armatam agnoscere liceat." Doch hat die Zähne noch im Jahre 1820 Merkem an Bomhinator übersehen („dentes nulli" sagt das Systeraa amphibiorura). Erst Wagler kennt und hebt das Vorliandensein der Zähne hervor sowohl von Bombinator als aucli von Alyles, Pelobales und Hyla. 2) Bull, de l'acad, de Belgique, ISGI. Ordnung: Anuni. 9 soliwielcu" aus1)ildeu. Die Scliwiininliaiit der Hinterbciue kann raeliv entwickelt sein; es kann Scliallblasen besitzen. Ganz abgesehen davon, dass auch in der Färbung Unterschiede liervortreten. Alle unsere Arten lassen eine Stimme hören und die des JMännchens ist, entsprechend den bei Acrschiedenen andern Tliieren vorkommenden Verliältuissen, um vieles kräftiger und klangreicher als jene des Weibchens. Ebenso besitzen alle Frösche und Kröten das Vermögen des Farbenwechsels, worüber ich meine Beobachtungen im Einzelnen verötf entlieht habe, i) Andere Schriftsteller , unbekannt mit dem Bau und den Lebenserscheinungen, welche sich in der Hautdecke dieser Thiere abspielen, machen eine ganze Reihe von „Varietäten" aus den vorübergehenden Zuständen der Färbung, in welcher sie gerade die Batrachier getrotfen. Den Winter verbringen bekanntlich unsere sämmtlichen Amphibien im Schlamm oder Erde vergraben. Doch scheint hier- bei ein wesentlicher Unterschied im Behaben eines in Winterschlaf verfallenen Batrachiers und eines Säugethieres zu bestehen. Schon Beckstein 2) hat hervorgehoben, dass die im Winterversteck auf- gefundenen Kröten nicht eigentlich erstarrt seien, sondern sogleich wegzukriechen vermögen, auch in der kältesten Jahreszeit. Dies steht im Einklang mit einer Beobachtung, welche zu machen sich mir Gelegenheit bot. Eine Anzahl von Fröschen und Kröten aus dem Schlamme hervorgezogen, erschienen zunächst wie in tiefen Schlaf versunken, bald aber wurden sie munter, krochen und hüpften von dannen. Ein Warmblüter, zur Winterszeit aus- gegraben, würde nicht vermögen, dies ihnen gleichzuthuu. Doch kann nach den Mittheilungen Anderer die Erstarrung eine viel hochgradigere werden. Gaimard z. B. stellte Versuche an Kröten an, welche in Folge starker Kälte so gefroren, dass alle ihre flüssigen Theile Eis waren und die Thiere so hart, dass man sie mit Leichtigkeit zerbrechen konnte, ohne dass Blut floss. Im warmen Wasser erlangten sie in 8 — 10 Minuten ihr Leben und grosse Lebendigkeit wieder.^) 1) Ueber d. allgemeinen Bedeckungen d. Amphibien. Archiv f. mikrosk. Anatomie, Bd. XII. Auch selbständig erschienen, Bonn, Cohen, 1876. 2) In d. Uebersetzung d. LACBPEDE'schen Werkes über Amphibien. 3) Ich nehme diese An.i;'abe aus Troschfl's Bericht üb. d Leistungen in d. Naturgesch. d. Amphibien in den Jahren 1S39 und J840, indem ich 10 Classe: Amphibla. Aus dem WintevRelilafe orwaeheu die Bntraeliier in unseren Gegenden im Grossen und Ganzen nielit vor dem März. Ein früheres Erselieinen kommt zwar liin und wieder vor, wie etwa auch an miklen Wintertagen einzelne Fledermäuse fliegen. So traf ich in dem ungewölmlich milden, fast frostfreien Winter von 1876 — 77 hier in Bonn schon am 10. Januar Abends im Haus- garten einen herumkriechenden weiblichen Bufo vulgaris. Aber zum Aufsuchen des Wassers und Laichen kam es doch erst im März. Aehnliches habe ich seiner Zeit auch über die deutsclien Eidechsen berichtet. ') Zu den alten Naturbeobachtern, welche sclion eine Art syste- matischer Aufstellung der gegenwärtigen Batrachia anura ins Werk setzten, gehört Andreas Libavius^), welcher sie nach Rösel- scher Uebersetzung „in liebliclie und scheussliche Überhaupts ein- getheilet". Eine frühere und oftmals wiederholte Gruppirung ist die in Ranae terreslres und aquaücae. Bei Linne3) bildet bekanntlich, was wir jetzt als Ordnung aufstellen, die einzige Gattung Rana^ mit den Merkmalen : corpus tetrai)odum, nudum, ecaudatum. Laurenti^) zerlegte bald darauf mit richtigem Blick die LiNNE'sche Gattung Rana in die drei Gattungen Bufo ^ Rana und Hyla. Das Naturgemässe dieser Eintheilung erkennt aueh der nächstfolgende Ordner der Amphibien, Schneider^) an, nur wählt er anstatt des Namens Hyla jenen von Calamites. noch bemerke, rtass die Beobachtungen im Winter 1828 u. 1S20 ,a;emacht wunlen niid zwar in Island. Neuere Schriften über diese Insel melden, dass daselbst durcliaus keine Amphibien leben. Sollte nicht am Ende der besagte allzutiefe Winterschlaf sämmtliche früher dort vorhanden gewesene Amphibien zu dem „Schlaf ohne Erwachen" hinübergeführt haben? 1) Die in Deutschland lebenden Arten d. Saurier, S. 163. 2) Singularium Andrakae Libavh, Pars quarta et ultima continens Historiam et investigationem foatis medicati ad Tubarim sub Eotemburgo : Libros Batrachiorum, de natura, usu et chemia ranarura utriusque generis. Leider habe ich mir das Werk nicht beschaffen können. Der Genannte, von Geburt ein Sachse, war in den Jahren 1591 bis 1B05 in Rothenburg ob d. Tauber ausübender Arzt u. Rector des Gymnasiums. 3) Syst. nat. Ed. XII, Holmiae 1766. 4) Synopsis reptilium, Viennae 1768. 5) Hist. ampliibiorum, Jenae 1797. Fanillio: Biif'onina. 1 1 Weitpre Bekniiutsieliaft mit imscven Thicren erg-ab, dass aus der Gattimii' Bafo die Feuerkröte und Gel)urtslielferkröte füi;dich auszuselieiden seien und Merrem ») fasste beide zuerst als Gattung- Dombinator zusammen. Wagler 2) sodann, fussend auf ausgebreitete Studien über Am})liibien, trennt die Geburtshelferkrtite von Bomhinator und stellt sie als Gattung Alytes auf. Ebenso löst er den bisherigen Büß fuscus von der Gattung Bufo ab und begründet die Gattung Pelohaies. Diese sechs Gattungen der einheimischen Frösche und Kröten bilden zu neuen Einheiten zusammengefasst die naturgemässen Familien der Ran'ma, Bufonina und der Calamitae, während die Familie der BomUnatores, trotz der unverkennbaren, die Gattungen verbindenden Eigenschaften — als da sind: stärker entwickelte Ripi)enanfänge, schaufeiförmige Verbreiterung der Querfortsätze des Kreuz wirbeis, senkrechte Pupille, eigenthttmliche Umarm img beim Laichgeschäft, sehr «-rosse Larven mit dem Athemloch in der Mitte — doch auch wieder bedeutend auseinander gehen und zu den anderen Familien, den Fröschen und Kröten, liinneigen. Familie: Bufonina. Tracht plump, Haut rauli durch Warzen und Hornhöcker; Ober- und Unterkinnla de so wie Gaumen zahnlos; Pupille queroval; Zunge länglich, am Hinterrande frei und nicht ausgeschnitten; Hinter- füsse mit kaum halben Schwimmhäuten; bei der Paar u na- umfasst das Männchen sein Weibchen um CT die Brust, doch so, dass die Pfoten in die Achsel gestemmt werden; Eier gehen in Schnüren ab. I. Gattung": IBiifo Lanr. Körper dick, rundlich zusammen geschoben, warzig, jederseits mit mehr oder weniger li er vor- tretendem Seitenwulst; Hinterbeine wenig länger 1) System d. Amphibien, Marburg 1820. 2) System d. Amphibien, München 1830. 12 1. Art: Bafo vulgaris, Laur. als die Vorderbeine; freier Kand der Schwimmhaut g- e k e r b t ; die zwei B a 1 1 e u der F u s s s o li 1 e sehr ent- wickelt; Kopf, abgesehen von den stark vorspringen- den Augen, flach, Schnauze stumpf, Trommelfell sichtbar, doch wenig scharf abgesetzt; mit Drüsen- wulst über dem Trommelfell; äussere Kiemen der Larven erreichen eine nur geringe Ausbildung. /. Afi : Bnfo vnlgaris, Laur. Bufo cinereus, Schneid. tJeineiue Kröte. Kennzeichen. Länge 3 bis 4 Zoll. Breit, plump, stumpfschnauzig ; ohne Schallblasen. Epidermis mit Dornspitzen, diebraun sind und durchscheinend; Warzen der Haut gross, dicht gestellt; Lederhaut sehr derb, mit Einlagerung von K a 1 k k ö r p e r n. Olirdrüse stark vorspringend, halbmondförmig gekrümmt , nach aussen stark abfallend. Unterschenkeldriise wohl entwickelt. Hinter- beine kurz, dick ; Schwimmhaut der Hinterfüsse massig entwickelt (jedoch am stärksten unter den einheimischen Arten). Die Höcker an den Gelenkstellen stehen je paarig und sind von rundlicher Form. Die Höcker des eigentlichen Handtellers und der Fuss- sohle zahlreicli und härtlich. Sechste Zehe springt sehr stark vor, ist länglich mit abgerundetem Ende, nach vorn und einwärts öfters dunkelbraun, fast schwarz. Grundfarbe des Rückens ein Grau- braun oder Seh wärzl ich grau, zuweilen mit vier lichteren breiten Zonen, wovon zwei zur Seite des Rückgrates verlaufen, zwei an den Seiten des Leibes; hin und wieder aucJi mit dunk- leren Streifen und Flecken, insbesondere am unteren Rande der Ohrdrüse. Bauchseite lichter. Grundfarbe der Iris ein helles Gelb, dem Orangegelb beigemengt ist, zu beiden Seiten mit etwas dunklem Pigment ; nach aussen von dem Gelb noch ein grüngoldener Saum. Männchen. Kleiner und schmächtiger; Vorderarm dicker, fleischiger; eine schwarze, rauhe Haut (Schwiele) am Daumen, sowie am Innen- und Dorsalrand der zwei zunächst stehenden Finger. Bauch einfarbig, hellgrau. Bufo cinereiis, Schneid. 13 Wei bellen. Grösser und diekl)aucliiger, Vorderarm dünner, keine Daumenseliwiele. Das Liehtgrau der Bauchseite mit vielen dunklen Flecken besprengt. Vorkom men. Das weit über Europa, und Hocbasien '), im Süden und Norden'^) verbreitete Tliier bat auch Schreiber dieses in keinem Landstriche Deutschlands, wo er bisher nach Amphibien sich um- sah, vermisst; er fand die Art nicht selten im Rhöngebirge, ferner im Gebiete der Tauber so gut, wie in dem des Neckars, im Main- thal und am Mittel- und Niederrhein 3), am Nord- und Südabhang der Alpen (Gebhardsberg bei Bregenz, Brixlegg im Innthal, Kloben- steiu bei Bo^en ; Umgebung des Gardasees, des Comersees etc.). — Dort, wo passende Laichplätze sich erhalten haben, ist auch die Individuenzahl noch gross, ja in der Nähe des Gardasees und Comersees, avo die Nachtfröste im März und April, welche bei uns in manchen Jahren so verheerend auf den Laicii einwirken, wohl seltener die Brut vernichten, kann Bufo vulgaris zu aus- nehmender Menge sich vermehren. Im September 1869 z.B., wo ich eine zum Gardasee hinabführende Schlucht absuclite, liess sich kein Stein umlegen, unter dem nicht Dutzende von einjährigen Thieren, eng zusammen gekauert, verborgen gewesen wären. Die gleiche Erscheinung bot sich mir im Herbst 1871 am Comer- see dar. 4) 1) Das Vorkommen in Tibet bis zu bedeutender Höhe hinauf ist jüngst wieder (Zool. Garten 1874) angezeigt worden. 2) Nach Blasius (Reise in Russland) findet sich Bufo vulgaris noch bei Archangel. 3) Hier bei Bonn gehört die Art zu den noch häufigen Thieren , da z. B. die Gewässer des botanischen Gartens und des hinter Poppeisdorf sich hinaufziehenden Thälchens, sowie die Gräben und Teiche bei Kessenich bleibende Brutstätten gewähren. Uebrigens ist die Grösse, welche die Thiere erreichen, immer nur eine massige. Ein Exemplar von dem Umfang des bei RösEL dargestellten laichenden Weibchens ist mir hier noch nicht zu Gesicht gekommen, während bei Würzburg und Tübingen dergleichen nicht selten waren. 4) Von einer geradezu fabelhaften Vermehrung berichten die Annales des sciences naturelles Ser. 2, Tom. 6, 1836. Der Erzähler, Professor PoNTus zu Cahors, fährt im Postwagen nach einem Gewitterregen zwischen Albi und Toulouse. Da zeigt sich die Strasse und das umliegende Feld 14 !• Art: Bufo vulgaris, Laur. Bemerkungen. a. Zu dem Zahlenverhältniss der Geschlechter. Da bei uns in gar niauchen Gegenden Teiche und Gräben zum Absetzen des Laiches immer seltener geworden sind, so wandern im ersten Frühjahr die Thiere oft von weit her und sammeln sich zu Hunderten in einem oft ganz kleinen Teiche. Mir bot sich mehrmals Gelegenheit, solche Wanderzüge, die selbst mitten durch ein Dorf oder einen Stadttlieil die Richtung nahmen, o 7 zu beobacliten. Hierbei Hess sich denn wahrnehmen, dass die Zahl der Männclien jene der Weibchen bedeutend überwiegt. Es schwammen z. B. in einem kleinen Teich Anfangs April einige vierzig Männchen herum, suchend und grunzend; dagegen konnte ich nur fünf Weibchen entdecken, die aber dergestalt umworben waren, dass ausser dem Männchen, welches Besitz ergriffen hatte, noch jedesmal drei bis vier andere Männchen anhingen und so das Weibchen mit fünf Männchen einen Klumpen bildete, der durch die lebhaften Bemühungen der letzteren sich fortwährend umherwälzte. Eiu seltsamer Anblick! Mir scheint, dass man auf die Zahlenverhältnisse, in welchen die Geschlechter zu einander stehen, ein Augenmerk haben sollte. Ich habe anderwärts i) in Hinblick auf die Frage nach der ge- schlechtlichen Sonderung des Eies die Ansicht ausge- sprochen, dass in Zuständen des Eies selber es liegen müsse , ob überdeckt mit jungen Kröten, drei- und mehrschichtig auf einander, so dass die Hufe der Pferde und die Räder des Wagens Tausende zerstampften. Von einem ähnlichen Fall macht Dlmkril (im l'Iustitut, T. XXVJ, lb5S) Mittheilung und erklärt ihn so, dass in den Spalten und Höhlungen des Boden Tauseude von Eiern niedergelegt wären ! Da daif man billig fragen , welche von unsern ?>öschen und Kröten kommen denn vierbeinig aus dem Ei? Auch in der Erpetologie general desselben Autors steht: diese plötzlich nach Gewitterregen in Menge hervorkommenden Thierchen „sont tous nes recem- ment. car ils portent encore les restes de la queue." Letzteres mag ganz richtig sein und doch kann es sich nimmermehr um neugeborene Thiere handeln, sondern um solche, welche sich nach überstandener Verwandlung in die Erde flüchteten, als die Trockenheit zunahm und jetzt der Feuch- tigkeit bedürftig, plötzlich allesammt hervorkriechen. Bekanntlich hat schon RüsEL seineu Zeitgenossen diese Erklärung des „Froschregens" gegeben. 1) Ueb. d. Eierstock u. d. Samentasche d. Insecteu. Nova acta acad. Leop. Carol. Vol. XXXI II, p. TT. Bufo cinereus, Sclmeid. 15 bei g-etreimtem Gesclileclit das Ei mänulieh oder weiblieli werde und inelirere Erfahrungen sprachen dafür, dass allgemeinere Ein- \\ irkungen, als da sind beginnender Naliruugsmangel, Wärme und Kälte, bestimmend einwirken. Und desshalb habe ich bei den Studien über die einheimischen Eidechsen') nach dem Zahleu- verhältuiss, in welchem die Männchen zu den Weibchen bei den verschiedenen Arten stehen, geforscht, ohne aber freilich hierüber recht ins Klare zu kommen. Hier bei Bufo vulgaris ist in allen von mir untersuchten Oertlichkeiten das Ueberwiegen der Männchen über die ^^'eibchen ein höchst bedeutendes gewesen. Wenn wir indessen auf die An- gaben anderer Beobachter blicken , entsteht die Frage : ist dies überall so und war auch bei uns dies Verhältniss immer das gleiche? R. Wagxer z. B, welcher doch gewiss während seines Erlanger Aufenthaltes behufs anatomischer und physiologischer Studien den Batrachiern Aufmerksamkeit geschenkt haben wird, sagt, dass bei Amphibien im Allgemeinen mehr Weibchen als Männchen vorkommen.-) Collin in einer Abhandlung über die Frösche und Kröten Dänemark's'^) hebt ganz entgegen meiner Erfahrung hervor, dass in Dänemark die Weibchen des Bufo vulgaris „weit zahlreicher" seien als die Männchen. Wenn er dann freilich meint, dass er auf diese abweichenden Beobachtungen kein besonderes Gewicht legen könne, so erklärt sich diese An- sicht daraus, dass unser Verfasser die Aufgabe, deren Lösung hier angestrebt wird, sich gar nicht gestellt hat. h. Zur Entwicklung, Form und Farbe. Bei dieser Kröte suchte ich mich vor längerer Zeit in der Frage nach dem etwaigen Eindringen der Z o o s p e r m i e n ins Ei zu unterrichten, ohne aber das sehen zu können, was Andere unterdessen angeben. Das Weibchen eines im Zimmer gehaltenen Pärchens hatte während der Nacht seine Eierschuüre abgesetzt, welche ich den Morgen darauf untersuchte. Mit freiem Auge liess sich bemerken, dass die Eierschnüre in ihrer Rand- 1) Die in Deutschlaud lebenden Arten der Saiu-ier. Tübingen, 1872, S. 178. 2) Lehrbuch der vergleichenden Anatomie, Leipzig, 1S34. 3) Natiirhistorisk Tidsskrlft, 18(i'J— IS70. ]Q 1. Art: Bufo vulgaris, Laur. Zone ganz hell und vein waren; liing-egen im Innern, um den Dotter herum, erschienen sie weisslich getrübt. Das Mikroskop belehrte, dass die Trübung von einer feinen Granulirung des Ei- weisses herrühre, sowie dass einzelne Zoospermien, bewegungslos, in der granulären Zone sich befanden. Man erhielt den Eindruck, als ob der weissliche Zug- im Innern des sonst hellen Laiches den Weg' bezeichne, auf dem sich die Samenmasse über die einzelnen Eier verbreitet habe. Um jedes Ei zog- sich eine deutliehe aus Zoospermien gebildete Hülle, die auf dem optischen Querschnitte das Bild einer dichten, das Ei umziehenden Eingzone lieferte. Die Schicht der Zoospermien lag unmittelbar der Dotterhaut nach aussen auf. Aber davon, dass Zoospermien durch die Dotterhaut hindurch ins Innere des Eies gedrung-en gewesen wären, sah ich nichts. Am Dotter hatte die Furchung- begonnen, indem die erste Theilungslinie aufg-etreten war; die Zoospermien Avaren alle regungslos. Meine bisherigen Erfahrungen schliessen somit an Das an, was Reichert •) wahrgenommen hat, welcher berichtet, dass er das Eindringen der Zoospermien durch die gallertartige Eihülle verfolgt habe und wie sie radiär vorschritten. Dann aber lieisst es: „Ins Innere des Eies, also durch die Dotterhaut hindurch, sah ich keine Samenkörperchen eindringen ; sie halten still an der Grenze der Dotterhaut." De l'Isle erklärt, dass er bei Rana esculenia und Bombmalor igneiis eine Mikropyle erkannt habe-). Mir ist es bis jetzt nicht gelungen, weder bei Bufo noch bei den andern etwas davon zu sehen. Man sagt gewöhnlich, dass Bufo vulgaris unter den ein- heimischen Batrachiern am früliesten laiche, was mit meiner Er- fahrung nicht ganz stimmt. Ich habe wiederholt und erst wieder in diesem Frülijahr (1877) beobachtet, dass unser Thier genau nach der Rana fusca laicht. In denselben Gräben, welche voll vom Laich dieses Frosches waren, ohne dass auch nur ein Paar in Umarmung mehr anzutreifen war, sondern Männchen und Weib- chen jetzt für sich lebten — es war Ende März — stellte sich Bufo vulgaris zum Laichgeschäft ein. Nach Beschaftenheit der 1) Ueber die Mikropyle der Fischeier, etc. Archiv f. Anat. u. Phys. ISSO, S. 93, Anmerk. 1. 2) Ann. d. scieuc. nat. Tom 17, 1872—1873. Bufo cinevens, Schneid, 17 Jalirgäuge gehen die Eievselinüre auch noeli viel später ab. Bei dem kalten Frülijalir 1875 z. B. traf ich in den Sümpfen bei Siegburg- (Niederrhein) im Monat Juni die Larven unserer Kröte in einem Stadium der Ent Wickelung, welches sie sonst Ende Ai)ril zeigen. In rauheren Gegenden ist spätere Laichzeit wohl überhaupt Regel: im Rhöngebirge z, B. fand ich im September Schaaren so kleiner junger Thiere, dass sie eben erst das Wasser verlassen haben mussten. Bei Tübingen Avar für gewöhnlich die Verwandlung in der zweiten Hafte des Juni beendet. Die Larven sind klein und in allen Stadien einfach schwarz. Sie halten sich schaarenweise zusammen und drängen sich an den seichten Stellen eines Teiches bei trüben Tagen in solcher Menge aneinander, dass das Wasser sclnvarz ist und ein durchgezogenes Glasgefäss im buchstäblichen Sinne mit Quappen gefüllt wird. Die das Wasser eben verlassenden Thierchen sind von winziger Grösse, dunkelbrauner Farbe, lebhaft in den Bewegungen und vermögen ziemlich gut zu hüpfen. Auch sie halten sich nocli eine Zeitlang gesellschaftlich zusammen, ehe sie sich vertheilen. Nach und nach werden sie im ersten Sommer kupferbraun und behalten diese Farbe bis ins zweite Lebensjahr. Dergleichen roth- braune junge Kröten sind mir oftmals für eine vermeintliche be- sondere Species zugetragen w^orden, wie denn auch Rana rubeta LiNNE hierher gehört. Schon in unsern Gegenden kann das Roth- braun der Farbe in ein Schwärzlich sich umsetzen, obgleich für die Thiere diesseits der Alpen das Braun, in hellerem oder dunklerem Ton , das Gewöhnlichere ist ; die Farbe der vorhin erwähnten Tliierchen vom Gardasee und Comersee ging hingegen bei allen ohne Ausnahme stark ins Schwarze, und nur die Ohrdrüse hob sich mit brauner Farbe ab. — Es scheint der Beachtung werth, dass gleichwie bei manchen anderen Thieren das Weibchen in seiner Färbung dem gemeinsamen Jugendzustand näher bleibt, so sich auch beim Weibchen von Bufo vulgaris das Roth der Haut- farbe oft in grosser Ausdehnung erhält. Gegenwärtig erreicht im mittleren Europa die gemeine Kröte nur einen massigen Umfang, was in weit zurückliegender Zeit, als das Thier M^eniger bedrängt war und ein höheres Alter er- reichen konnte, anders gewesen sein mag. Steenstrup fand in dem Mergel einer Sandgrube in Dänemark eine solche Menge von Knochenresten des Bufo vulgaris^ dass auf einen Cubikfuss Mergel Leydig, Batrachier. 2 18 1. Art. Bnfo vulgaris, Laur. 50 Individuen kamen. Dieselben waren aber weit g-rösser als die sind, Avelche man heutigen Tages im dortigen Lande sammelt, und einzelne Knochen deuteten auf eine ganz ungewöhnliche Grösse hin 1). Im südlichen Europa würde noch gegenwärtig, wenn Bufo palmarum wirklieh nur eine Form A^on Bufo vulgaris ist, unsere Kröte die bedeutende Grösse von 20 Cm. erreichen. c. Zur Biologie. Die gemeine Kröte ist ein Nachtthier, und hält sich da- her bei Tage meist verborgen, unter Steinen oder ins Erdreich vergraben. Die Winterverstecke beziehen die alten Thiere früher als die jungen. Es ist in unsern Gegenden etwas sehr Seltenes, gegen Ende October noch einen erwachsenen Bufo vulgaris^) im Freien anzutreffen, während man um diese Zeit den rothbraunen einjährigen Thieren namentlich auf Pfaden zwischen Gebüsch und auf Landstrassen, welche durch einen Wald führen, bis tief in den Plerbst hinein und zwar auch bei Tage häufig begegnet. Im Sommer, gegen Sonnenuntergang, trifft das Ohr Dessen, der über ein feuchtes Feld zu gehen liat, oder neben Wasser- gräben her, die wimmernde oder zart meckernde Stimme einer Kröte, in der ich unsern Bufo vulgaris vermuthe. Es ist nämlich sehr schwer, ja für mich immer ganz unmöglich gewesen, den Punct, wo die Kröte sitzt — wahrscheinlich streckt das die Dämmerung erwartende Thier nur den Kopf aus seiner Erdhöhle hervor — nach der Stimme ausfindig zu machen. Man klaubt es mit einem Bauchredner zu tlum zu haben. Ich muss nach meinen Wahrnehmungen über unser Thier, welches ich oft längere Zeit lebend hielt, der Ansicht jener Natur- forscher beitreten, welche die Kröte für intelligenter erklären, als es z, B. der grüne Wasserfrosch ist. Letzterer behält in Gefangenschaft ein ungestümes Wesen bei und seine Handlungen zeigen von wenig Ueberlegung: er nimmt Alles, was sich vor seinen Augen bewegt, für lebende Nahrung und schnappt darnach, nacli einer Frucht so gut wie nach einem Insect. Es geht ihm auch lange oder überhaupt gar nicht ein, dass er sich durch Sprünge gegen den Deckel des 1) Steenstrup, Anzeichnungen über das Vorkommen und die Lebensweise dänischer Thiere, Zeitschrift Isis 1841, S. 901. 2) Für Oesterreich gilt als mittlerer Tag des Beziehens der Winter- quartiere des Bufo vulgaris der 24. October. Sitzungsberichte der Wiener Acad. 1869. Bufo cinereus Schneid. ig Behälters niclit befreien Icann. Wie anders ist das Benelimen der gemeinen Kröte! Sie weiss sicli schnell in die Umstände zu schicken und wird bei guter Pflege recht bald zutraulich. Bei Vorlegung eines Insectes oder Regenwurmes macht sofort das bis dahin regungslos dasitzende Thier auf- merksame und doch dabei ruhige Bewegungen des Kopfes, man sieht, dass es sich der Beute planmässig zu bemächtigen strebt. Auch die Fluchtver- suche verrathen Ueberlegung ; und dass bei der Begattungszeit merkwürdige Bestrebungen, die Nebenbuhler zu verdrängen, an diesem Thier vorkommen, ist eine bekannte Sache. Ueber Farben Veränderung-, beding-t durch die Thätig- keit der Cliromatophoren, habe ich meine Beobachtungen bei einer anderen Gelegenheit mitgetheilt. d. Zur Anatomie. 1) Ueber die Hautdecke liabe ich vor Kurzem ausführlich berichtet '■) und die jetzt 2) beigegebene Zeichnung erläutert Manches von dem dort Gesagten. P^ür gegenwärtigen Zweck sei noch Folgendes nachgetragen. Die Dornen der Epidermis erscheinen auf den Scheiteln der Warzen als braune, abgerundete, glatte Höcker, welche, abge- hoben, Grübchen im Bindegewebe der Warze zurücklassen. Die Dornen gehören im Allgemeinen der Kückenfläche an ; beim Männchen kann noch die Kehlgegend Spuren der Dornspitzen besitzen; beim Weibchen erstrecken sie sich für gewöhnlich nicht bloss über die Kehle , sondern auch über die Brustgegend ; ja selbst der Bauch und ein guter Theil der Bauchfläche der vorderen und hinteren Extremität kann damit besetzt sein. Doch wird man beim Durchmustern einer grösseren Anzahl von Individuen auf mancherlei Verschiedenheiten treffen, die viel- leicht zu der Oertlichkeit des Vorkommens in Bezug stehen. So giebt es männliche Thiere, welche, obschon ihre Hautwarzen gut ausgebildet sind, doch kaum eine Spur der Hornspitzen besitzen, so dass der Gipfel einfach abgerundet sich zeigt; am ehesten tritt in solchem Falle noch auf der Dorsalfläche der hinteren Extremität die Bildung der Hornspitzen auf, wobei sie aber nicht von brauner, sondern von hell durclischeinender Farbe, gleich der übrigen Epidermis, sind.- Auch bei weiblichen Thieren können die Horn- höcker fast ganz fehlen. 1) Ueber die allgem. Bedeckungen der Amphibien, Archiv für mikrosk. Anat. Bd. XIT, Separatausgabe S. 67, 2) Tafel VII, Fig. 6 vulc^aris, Lanr. Geschichtliches und Kritisches. Der Holzschnitt, welcher unser Thier bei Gessnkk ') versinnlicht, ist nacli Haltung und Zeichnung besser als gar manche der späteren Ab- bildungen. Den Figuren im RösEL'schen Werke muss trotz verschiedener Mängel und Ungenauigkeiten doch grosser Werth zugestanden werden. Am Colorit ist von Anderen getadelt worden , dass die Farben zu lebhaft seien; Laurenti sagt geradezu: „Icon nimium vivis coloribus vltiata." Nun ist richtig, dass man ein so durchweg röthliches Weibchen, wie RösEL malt, selten antrifft, aber diese Art Färbung kommt vor, wie mich ein von mir auf der Herren insel des Chiemsees gefundenes Exemplar belehrt hat. Auch bemerkt ja Rösel ausdrücklich, er habe gerade die „vorgestellte Kröte" abbilden wollen , weil „sie für andere mit frischen Farben geziert worden". Die dem Werke von Beckstein^) beigegebene Figur sei nur desshalb erwähnt, weil sie, wie es scheint, als Original gelten soll, aber wie näheres Zusehen lehrt, das Weibchen in Fig. I, Taf. XX, bei Rösel ist, ohne das aufsitzende Männchen und darnach ergänzt. Der für Bechstbin beschäftigte Zeichner hat indessen , vielleicht aus Missverständniss , einiges Irrige an- gebracht, namentlich in der Ohrgegend. Atis den Abbildungen der späteren Zeit hebt sich die Figur in dem Werke von Bell 3) hervor, indem sie ein kleineres Thier in lauernd vor- schreitender Stellung sehr gut ausdrückt. Auch die um Vieles ältere originale Figur bei Brandt und Ratzeburg'') ist zu loben, nur ist die braune verhornte Epidermislage der Finger- und Zehenspitzen so scharf abgesetzt, als ob wirkliche Nägel vorhanden wären. Eine sehr sauber ausgeführte und richtige Originalzeichnung enthält die illustrirte Ausgabe von Cuvier's Regne animale. Hingegen muss Carlo Ruspi , einer der für den Prinzen Bonaparte arbeitenden römischen Künstler, einen sehr bösen Tag gehabt haben , als er den Bufo vulf/aris nach beiden Geschlechtern aufs Papier brachte. Gleich als wollte er eine den Worten des Textes nachhelfende Illustration liefern: La brutta bestia, che e il rospo ! Besser sind in den Linien die von Petro Quatrocchi gezeichneten Figuren, welche 1) Hist. animalium üb. II de quadrupedibus oviparis, 1534. (Mit heiterer Titelvigiiette, die wohl der wackre Verleger Froschofer dem Wappeiithier seines Namens gewidmet hat, wcss- halb wir auch bei diesem Heraldischen Froscli die scharfen Vogelklauen ganz in der Ordnung linden müssen.) — Die verunglückieste aller mir bekannten Figuren ist die Zeichnung des crapaud de Roesel bei Daudin. Selbst seine Landsleute können nicht umhin, z. B. Duges, sie als „la tri's mauvaise ligure" zu bezeichnen. Die Schrift: Bufo juxta methodum et leges illustris academiae naturae curiosornm breviler descriptus.Norimbcrgac ItSSti von Paullinus, wie es scheint, eines Arztes in Wolfen büttt'l („Dabam Gvelferbyii"), hat für uns nur insofern VVerih, als sie zeigl, welche grosse Bedeulung der Kröte im damaligen Arzneischatz zukam. Die vielen wunderlichen, zum Theil auch abgeschmackten Angaben legen ferner an den Tag, dass die Fähigkeit zu beobachten doch manchen Menschen ganz und gar abgeht. Die Schrift ist zwar dem Nürnbergischon Arzt Wurffbain gewidmet, steht aber dessen Salamandrologia an wissenschaftlicliem Gehall weit nach. 2) Uebersetzung von i.a Cepede"s Naturgesch. d. Amphibien. 1800. 3) History of British Reptiles. See. ed. 1819. 4) Medicinische Zoologie, Berlin 1839, Taf. XXIII, Flg. I, Bufo cinereus, Schneid. 27 den Bufo palmarum Cuv. vorstellen , doch besitzen die Thieve schwerlich die der Kröte hier gegebene grüne Grundfarbe. Der auf gleicher Tafel befindliche Bufo calamita ist der RösEL'schen Figur nachgezeichnet, aber ohne Sorgfalt, und das Colorit ist so buntscheckig ausgefallen, dass man sich über die hinunelblaue Iris gar nicht wundern darf. Den von Cuvibk auf- gestellten Bufo palinarum erklärt übrigens Bonapakte ausdrücklich für einen grossen Bufo vulgaris: ,,non cssendo quello se non che un grosso e vecchio Rospo , trovato sotto le i)alme di Sicilia , egualissimo in tutto a quelli che veggiarao pe' campi e pe' giardiui di Roma." Ich selber habe diese sicilianische Kröte noch nie vor Augen gehabt, und leider gewährt auch die Schrift von A. W. F. Schultz: De sceleto Bufonis palmarum, Berolini 1832, keinen Anhaltspunct zur Entscheidung der Frage, da der Verfasser die Artberechtigung als selbstverständlich anzunehmen scheint und nicht die mindeste Rücksicht auf die anderen Species der Gattung Bufo nimmt, sondern nur ganz fernstehende Thiere wie Pipa und Cerutophrys vergleichend heranzieht. Bei den Zoologen Berlins mag übrigens auch noch später Bufo palmarum als gute Species gegolten haben, wie ich der Dissertation Fischer's: Amphibiorum nudorum Neiyo- logiae Specimen, Berolini 1843, entnelimen zu können glaube. Im Anschluss an den Bufo palmarum Cuv. sei auch noch des Bufo (Rana) rubeta Linnk, des Bufo commulalus Strp. und Bufo alpinus Schinz mit einigen Worten gedacht, indem ich zugleich auf die Arten und „Varietäten", welche das uNNE'sche Systema naturae in verschiedener Aus- gabe bringt, Bezug nehme. RösEL war in der Kenntniss der bei uns vorkommenden Arten von Bufo seinem grossen Zeitgenossen LInne entschieden voraus. Denn der Nürnberger Naturforscher unterscheidet nicht bloss genau den Bufo vulgaris, bei ihm „blatterichte Laudkröte", und den Bufo calamita, bei ihm „stinkende Landkröte", sondern giebt auch Nachricht von dem Bufo variabil/s , den Schreber bei Halle aufgefunden hatte. LInnk hingegen in der letzten von ihm besorgten Bearbeitung des Systema naturae (Editio duodecima, rcformata Holmiae, 1766) führt nur zwei Species auf: Rana bufo und Bana ruheta. Unter Rana bxifo mögen vielleicht alle unsere drei Krötenarten stecken, denn wie wir aus dem Werke NiLssoN's über die schwedische Fauna ersehen , sind Bufo vulgaris, B. calamita und B. varia- hilis in Schweden einheimisch. Die Ansicht, dass doch wohl LIxne alle drei nach und nach unter die Augen bekommen haben müsse, darf man aufstellen in Anbetracht der langen Zeit, in welcher LInne den Pflanzen und Thieren seiner Heimath Aufmerksamkeit geschenkt hat. Er erklärt ja selber, er habe zur Herausgabe der Fauna suecica sechszelm Jahre ge- sammelt und ganz Schweden nacli den verschiedensten Richtungen durch- wandert, in der Absicht, die Naturproducte des Landes kennen zu lernen.') Aus dem, was er unter „Habitat" sagt, geht hervor, dass er den jetzigen t) LiNNE, Eigenhändige Anzeichnungen über sicli selbst. Mit Anmerkungen und Zusätzen von AFZELiüs. Aus dem Schwedischen übersetzt. Berlin 1826. — Auch in der Widmung der Fauna suecica 1746 sagt er: „per tria lusira incubui labori huic." 2g 1. Art. Bufo vulgaris, Laiir. Ahjies obslefricaHS, welchen Demours 1741 unter dem Namen Bufo terrestris minor bekannt fjemacht hatte, ebenfalls unter Raua hufo bringt. Denn nur auf die Geburtshelferkröte können sich die Worte beziehen: vivipara, mare, ut fertur, obstetricante. Was nun die Rana rtibeta anbelangt, so halte ich sie für ein junges, einjähriges Thier vom Bitfo vulgaris, wie dies längst und von vielen Seiten her schon geschehen ist. Steenstrup •) allein ist anderer Meinung, indem er darzuthun sucht, dass Linne's Rana rtibeta ein Bt/fo calamita gewesen sei. Ich vermag mich hiervon nicht zu überzeugen, indem es doch ganz gegen Linne's Gepflogenheit wäre, des gelben, so scharf sich abhebenden Eückenstriches nicht Erwähnung zu thun, selbst wenn man den von LiNNE beigefügten Worten : puUo Bufonis similis , nicht besonderen Werth beilegen wollte; auch weist die in der Fauna suecica, ed. altera, 1761, beigegebene Notiz: „in horto Drotuingholmensi post pluvias frequens" doch recht eigentlich auf junge Kröten hin. In der von Gmelin nach dem Tode Linne's besorgten Ausgabe des Systema naturae finden wir unter Rana bufo, womit jetzt offenbar Bufo vn^aris gemeint ist, als „Varietäten" aufgeführt: Bnfo calamita, Bufo viridis (variabilis) und Bufo obstetricans. Gmelin war bekanntlich nur bewandert in der Literatur über Zoologie, stand aber den Dingen selbst fremd gegenüber. Ueber den durch Steenstrup 2) vom Bufo vulgaris abgezweigten Bufo commutatus , welcher bloss an wenigen Puncten in Dänemark beobachtet wurde, erlaube ich mir kein Urtheil; möchte jedoch bemerken, dass mir selbst bisher kein Individuum des Bufo vulgaris aufgestossen ist, über dessen Zugehörigkeit zu letztgenannter Art ein Zweifel hätte entstehen können. C. Koch will den Bufo commiilatus in der Umgegend von Frank- furt angetroffen haben und führt ihn als „Variet. medius" des Bufo vulgaris auf. Was endlich die von Schinz») als Bi/fo alpinus aufgestellte Species betriff"t, so mag sie wohl eine mir noch unbekannte Form des Hochgebirges sein. Der Fersenhöcker soll eine besonders grosse, lange und glänzend schwarze Warze bilden. 1) ßicirag til ßestemmelsen of de uordiske Arter af Rana og Bufo. Videnskabelige Meddelel ser fra den uaturhist. Foreniug i Kjovenhava. 1869, 1870. 2) Versammlung deutscher Naturforscher in Kiel, 1847, S. 134. 5) Europäisclic Fauna 184Ü. Bufo viridis, Laur. 29 2. Art: Bufo variablTls, Fall. Bufo viridis, Laur. (xrüue Kröte. Kennzeichen. Länge 21/2 bis 3 Zoll. Traclit g-estreckter, Schnauze mehr vorsjj ringend. Epidermis mit Dornspitzen, die hell sind und durchscheinend; Warzen der Haut kleiner, in Gruppen zusammengestellt ; Lederhaut weicher, zarter, olme Kalk ; Olirdrüse schmal, cyl indrisch, hinteres Ende einwärts ge- richtet, daher beide Drüsen nach hinten etwas convergirend. Hinterbeine länger, schlanker; Zehen länger, schmäler; Zehenspitzen horngelb, weniger verliornt. Unterschenkeldrüse nur in Andeutung; Vorderarmdrüse kaum spurweise; Schwimmliaut der Hinterbeine ziemlich entwickelt, insbesondere der bis zur Spitze der Zehen sich erstreckende Saum ist breitlich ; an den Gelenk- stellen der Zehenglieder steht ein einziger, unpaarer, Höcker welcher gross ist und stark hervortiitt ;• die Höcker des eigentlichen Handtellers und der Fusssohle härter, höher, weniger zahlreich und in fast regelmässigen Keihen ; sechste Zehe mehr länglich (höher und länger). Grundfarbe des Rückens ein Schmutzig- weiss, auf ihm dunkelgrasgrüne, scharf sich absondernde Flecken, einzelne Warzen, namentlicli zur Seite des Leibes, röthlich. — Farbe der Iris öfters mehr grünlich mit schwarzer Marmorirung; zunächst um die Pupille ein schmaler continuirlicher Goldsaum. Männchen. Etwas kleiner, schmächtiger, Vorderarm dicker, fleischiger, Hornschwiele auf dem Ballen und Seitenrand des Daumens und am Innenrand der zwei nächsten Zehen, zur Laich- zeit von schwärzlicher Farbe. Weibchen. Grösser, dickbauchiger, Vorderarm dünner, keine Daumenschwiele. Vorkommen. Von manchen Zoologen, z. B. von Gloger >), wird gegenwärtige Kröte als ein in Deutschland seltenes Thier bezeichnet, was nicht 1) Die Wirbelthiere Schlesiens. 30 2- Art: Biifo variabilis, Pall. g-anz zutreffend ist, obschon man angeben muss, class die Art dies- seits der Alpen nirgends in solclier Menge auftritt, als jenseits derselben. Docli wird sie nach Hahn i) schon bei Eegensburg zur Laichzeit „in Weihern und grossen Pfützen zu Hunderten" gesehen, während sie sich nach demselben Schriftsteller um München „gar nicht findet". 2) Für die Tübinger Gegend hatte ich sie früher als selten bezeichnet , aber spätere Wahrnehmungen haben dargethan, dass sie auch dort noch ziemlich häufig ist. Eecht zahlreich stellte sie sich im Mainthal bei Würzburg zur Frühjahrszeit in den Pfützen am Fusse des sonnigen Steiuberges, da wo jetzt der Bahnkörper liegt, ein; auch bekommt man sie in dortiger Gegend jetzt noch z. B. auf dem Kugelfang, im Thal von Gerabrun, auf der Main- insel leicht zu Gesicht; für den unteren Main erwähnt sie bereits 1825 Römer -Büchner, doch mit dem Zeichen der Seltenheit. Auserdem sammelte ich die Art bei Rothenburg ob d. Tauber, namentlich in alten Steinbrüchen, dann bei Weinheim an der Berg- strasse, im unteren Innthal bei Brixlegg; jenseits der Alpen war sie schon bei Bozen und Meran sehr zahlreich. Für die Gegend von Verona nennt sie de Betta 3) „communissimo sotto i sassi, sotto le foglie fracide". Bei Venedig bevölkerte 4) Bufo variabilis im September 1870, namentlich bei Malamocco, das von verschie- denen Chenopodiaeeen bewachsene Ufer in allergrösster Menge, während der genaue G. v. Marxens ^) mehr als 50 Jahre früher von derselben Gegend sagt: „Bufo variabilis in den Gärten des Lido selten." In Süddeutschland ist das Thier gewiss noch verbreiteter, als es nach den Schriften mancher Faunisten den Anschein hat. In der „Oberamtsbeschreibung von Württemberg" z. B. wird die Kröte nur aus dem Oberamt Maulbronn vom Oberförster Kommerell und ebenso aus dem Oberamt Brackenheim vom Forstreferendar Karrer angezeigt, während die Berichte über die Fauna der übrigen Gegenden des Landes davon schweigen, und man darf vermuthen, dass unter der beliebten Redensart „von Fröschen und Kröten 1) Fauna boica, Amphibien, 1832. 2) GisTL (Isis 1829) meldet, dass sich Biifo variabilis, „ein artiges Thier", um Moosach und bei Maria Einsiedel an der Isar findet. 3) Fauna Veronese, 1863. 4) Nach mündlicher Mittheilung von Dr. Hermann Krauss in Tübingen. 5) Eeise nach Venedig. Ulm 1825. Bufo viridis, Laxir. 31 kommen die f^ewölmliclien Arten vor" der nielit unterschiedene Bufo variubilis öfters stecken mag-. Tmmerliin wird es auch in iSiiddeutschhxnd Gegenden geben, wo die Art felilt, dies möclite z. B. für die Umgegend Nürnbergs der Fall sein, wo weder EösEL noch Stlrm das Thier anzutreffen wussten. ') Im Ehön- gebirge habe ich die Art nicht aufgefunden, dass sie aber w^enig- stens in dem nach dem Mainthal mündenden Sinngrunde vorkomme, weiss ich durcli Gegenbaur, der diesen Strich aus längerem Aufent- halt näher kennt. Auch für Mitteldeutschland sind verschiedene Gegenden be- kannt, wo Bufo vanahiäs vorkommt, so z. B. erwähnt des Thieres Zenker aus Thüringen; Kaluga für Breslau; hier bei Bonn habe ich es selber noch nicht bemerkt, aber die Exemplare der Samm- lung mögen dem Niederrhein angehören ; bei Linz a. Rh. hat sie Oberförster Melsheimer beobachtet, doch „seltener". Die Art ver- breitet sich nach Norddeutschland und in die südlichen Theile von Scandinavien : z. B, nach Schulz 2) lebt sie noch häufig auf den Rüdersdorfer Kalkbergen bei Berlin; um Bremen fand sie Heinecke (nach Mittheilung Brüggemann's) ; bei Lübeck Edler ; Sturm erhielt ein Exem])lar aus Mecklenburg; Collin führt sie für Dänemark auf und Nilsson für Schweden. 3) Nicht enthalten ist die Art in dem Verzeichniss Schlegel's über Niederländische Amphibien; ebenso mangelt sie nach de Selys-Longchamps in Belgien, nach Bell in England. Soweit meine Beobachtungen bisher gehen, ist die Zahl der Weibchen grösser als jene der Männchen ; das Verhältniss der Geschlechter wäre somit gegenüber von Bufo vulgaris ein um- gekehrtes. Bemerkungen. a. Zur Biologie. Die Paarung findet Anfangs April statt, so dass sie meistens mit dem Beginn der Schlehenblüthe zusammenfällt. Der Laich 1) Bei Pommersfelden beobachtete sie mündlicher Mittheilung zufolge Dr. Fries im September 1876. 2) Fauna marchica S. 468. 3) Auf Gotska Sandöa in der Ostsee, nördlich von Gotland lebt nach Eisen und Stuxberg nur Bufo vulgaris. Tkoschel's Jahresbericht über Herpeto- logie 1868. 32 2. Art. Bufo variabilis, Fall. bildet zwei lange Selmttre, deren schwarze Eier zweizeilig in der Gallerte liegen und kaum von denen des B. vulgaris und B. calamiia zu unterscheiden sind. Und älmlieh wie das Aufbrechen derBlüthen- knospen, in Abhängigkeit von allgemeinen Natureinwirkungen, an vielen Pflanzen derselben Art mit einem mal zugleich statt hat, so geschieht auch das Laichen in einer und derselben Nacht von vielen Thieren zugleich : bei einem bestimmten Wärmegrad im geschützten Thal und in den Tümpeln auf der windigen Höhe. Hierbei muss dem Besucher der Laichplätze auffallen, dass die Thiere sobald die Wahl des Laichplatzes frei steht zwischen einem flachen und desshalb leichter durchwärmten Wasser und einem etwas tieferen und demgemäss kühleren, sie das erstere vorziehen, offenbar nur um das allernächste Bedürfniss der Brut bekümmert. Aber gerade dieser Umstand bringt einer Unzahl von Eiern und Larven Verderben, denn die ausgewählten Wasser- ansammlungen sind meist von vorübergehender Natur und trocknen schnell aus, während daneben liegende tiefere der Brut das Leben gefristet hätten. Der gleiche Mangel an Voraussicht und Be- urtheilungsvermögen begegnet uns auch an B. vulgaris und B. calamiia. Bei den Thieren, welche ich selber im Freien gepaart antraf, war der Grössenunterschied der beiden Geschlechter ein geringer. Aber Herr de Betta in Verona zeigte mir in seiner Sammlung ein merkwürdiges Pärchen, wobei ein wänziges Männchen sich auf einem wohl ausgebildeten Weibchen festhält und selbst im Weingeist die Stellung beibehalten hat. Man möchte daraus schliessen, dass das Männchen hier bald geschlechtsreif werden kann. Auch Bufo variabilis ist ein echtes Nachtthier. An den in Gefangenschaft gepflegten lässt sich bemerken, dass sie bis Mitternacht, selbst bis zwei und drei Uhr, lebendig Ijleiben und um diese Zeit mit dem Lichte überrascht sehen die Thiere ganz anders aus als bei Tage : der Kopf ist alsdann hoch aufgerichtet, die Augen stark vorgetrieben, die Pupille sehr weit. Die noch lebhafteren ein- und zweijährigen Jungen führen im Allgemeinen ein Tageleben, was man hin und wieder — ganz abgesehen von dem Verweilen im Wasser bei Tag und Nacht während der Laich- zeit — auch an erwachsenen wahrzunehmen Gelegenheit hat. Ich sah im hellsten Sonnenschein der Nachmittagsstundeu unsere Kröte in den Weinbergen herumkriechen und bei Meran z. B. 2. Art: Bjufo variabilis, Fall. 33 andere in den lieissesten Stunden des Vormittags längs der Weg- ränder. Bufo variahUis ist gleieli seinen Verwandten ein kräftig grabendes Tliier. In einem hölzernen Kistelien olme Erde ge- halten, scharrt es, bei völliger Stille im Zimmer, den Boden derart, dass er dröhnt, stellt aber sofort die Grabbewegungen ein, wenn Tritte sich vernehmen lassen. Die Stimme wird von Manchem dem Knarren einer Thiire verglichen. Die im Zimmer lebenden Thiere lassen bei bevor- stehendem Regen ein kurzes glucksendes Sclireien hören. Ueber den Farben Wechsel habe ich vor Kurzem näher berichtet in der Arbeit über die allgemeinen Bedeckungen der Am- pliil)ien. h. Zur Anatomie. 1) Die Structur der äusseren Haut wurde von mir nach verschiedenen Seiten hin in letztgenannter Schrift erörtert, sowie jüngst auch noch der histologische Bau der Zehen.') 2) Nach Schneider-) ist die Pupille bei eben ausgegrabenen Thieren vertical: „pupilla foramine angusto verticali aperiel)atur", später sei sie „fere semper aperta" , das heisst wolil rundlich. Bkuch hat indessen bereits richtiger und ausdrücklicli hervorge- lioben, dass die Pupille ein Queroval sei. Setzt man die Tliiere in die Sonne, so wird die Pupille zu einem feinen Querspalt, wobei es im Hinblick auf die dreieckige Pupille des Donibinaior von Bedeutung ist, dass auch hier bei Bufo variabilis die untere. Linie der Pupille winklig schwach geknickt erscheint, so dass sie ebenfalls annäliernd dreieckig wird. 3) Vom Skelet sei bemerkt, dass die Gefässfurche am Schädel, hinten und seitlich an den ossa fronto-parietalia weniger tief ist, und die letztgenannten Knochen eine ausgesprochen seit- liche Längsleiste zeigen 3); die- Pfeiluaht weicht nach vorne etwas auseinander, so dass sich die Spur einer Fontanelle bildet. Am OS tym})anicum ist wie bei den zwei andern Species der 1) Morphologisches Jahrbuch II. 2) Eist, amphib. 1799. 3) „Une crete temporal relevee le long de chaqiie parietal, qui s'unit ä sa correspondante en arriere par une arete transversal". Clvieh, Rech. s. les oss. foss. 1836. T. X, p. 281. Leydig, Batrachier. 3 34 2, Art: Bufo vanaj)ili8, Fall. vordere Arm zu einem kurzen Fortsatz verkümmert ; das mit dem Felsenbein (os petrosum) verbundene Stück ersclieint nacli oben uneben und kantig-. Die Querfortsätze des Kreuzbeinwirbels (os saerum) sind in ein noch breiteres Schaufelende ausgezogen als es bei Bufo vul- garis der Fall ist. Das Steissbein (os coccygis) besitzt bei manclien Individuen Spuren und selbst deutlich ausgebildete Querfortsätze. Schöne Abbildungen des ganzen Skelets und einzelner Tlieile finden sich in: Brandt und Eatzeburg, Medicinische Zoologie, Berlin 1829, Taf. XXIII, auch mit Rücksicht auf Abweichungen von Bufo vulgaris. Einige weitere anatomische Verhältnisse — rudimentärer Daumen, Leiste mit Höcker am ersten Mittelhandknochen beim Männchen — kommen, da sie zur Abgrenzung von der nächst- folgenden Art beitragen, bei Bufo calamita zur Sprache, worauf hier einstweilen verwiesen sein mag. Geschichtliches. In den Schriften eines Valisxieri ') und Si'allanzaxi -) geschieht in grösserer oder geringerer Deutlichkeit bereits einer Kröte Erwähnung, die von der gemeinen Kröte verschieden sei. Wenn man nun bedenkt, dass Bufo calamita sich nicht in Italien findet, so ist so gut wie sicher, dass der jetzige Bufo variahilis damit gemeint wird. Man darf auch annehmen, dass die vielen kleinen Kröten, welche zu Kedi's Zeit^j beim Beginn des Regens in den öffentlichen staubigen Strassen von Florenz herumhüpften, zu Bufo variubilis gehört haben. In Deutschland hat ohne Zweifel der zu Erlangen 1810 als Präsident der Leop. Carol. Akademie verstorbene Schreber in seinen Jugendjahren, vor der Mitte des vorigen Jahrhunderts, unsere Kröte entdeckt. Wir er- sehen dieses aus dem Werke Eösel's*), dessen Verfasser die Species zwar nicht selber kannte, aber in der Beschreibung der Kreuzkröte (B. calamila) erzählt, es „habe ihm Herr J. C. D. Schreber aus Halle in einem abge- lassenen Schreiben gemeldet, dass als er die Steine in dem bei dem Kloster 1) z. B. Istoria ilel camaleontc, 1715. 2) Versuche über die Erzeugung der Tliierc und Pflanzen. Ucbersctz. Leipzig 1786. Er sagt, es gebe in Italien aschfarbige Kröten, mit wenig gefärbten Erliüiiungen , die RösEL'sche Bufo terresiris, und eine andere von heiler grüner Farbe, deren Erhöhungen ins Dunkeiroth fallen. Und sie unterschieden sich nicht allein durch die Farbe. 5) Intorno alle Vipere, p. 64. k) Hist. ranarum nostr. 1738. 2. Art: F.nfo variabilis, Pall. 35 Roslebon , fiiuf tStuudeu von Halle, befindlichen Steinbmcli selbst unter- sucht, er unter einem Steine eine Kröte gefunden, so wie ein Klumpen ohne alle Bewegung dagelegen, eine blasse fleischfarbene Grundfarbe gehabt und auf der oberen Fläche mit grasgrünen, ungleichen und in der Mitte abgebrochenen Querstreifen ausgezeichnet gewesen". Sehr viel später, erst am Anfang dieses Jahrhunderts , Hess Schreuer in Sturm's Werk über • die deutsche Fauna eine colorirte Abbildung des Thieres geben, welche ein Weibchen und zwar von etwas ungewöhnlicher Grösse darstellt. Die Figur giebt das Colorit der Kröte recht kenntlich, macht aber sonst den Eindruck, als ob sie von einem Nichtzoologen, wenn auch „unter Aufsicht", gezeichnet worden wäre. Ungefähr zehn Jahre nacli dem Erscheinen des EösEL'schen Werkes hielt sich Pallas, auf der Reise nach Petersburg begriifen, im Jahre 17(i7 zu Lübeck auf und sah dort bei dem Apotheker Edler gegenwärtige Kröte, welche sich auch bei Lübeck vorgefunden hatte.'] Pallas ist er- staunt über die Schönheit des Thieres, welches man desshalb für ein exotisches halten könne, und gab ihm wegen der Fähigkeit, die Farbe "zu ändern, den Namen Rcma variabilis}) Die zwei Figuren •'') wurden wohl nach Weingeistexemplaren genommen: in Zeichnung und Stich sauber, und das Eingeschrumpfte und Steife eines derartig aufbewahrten Thieres getreu wiedergebend. Doch sind, was die Einzelheiten anbelangt, die Worte der Beschreibung von Pallas selber genauer und eingehender als die Arbeit des Zeichners. Ein Jahr noch vor der Veröffentlichung des 5. Fascikels der Spicilegia (17B9) erschien die LAURENxi'sche Dissertation (1768j, worin die Kröte als Bufo viridis beschrieben wird. 4) Die Anzeige bei Rösel über den ScHREBER sehen Fund war ihm bekannt, doch hielt er diese und seine Art auseinander, indem er die erstere als Bufo Schreheriaiius unterschied. Die Beschreibung bei Laurexti ist gut, doch darf es Verwunderung erregen, dass er des Farbenwechsels nicht gedenkt, obschon er etwas davon gesehen haben muss, denn unter „Varietas" wird bemerkt: bei den einen seien „maculae laete virides, verrucaeque pulchrius rubentes", bei den anderen dagegen „omnia subfusco vitiantur colore". Besonders hervorgehoben wird der Goldglanz der Iris: Thiere, welche in dunkeln Mauerspalten sich geborgen, könnten an dem Leuchten der Augen entdeckt werden; bei Erregung „oculi fulminant electrici". Die Abbildung ist rücksichtlich der Auffassung im Ganzen trefflich : es erscheint die Haltung 1) Spicilegia zuol. VI. 2) In einer histologisclien Schrift von Ruf schreibt der Verfasser durchweg „Bufo variegat:i". Ganz abgesehen von dem sprachlichen Fehler, der darin liegt, tragt diese Kröte bei keinem Zoologen den Namen „variegatus". 3) a. a. 0. Tab. VI, Fig. 3 u. 4. 4) Man kommt eiwas in Verlegenheit der Frage gegenüber, welcher Bezeichnung, ob „variabilis" oder „viridis", die Priorität zuerkannt werden soll. Pallas hat das Thier bereits 1767 unterschieden, und dem gemäss wäre „variabilis" voranzustellen, aber die Veröffentlichung des Fasciculus quintus der Spicilegia geschah im Jnlire t769, während der Fasciculus primus 1767 erschien. Gerade in diese Zwischenzeit, ins Jahr 17C8, fällt die Anzeige des Thieres durch Laurenti als B. viridis. 3* 36 3. Art : Bufo calamita, Lanr. des aufgesclircckten uud verdutzten Thieres sehr gut getroflfeii. Auch den Einzelheiten wird Beachtung geschenkt, indem z. B. das Trommelfell deutlich zu sehen ist-, nur an der Schnauze springen einige überflüssige Ecken vor. Eine auch im Colorit gute Abbildung siehe ferner bei Bkaxut in der von ihm mit Ratzebijrg herausgegebenen Medicinischen Zoologie, Berlin 1829. 3. Art: Bufo calaiHtUff Law. Bufo eruciatus, Selmeider. — Bufo portentosus, Bluiueubach. Kreuzkröte. Kennzeichen. Länge bis 3 Zoll. Von besonders stumpfsclmauzig-er und zusammengeschobener Traclit. Epidermis o hu e D o r n - spitzen; Warzen der Haut gross, vereinzelt stehend, Lederliaut derb und hart, doch ohne Kalk; Ohrdrlise wenig vorspringend, daher niedriger, breiter, nach hinten verjüngt, drei- seitig und geradeaus gerichtet. Hinterbeine kurzer, gedrungener, Zehen breiter und kürzer ; Zehenspitzen braun oder schwarz , stark verhornt. Unterschenkeldrüse wohl entwickelt ; Vorderarmdrüse vorhanden. Schwimmhaut der Hinterbeine sehr schwach entwickelt, Zehen fast nur geheftet. Die Höcker an den Gelenkstellen stehen je paarig und sind von rundlicher Form ; die beiden nicht immer gleich gross. Die Höcker des eigentlichen Handtellers und der Fusssohle sehr zahlreich und weicher. Sechste Zehe mehr rundlich (kürzer, stumpfer). Grundfarbe des Rückens ein Olivengrün oder Olivenbraun, Warzen am Gipfel mit Spur von Braunroth. Ein lebhafter schwefelgelber Eücken- strich. Leuchte Marmorirung, welche auf den Hinterbeinen zu deutlicher Fleckenbildung wird. Iris gelblich mit schwarzer Be- sprenkelung. Männchen. Leib geschmeidiger; Vorderarm sehr dick, Schwiele am Daumen und am Eande der zwei nächsten Zehen ; mit sehr entwickelter Schallblase an der Kehle ; Bauchseite ein imreines Grau mit schwärzlichen Sprenkeln. Weibchen. Dicklicher von Körper, Vorderarm dünner, keine Daumenschwiele ; ohne Schallblase ; eine helle buchtige Binde zur Seite des Leibes. 3. Art: Biifo calamita, Lanr. 37 Vorkommen. Bufo calamila gehört dem gemässigten Europa an und fehlt in vielen Ländern Siideuropa's, so in Italien und Grieclienland, während sie in Spanien 1) vorkommt. Sie findet sich in Scliweden nach NiLssoN '-) ; in Dänemark lebt sie, wie Collin 3) berichtet, sehr allgemein am Küstensaum. Dass sie auf der Nordseeinsel Borkum vorkommt , erwähnt Altüm ^) ; auf der Insel Sylt ist sie , miind. lieber Mittlieilung zufolge, ebenfalls häufig, namentlich in den aus Eollsteinen aufiiefitlirton Mauern. Für Enüland hat sie Bell'^) längst nachgewiesen; sie findet sich in Holland nach Schlegel ß). lieber Nord- und Mitteldeutschland scheint sie weit verbreitet zu sein : bei Bremen beobachtete sie Brüggemann, ihr Vorkommen in Pommern meldet Holland '), für Schlesien, allwo sie Kaluza noch im Jahr 1815 vermisst hatte, zeigt sie Gloger^) an, für die Mark Brandenburg Schulz-'), für Thüringen Zenker i"), für Böhmen Glückselig 11), für das Nassauische Kirschbaum '2). In Süddeutschland sammelte ich das Thier bei Rothenburg ob der Tauber, wo es sich seit vielen Jahren an den Abhängen des Waehsenberges hält, dann im Mainthal bei Würzburg, allwo 1) Nach Michahelles, Isis 1830, S. 808. In Portugal fehlt sie laut einem Verzeichniss der Reptilien dieses Landes in der Revue de Zoologie 1863 ; dort seien die Kröten nur durch Büß vulgaris vertreten. 2) Skandinavisk P^auna Amfibierna, Lund 1842. 3) Danemarks Froer og Tudser. Naturhist. Tidsskrift, 1S76. (Der Ver- fasser einer jüngst erschienenen Herpetologia europaea lässt sie irrig in Dänemark fehlen.) 4) Stettiner entomologische Zeitschrift 1865. 5) British Reptiles, 1849. Dass sie in Irland vorkommt, ist später von einem andern Beobachter ausdrücklich erwähnt worden. 6) De Dieren van Nederland, Harlem 1862. Wie ich sehe, hat unsere Art schon lange vorher für dieses Land Ledeboer angezeigt in den Addenda zu Altexa's Commentatio, Lugd. Bat. 1829, p. 69. 7) Die Wirbelthiere Pommerns, Stolp 1871. 8) Schlesiens Wirbelthierfauna 1833. Mein Exemplar des Werkchens hat den handschriftlichen Zusatz des früheren Besitzers, dass B. calamita bei Göttingen vorkommt und einzeln am Oberharz. 9) Fauna marchica 1845. 10) Batrachomyologia, Jenae 1825. 11) Synopsis Reptilium Bohemiae. 1832. 12) Reptilien und Fische des Ilerzogthums Nassau, 1865. 38 3, Art: Bnfo calaraita, Lauiv es in den vierziger Jaliren äusserst liäufig* war , namentlicli auf der unterdessen verschwundenen „dürren Wiese'", dem durch das Vorkommen von Helianthemum apenninum auch merkwürdigen „Campus sterilis versus Yeitshöcliheim" der HELLER'schen, im Jalire 1810 erscliienenen Flora Wirceburgensis. Auch jetzt noch, obschon die alten Laichplätze von damals fast alle zerstört sind, zeigt sich in manchen Jaliren das Tliier in Menge ')• Dei* Fauna der Eliön gehört es ebenfalls zu : ich fand erwachsene Individuen im August 1874 zwischen dem Stellberg- und derMilseburg- unter trocken liegen- den Steinen und im September die Larven in, allen Ptlanzen- wuehses entbehrenden Feldtümpeln zwischen Kleinsassen und dem „Thiergarten". Auch am Rhein fehlt Bufo calamita nicht: ich sammelte Exemplare am Niederwald bei Rüdesheim, dann hier bei Bonn treffe ich die Kröte nicht selten in Gärten der neuen Stadttheile, von wo sie an warmen Regenabenden im Erdgeschoss der Häuser sich einfindet („Hausunke'"); auch auf dem rechten Ufer, z. B. an den Mauern der Kirche von Schwarz-Rheinfeld, und im Sumpfgebiete von Siegburg habe ich das Tliier wieder- holt beobachtet. Die Verbreitung über Württemberg wäre noch festzustellen: in der Umgebung Tübingens kommt die Art vor, wie ich das seiner Zeit schon gemeldet habe, so auf dem Spitzberg, der Roseck, Waldhäuserhöhe, Pfrondorfer Höhe ; und es verdient in Erinnerung gebracht zu werden, dass schon vor langen Jahren der Botaniker Schübler das Thier als Rana portentosa aus der genannten Gegend richtig erkannt und angezeigt hat. Unter dem gleichen Namen wird alsdann noch von Plieninger in der für die „Oberamtsbe- schreibungen" gelieferten Darstellung der faunistischen Verhält- nisse der Stuttgarter Gegend die Art aufgeführt. Bei den zahl- reichen anderen Oberamtsbeschreibungen hat man sich mit der 1) Beim Eisenbalmbau während des Durchstiches am „faulen Berg" bei Würzburg wurde mir von dem die Arbeiten leitenden Ingenieur ein lebendes Exemplar dieser Species gebracht, welches seiner Aussage zufolge tief in der Erde, innerhalb des Gesteins getroft'cn worden war. Gerade diese Krötenart scheint es zu sein, welche zu wiederholten Malen im Gestein eingeschlossen und lebend gefunden wurde. In dem so ausführlich behandelten Fall : Rapport sur un crapaud trouve vivant dans la cavite d'un gros silex, ou il parait avoir sejpuruc pendant longtemps, Corapt. rend. Taf. XXXIII, 1851, handelt es sich ebenfalls um Bvfo calamita. 3. Art: Bnfo calamita, Laur. 39 Aiigabo zu begnügen: „alle gewölmliclien Frösche und Kröten". Die ftiunistische Skizze, welche über das Oberamt Maulbronn Oberförster Kommekell veröffentlicht hat und in anzuerkennender Weise eine namentliche Aufzählung* der Amphi1)ien enthält, nennt den Bufo calamita nicht, aber auch nicht B. vulgaris^ sondern nur B. viridis (variabilis) ; ebenso könnte man bezüglich des 01)er- amtes Backnang;, dessen Fauna Oberförster Calwer bearbeitet hat, ein Fehlen des B. calamila annehmen, da dort nur B. vulgaris erwähnt wird. Jenseits der Alpen ist mir Bufo calamita nie zu Gesicht ge- kommen, auch wird sie in den neueren Verzeichnissen über die Fauna der Amphibien in Südtirol und Italien nicht erwähnt ') ; sie fehlt auch, laut Zeugnissen über die Thierwelt der südöstlichen Länder, in Griechenland und auf den Inseln des Archipels. Wie weit sie ostwärts geht, lässt sich einstweilen nicht sagen : in Galizien und der Bukowina fand sie noch Zawadzki ; in dem Verzeichniss 'russischer Amphibien bei Kryniki wird sie nicht auf- gezählt. Auch bei Wien fehlt sie 2), muss aber in Ungarn, bei Pesth z. B., zahlreich leben, da sie dem Verfasser des LAURExxi'schen Werkes 3) als Versuchsthier diente und auch gesagt wird: „in muri hiatu saepe deni aut bis deni deprehenduntur." — Am Amur und im Thal des Flusses Usura fand Maak zugleich mit den beiden anderen Arten ( B, vulgaris und B. variabilis J den Bufo calamita. 1) In Krain scheint sie noch heimisch zu sein, wenigstens führt sie Freyer in seiner Fauna dieses Landes auf. 2) Vergl. Erber's Aufzählung der Amphibien der österreichischen Monarchie. 3) Man vergl. zum Verständniss eine Bemerkung über den eigentlichen Verfasser und seinen Wohnort in meiner Schrift : Die in Deutschland lebenden Arten der Saurier, S. 195. — Bhcch (Naturgesch. und Classification der nackten Amphibien, Würzburger naturwiss. Zeitschrift Bd. 111) ist im Irr- thum wenn er sagt, Btifo calamita verdiene ihren LiNNE'schen Speciesnamen im wörtlichsten Sinne. Nicht Linnk, sondern Laurenti war es, welcher das Thier mit diesem Namen unterschieden hat, wahrscheinlich in Anwendung der Bezeichnung „Röhrling", welcher sich in der Beschreibung bei Rösel neben anderen Namen findet. 40 3- Art: Bufo calamita, Laur. Bemerkungen. a. Zur Entwicklung und Lebenserscliehmngen. Ende März, Anfang- Ai)ril begegnete icli den ersten Tliiereu; es waren immer (wie ich solches auch bei Bufo vulgaris, Bufo variahiUs und Rana fusca beobaelitete) alte geschlechtsreife Indivi- duen — und zwar Männclien — , welclie zuerst aus dem Winter- versteck hervorgekroclien waren. Das Absetzen des Laiches er- folgte dann Anfangs Mai. Die Larven sind sehr klein (jene von Bombinator igneus werden mehr als noch einmal so gross); ihre Form geht etwas ins Breite und Platte ; von Farbe sind sie schwärzlich mit kleinen erzfarbenen Pünctclien besprengt. Die Nasengruben heben sich lebhaft weiss von der scliwarzen Umgebung ab. Larven, deren Hinterbeine hervorgesprosst sind, zeigen auch bereits, in zwar zarter, aber doch deutlicher Anlage, den Rückenstreif. Scliwanz in der Mitte ganz schwarz, Flossensaum ziemlich liell mit einzelnen verästigten Zeichnungen, welches pigmeutirte Blutgefässe sind ; da- zwischen schwarze Puncto. Der Gallertmantel der Haut ist sehr auffällig und hält sich am längsten am Kopf. (Hornleisteu der Kiefer am freien Rande grob gezackt; Hornzähne am Ende fein gekerbt.) Man findet die Larven oftmals in völlig pflanzenlosen Lehm- gruben und der Darm war alsdann schon fürs freie Auge immer nur mit Bodenschlamm angefüllt, in dem sich mikroskopiscli Diatomeen, Algen und Reste niederer Thiere l)efanden, niclits aber von zernagten Pflanzcntlieilen. Die jungen Thiere, welche eben das Wasser verlassen haben, sind kleiner als die Larven des näclist vorausgegangenen Stadiums, und nur etwa 1 Cm. lang. Der Hinterleib ist nach hinten etwas sackartig verbreitert, die Hinterbeine sind sehr kurz, was ihnen ein nahezu komisches Aussehen verleiht. Von der Ohrdriise ist noch nichts äusserlich sichtbar. Riickenseite grau- gelb, fein körnig durch Epidermishöcker, die grossen Warzen schon von mattem Rothbrauu , Rückeustrich scliwach gelblich ; Iris noch ziemlich dunkel, nur um die Pupille hat sich ein gold- griiner Streifen entwickelt. An der weissgrauen Bauchseite tritt nach hinten eine dunklere Grundfarbe hervor, auf welclier dann das Weiss in Form verstreuter g-rösserer Puncto erscheint. Dieser 3. Art: Bnfo calamita, Laiif. 41 Tlieil des Baiiclies grenzt sieli besoudevs gut ah, wenn die Thiere am Glase häng-en. Unsere Krötelien sind uämlicli nicht bloss äusserst beweglich, sondern wissen aucli rasch in die Höhe yai klimmen, wobei sie den Bauch stark andrücken. Ilire Behendig- keit und eiliges Wesen ist so gross, und der Körperumfang so gering, dass man am feuchten Ufer eines Teiches nach ihnen greift in der Meinung, den Käfer Elaplirus uliginosus yai liaschen. Wenn sie etwas grösser geworden sind, zieht sich eine durcli Drüsen gebildete und von der Ohrgegend ziemlich tief nach abwärts l)iegende Seitenlinie am Körper her. Einjährige Thiere sind im Ganzen lebhafter gefiirbt als die alten, besonders heben sich die röthlichen Warzen der Seitenlinie und der Eückenfläche von dem reinen Olivenbraun der Grundfarbe ab. Die anfänglich so deutliche, durch Drüsen hervor- gerufene Seitenlinie ist zwar auch noch später zu verfolgen, aber sie grenzt sich von den übrigen Warzen des Rückens nicht mehr so scharf ab wie früher. Es besteht immer noch eine Unsicherheit, ob bei dieser Art nnd den anderen Kröten eine zweite Brut vorliauden ist, wie ich solches früher annahm, wenn Larven des ßiifo calamita (bei Tübingen) oder auch jene vom Büß variabiUs (bei Würzburg) bis tief in den October hinein mir zu Gesicht kamen. Allein es ist doch wahrscheinlicher, dass in diesen Fällen die sonst regelrechte Zeit der Fortpflanzung im Frühling durch die AVitterung und ungünstige Nahrungsverhältnisse nicht eingehalten werden konnte, und das Absetzen des Laiches daher verschoben werden musste. Die Farbenveränderungen, durch die Thätigkeit der Chromatophoren hervorgebracht, können auch bei dieser Art sehr gross sein, worüber ich vor Kurzem an einem anderen Orte Beobachtungen mittheilte, i) Obschon man hin und wieder auch bei Tage eines Bufo calamita ansichtig wird, so sind die erwachseneu Tliiere doch im Ganzen ausgesprochene „animalia nocturna", und wie bei den anderen Arten ist alsdann die Pupille an den äusserst vorge- quollenen Augen sehr weit geöffnet. 2) Die einjährigen Thiere sind 1) Uebcr die allgemeinen Bedeckungen der Amphibien. Archiv für mikrosk. Anat. 1876, z. B. S. 66 der Separatausgabe (Bonn, Cohen & Sohn). 2) Die Iris bald mehr gelblich, oder grünlich, ist schwärzlich besprengt, und besitzt gern in einiger Entfernung um die Pupille einen dunkeln King. 42 3., Art : Biifo calamita, Lanr. aber auch bei Tage lebendig, und ich sammelte sie gar nicht selten im Souneuscjiein etwa am Saume eines Kleefeldes, wo sie wahrscheinlich mit Insectenjagd beschätftigt waren, oder auf dem sonnig durcliwärmten Sande des Mains. Was die Stimme unserer Kröte betrift't, so hat bereits Bruch richtig bemerkt, dass nach dem Laubfrosche das Männchen vom Bufo cahmita unter den einheimischen Batrachiern die lauteste Stimme besitzt. Ich habe mich öfters im April am Bande eines mit diesen Thieren gefüllten Gewässers gegen Abend auf- gestellt und erwartete den Chorgesang. Einige Minuten nach Sonnenuntergang, bei lauer windstiller Luft, ertönte plötzlich wie auf Commando das starke Geschrei dieser Thiere, hielt etwa fünf Minuten scharf und ununterbrochen an, um dann ebenso plötzlich aufzuhören. Nach einiger Zeit erschallt wieder plötzlich der Chorgesang, der jetzt ununterbrochen fortdauerte, so lange ich am Teiche aushielt. An anderen Tagen, besonders wenn Kegenluft im Anzüge war, intonirte und concertirte die Gesell- schaft nicht so pünktlich, so dass kein richtiges Zusammenwirken zu Stande kommen wollte, sondern es plärrte ein Jeder sein Lied ab, wie es ihm gefiel. Die Weibchen geben dabei nur ein zartes Mäckern zu hören. Gefangen gehalten lässt das Weibchen in der Stille des Zimmers ein eigenthümliches zartes Klagen ver- nehmen, welches einigermassen an die Stimme von BotnUnator igneus erinnert. Noch sei bemerkt, dass das Concert des Bufo caJamUa von Naturforschern sowohl wie von Nichtzoologen gewöhnlich auf Frösche bezogen wird. Sclion in den alten Kalenderregeln wird auf das „Schreien der Frösche" vor oder nach Georgi hinge- deutet ; aber um diese Zeit lässt Rana escidenia die Stimme noch nicht erschallen, dies geschieht später. Es ist Bufo calamita^ welcher den Anlass zur Kalenderregel gegeben hat. Eösel bezieht das weithintönende Geschrei auf Hijla arhorea^ allein wohl ebenfalls mit Unrecht. Er mag auf diesen Gedanken gekommen sein, weil er nur Rana fusca in Vergleich zieht, die allerdings nicht in Betracht kommen kann. Möglich wäre es immerhin, dass an dieser und jener Oertlichkeit , wo die Zahl der Laub- frösche eine sehr grosse ist, ein ähnliches Concert auch von dieser Art aufgeführt werden kann ; doch klingt die Stimme von Hyla arhoreu heller und, mau möchte sagen, regelmässiger. So weit 3, Art: Bufo calaraita, Laur. 43 meine Erfnliriiiig- gelit, waren die 8clinaven der im April selireien- den „Frösche" allezeit nicht Hyla und 7?öw«, sondern Bufo calamita. Manche Systematiker betrachten Bufo calamila als die höchste Form der Gru})pe, und es könnte aucli von meiner Seite zu Gunsten dieser Ansicht erwähnt werden, dass diese Kröte in der Gefang-enschaft ganz besonders und bald ein Verständniss für die Verhältnisse, in welche sie gerathen, zu erkennen giebt. Alte Thiere zwar erweisen sich Avohl in der ersten Zeit sehr ungeberdig, und namentlich war mir auffallend, dass ein ungeAvölmlich grosses Individuum, im dunkeln Räume gelialten, beim sachten Oeffnen des Deckels sich nicht nur rasch und unwillig ab- und zur Seite wandte, sondern unter starkem Aufblähen des Leibes diese Bewegung mit einem beinahe menschenälmliclien Brummer des Unwillens l)egleitete. Schon am zweiten Tage that sie dies nicht mehr und wurde nach und nach bei guter Behandlung recht zutraulich. Die einjährigen gewöhnen sich, wie alle jungen Thiere, noch rascher ein. h. Zur Anatomie. 1) Die mehrfach erwähnten Arbeiten über „Die allgemeinen Bedeckungen der Amphibien" ') und über den „Bau der Zehen der Batrachier" -) enthalten die Ergebnisse meiner neueren, die Anatomie auch dieses Thieres betreffenden Studien. Die Zackenbilduug der Epidermis tritt zurück, eigentliche Dornen sind gar nicht vorhanden, wenn auch am Gipfel der Rückenwarzen die Epidermis etwas verdickt sich zeigt. In der Leder haut, welche ohne Kalk ist, ünden sich gern die Drüsen zu Gruppen geordnet. Bezüglich der Ohrdrüse, welche von zusammengeschobener, nach hinten stark verjüngter, daher drei- seitiger Gestalt ist, mit gerade nach hinten gerichtetem Ende, kenne ich keine Abbildung des Thieres, allwo die Form der Drüse richtig angegeben wäre ; selbst die sonst treffliche Figur bei Bell ^) befriedigt in diesem Punkte nicht. Eine ähnliche Drüse von ovaler Gestalt und aus etwa dreissig nahe zusammen gerückten Follikeln bestehend, breitet sich an 1) Archiv für mikrosk, Anat. Bd. XII. 2) Morpliol. Jalirbucli II. 3) Biitiali Eeptiles, 1819. 44 3- -^rt: Bufo calamita, Laiir. den hinteren Gliedmassen als Unterscli enkeldrüse aus und wird am besten von innen lier zur Ansicht gebracht. Auf einem Schnitt durch dieselbe zeigen sieh zu oberst in der Leder- haut die gewölmlichen kleinen kugeligen Drüsen, welche die Ausfiihrungsgänge der grossen Drüsen umstellen. Letztere haben die Ausdehnung von denjenigen der Olirdriise. Der einzelne Sack verjüngt sich nach oben ziemlich jjlötzlicli in den Aus- führungsgang. Auch der Vorderarm besitzt eine der Unter- schenkeldrüse entsprechende Gruppe von grösseren Bälgen in deutlicher Weise, was ich nirgends erwähnt finde. Bruch •) meint desshalb auch hervorheben zu können, dass die Yorderarmdrüse als ein ausschliesslicher Charakter der Gattung- Pelobates zu be- trachten sei. Ueber die Schwimmhaut der Hinterbeine und Andeu- tun2:en einer solchen an den Vorderbeinen habe ich anderwärts schon gehandelt. Es kommen hierin zwar manche individuelle Verschiedenheiten vor, aber Spuren finde ich doch immer und kann es nicht für richtig gelten lassen, wenn Andere unter die Charaktere aufnehmen: ~,Hinterfüsse ohne alle Schwimmhaut". Die Zehen erscheinen bis zum letzten Glied umsäumt, wenn nicht etwa die Haut ödematös geschwollen ist. 2) Die Finger sowohl als auch die Zehen sind gar oft kleiner und verstümmelt, wie ähnliche Verkürzungen auch sonst nicht selten beobachtet werden. (Siehe unten Beilagen.) Bei regel- recliter Ausbildung ist an der Hand der dritte Finger, vom Daumen her gerechnet, der längste, am Fusse die vierte Zehe. 3) Die Sckallblase des Männchen ist unpaar, in der Mitte der Kehle gelegen. An mehreren Exemplaren, die ich untersuchte, führte nur Eine Oeffnung und zwar auf der rechten Seite zwischen Zunge und Kinnlade in den Sack. Die Musculatur des letzteren ist so dunkel pigmentirt, dass sie sich dadurch stark von der Umgebung abhebt. Wimpern vermisse ich an der epithelialen Auskleidung des Sackes. 4) Am Skelet äussert sich deutlich die Sonderung der Species. Die Gefässfurche seitlich am Hinterkopf ist Avieder tief, breit und in der Mitte gern schmal überbrückt. Die Pfeilnaht \) Beiträge zur Naturgesch. und Classification der nackten Amphibien. Würzburger naturwiss. Zcitsclir 111. Ed., S. 210. 3. Art: Bufo calaniita, Laiir. 45 der Ossa frouto-parietalia erweitert sich iiaoli vorn zu einer kleineu oder auch g-rossen Fontanelle.') Das Steissbein {Os coecygis) ist ohne Querfortsätze.'^) Bei Bufo variabiUs stehen die zwei letzten Querfortsätze (vor dem Kreuzwirbel) einfach ({uer, bei Bufo calamita sind sie nach vorn gerichtet. Das unter der Haut lieg-ende Eudiment des Daumens ist bei Bufo vnriabilis, Männehen, unter den einheimischen Kröten am meisten entwickelt, daher sofort an der skeletirten Hand als ein länglicher, dem äussersten Carpale ansitzender Knochen auffällig. Bei Bufo calamita (vergl. Taf. VI, Fig. 57 und 58) hingegen erscheint der Knochen um Vieles kleiner, nähert sich dem Rund- lichen und will schon eher aufgesucht sein. Eine ähnliche Verschiedenheit bietet die Leiste am zweiten Mittelhandknochen, der herkömmlich erster oder Daumen genannt wird, dar. Bei Bufo variabiUs geht die Leiste in einen nach oben und aussen gewendeten, deutlich unterscheidbaren Vor- sjirung aus ; bei Bufo calamita hingegen ist letzterer ganz winzig, so dass eine gute Lupe noth wendig wird, um sich von der An- wesenheit zu überzeugen. Besagter Knochen ist abermals bei beiden Arten, wie dies auch an Bufo vulgaris der Fall war, kräftiger und mehr gebogen , als die übrigen Mittelhandknocheu ; insbesondere erscheint die Biegung bei Bufo calamita stärker ausgesprochen als an Bufo variabiUs. Nicht unerwähnt darf gelassen Averden, dass wieder von rechts und links, an einem und demselben Männchen, bezüglich der Leiste und ihres Höckers sich in der Ausbildung leichte Verschiedenheiten zeigen; Die Fusswurzelknochen (Sprungbein, Fersenbein) sind bei B. calamita kürzer als bei B. variabiUs. 1) Bei RösKL, Tab. XXIV, Fig. 9, erscheint das Skelet unserer Kröte ohne alle Spur der Fontanelle. Es kann dies auf Exemplare ausgeleg't werden, denen vielleicht wirklich die besagte Lücke abgeht. Doch ist wahrscheinlicher, dass der alte Meister die Fontanelle überhaupt nicht beachtet hat; denn auch an den Zeichnungen der Skelete von Hijla und Bombinalor giebt er den Thieren ein vollkommenes Schädeldach. 2) An einem Exemplar, das ich für die Tübinger Sammlung skeletiren Hess, erscheint das Steissbein ausgeprägt spindelförmig, indem es in der Mitte sehr verdickt ist. Dass dieses jedoch nichts Typisches, sondern rein individuell war, beweist mir der Vergleich mit anderen Skeleten derselben Art. 46 3, Art: Bufo calamita, Tiaur. c. Uehcr das VerhäUnisa von Bufo calamita zu Bufo variabilis. Das Verfaliven manclier Autoren, Bufo calamita^ den Rösel zuerst, 1758, als Bufo terrestris foctidus besclirieben hat, als Varietät zu Bufo variabilis zu ziehen, darf Diejenigen, welche die Thiere verglichen und im Leben zu beobachten Gelegenheit hatten, in Erstaunen setzen. Denn die beiden sind „toto coelo" ver- schiedene Geschöpfe, wie dies auch längst viele Zoologen erkannt haben. Ich nenne z. B. Laurenti, dann Schrank in der Aufzählung der Thiere der Bayerischen Fauna, Latrbile in dem Buclie über die Salamander Frankreichs ; ebenso haben Zenker, Römer-Büchner, Bruch, Nilsson, Collin, Selys-Longchamps, zuletzt Fatio das Thier richtig beurtheilt. i) Das im Obigen Dargelegte kann zwar schon vollauf genügen, den Unterschied zwischen den beiden Arten dar- zuthun, aber da man noch in neuesten Schriften hierüber Zweifel vorgetragen findet oder Unsicherheit sich bemerklich macht, so gestatte ich mir noch auf einige weitere Besonderheiten, Avelche die beiden Arten kennzeichnen, hinzuweisen. Bufo vatiabilis, mit längeren und schlankeren Hinterbeinen ausgestattet, zeigt die Haltung eines Frosches und hüpft wie ein Frosch. Wer in der Abendämmerung auf das Thier stösst, wird nach der Art der Bewegung unbedenklich einen Frosch zu ver- folgen glauben. Anders ist Haltung und Bewegung bei dem kurz- beinigen Bufo calamita ! Die Kröte kauert sich zusammen wie Bufo vulgaris^ und wenn sie flieht, so gilt genau, was schon der erste Beschreiber Rösel sagt, dass das Thier nicht hüpfe, sondern auf seinen vier Füssen laufe, mit gehobenem Körper, fast so schnell wie eine Maus. In den „Grundzügen der Zoologie" von Claus wird noch Inder zweiten Auflage, 1872, von unserer Kröte berichtet: „läuft schwerfällig und scliwimmt schlecht". Wenn Prof. Claus mit dem Thiere genauer sich bekannt macht, wird er ihm wohl ein besseres Zeugniss ausstellen; selbst hinsichtlich des Schwimmens. Denn icli habe zum öfteren die Thiere im 1) Da die französischen Zoologen lange Zeit den Bufo calamita imd Bufo viridis zusaunnen warfen, in der Meinung, dass letzterer nichts anderes sei, als „un calamita sans rail jaune sur le dos", so mag noch ausdrücklich erwähnt werden, dass Cuvikr schon die zwei Arten zu unterscheiden ver- stand. DuGEs erzählt, dass er durch Genannten über den Irrthum belehrt worden sei: „Espece bien distincte que M. Cuvikk m'a fait voir depuis." 3. Art: Bufo calamita, liaur. 47 Monat April, wülirend der Abenddänimeruiii:', im Wasser beobachtet und walirg-enommen, dass sie selir rascli und behend zu scliwimmen wissen , mit g-leieher Beinstellung wie auf dem Laude : sie schwimmen liundeartig-. Und wie in Anderem Bufo variabilis mit Rana übereinstimmt, so hat sie aucli mit dieser Gattung gemein, dass sie in Gefangen- scliaft schwerer eingewöhnt ; sie fülirt sich läu2:ere Zeit unueberdig auf, während Bufo calamita liierin dem Bufo vulgaris ähnlich ein viel ruhigeres, man möchte sagen, verständigeres Wesen an den Tag legt. Der Kehl sack des Männclien von B. variabilis ist zwar ebenfalls stark pigmentirt, doch nicht in dem hohen Grade, wie solches bei B. calamita der Fall ist. Die Stimme der beiden Thierarten ist verschieden, sowie die Zeit der Fortpflanzung : Bufo variabilis laicht schon im April ; Bufo calamita, obwolil um diese Zeit ebenfalls bereits im Wasser, schwimmt noch für sich herum, nicht in Paarung. Ich habe sie bis jetzt erst gegen Anfang Mai im Laichen angetroffen. Da sich, wie unten gezeigt werden soll, bei den Arten von Rana die Speciesverschiedenheit selir bestimmt auch in der Form der Zoosperm ien ausdrückt, so habe ich im Mai zwei frische und gleich grosse Männchen von Bufo calamita und Bufo variabilis auf diesen Punet verglichen, konnte jedoch in der Gestalt der fragliclien Elemente keinen auffallenderen Unterschied wahr- nelunen : in beiden Arten bestanden die Samenelemente aus einem längliclien, schwachgekrümmten Kopf oder Griff und einem zarten fadigen Anhang. Doch schien es mir, als ob der Kopf bei Bufo variabilis schmächtiger wäre als bei Bufo calamita, und auch etwas mehr zugespitzt. Der Ho de selber war bei Bufo calamita von länglicher Ge- stalt mit mittlerer Querfurehe und erschien sehr dunkel pigmentirt ; das Eüdiment des Eierstockes grau und etwa nur l^/^ Linien lang. ^) Bei Bufo variabilis zeigte sicli der Hoden kurz, oval, 1) An einem vor Kurzem, im Monat October, im tersii eilten frischen Exemplar des Bvfo calamita war der Hode ebenfalls ganz schwarz, der rudimentäre Eierstock hingegen ohne alles Pigment. (Bei Bufo vulgaris er- scheint der walzig ovale Hoden nur in der unteren Hälfte leicht pigmentirt.) An den Saraenelementen des Bufo calamita (vergl. Tat". V, Fig. 48) hatte der Kopf die Form wie bei Bufo vulgaris, nur war er feiner; hinten an 48 •^- Art: Bufo calamita, Laur. massig- pig-mentirt ; das Rudiment des Eierstockes mehr als noch einmal so laug' und von ockergelljer Farbe. Doch möclite ich auf diese Unterschiede keinen Werth legen, da Hode und Eier- stocksrudiment gar vielen individuellen Abänderungen bei einer und derselben Art unterworfen sind. Die Fettkörper in der Achselgrube und Weichengegend waren bei cakmiita rothgelb, bei varialnlis graugelb, welche Farben- abänderung wohl nur in der verschiedenen Füllung- der Blutge- fässe gesucht werden darf. Hinsichtlich des Trommelfells giebt sich öfters der Unter- schied kund, dass bei Bufo calamita dasselbe ziemlich oder ganz glatt ist, indem die Höckerchen rings herum zurückbleiben, bei Bufo vaiiaUlis hingegen über das ganze Trommelfell weggehen. Doch bleibt auch dieser Unterschied nicht stichhaltig, sobald wir eine grössere Anzahl von Stücken durchmustern. Die einjährigen Thiere von den beiden Arten, Avelche ich öfters gesellschaftlich antraf, z. B. im Sande der Maininsel bei Würzburg, Anfangs October, — wie man ja auch die erwach- senen beiden Krötenarten hin und Avieder gesellig vereint in einer Erdhöhle findet — lassen sich schon jetzt nach ihrer Gesammt- form, Färbung und Bewegung mit aller Sicherheit von einander wTgkennen. Die Jungen von Bufo variaUUs sind bereits in diesem Alter hinten langbeiniger und hüpfen. Die Grundfarbe des Rückens ist ein Grau, mit Spuren von grünen Inselflecken, die sich in der der Uebergangsstelle zum Schwanzfaden zeigte sich durchweg ein grösserer Ballen von Protoplasma, der nach vorne in einen feinen Mantelsauiu des Kopfes sich fortzusetzen schien. Der Schwanzfaden ist äusserst fein und besitzt wie bei Bufo vuhjaris eine undulirende Membran. Um diese aber wahrzunehmen, sind Immersionslinsen und starke Oculare nothwendig. Die Bewegungen hielten in Speichel lange an, waren wellig schlagend, und auch der Kopf geräth in ein lebhaftes Zittern. Die Samenelemente von Bufo variabilis habe ich in letzterer Zeit von neuem zu untersuchen leider nicht Gelegenheit gefunden. Eimer beschreibt und bildet sie ab (Zoologischp Untersuchungen, Heft I, 1874, Taf. I, Fig. 15, Samenfäden von Bufo viridis) , und darnach würde ein grosser Unterschied in der Form dieser Elemente bei den beiden Species herrschen, wie aus einem Vergleich unserer Abbildungen in die Augen springt. Bei B. calamita ist der Kopf leicht gebogen, das vordere Ende zugespitzt, bei B- variabilis gleichmässig cylindrisch ; bei B. calamita zieht am Schwanz- faden eine undulirende Membran herab, bei B. variabilis fehlt sie. 3. Art: Bufo cahimita, Laur. 49 AVaniieni;oi;eud, au den Vorder- und Hinterbeiueii von dem licliteren Gruude niii meisten ablieben. Die Hautwarzen sind ganz schwach anii'edcutet und gelblich von Farbe ; kein Eiickenstrich. Die Jungen von Bufo caJamUa hüpfen nicht, sondern laufen, man möchte sagen, humpeln eilig. Grundfarbe des Rückens ein Olivenbraun oder Grau ; Warzen grösser und längs geordnet, röthlich ; in der Wangen gegend unter dem Auge keine dunklen Flecken vorhanden. Deutlicher, blassgelber Riickenstrich. Die oben gekennzeichnete verschiedene Form und Stellung der Ohr- driise tritt klar hervor. ') Bei beiden Arten sind auch auf dem Rücken schwarze Flecken bemerkbar, welche entweder für sich bestehen oder die Warzen umgreifen; und selbst in der Vertheiluug dieser Flecken machen sich für beide Species Unterschiede be- merklich. Familie : Bombinatores. In der Tracht bald mehr kröten-, bald mehr f r s c h a r t i g ; b e r k i n n 1 a d e und Gaumen b e z a h n t ; Unterkinnlade zahnlos; Zunge mit der ganzen Fläche festgeheftet, rundlich, nicht ausgeschnitten; Pupille eine senkrecht gestellte Spalte (Katzen- pupille). Hinterfüsse mit ganzer oder mit halber Schwimmhaut; bei der Paarung umfasst das Männ- chen sein Weibchen um die Lenden; Laich geht in Klumpen oder Schnüren ab. II. Gattung^: 13oiiil>iiiator*, Merreiii. Tracht krötenartig; Kopf flach, Schnauze ab- gerundet, Augen stark hervorspringend und wegen Schmalheit des Schädeldaches nahe beisammen stehend; Pupille eine dreieckige Spalte; Haut sehr l) Mitunter ändert an einem und demselben Thiere die Drüse von rechts und links in ihren Umrissen etwas ab , insbesondere kann eine Neigung zum Zerfallen in mehrere Stücke sich kundgeben , indem die seit- lichen Kerblinien tiefer greifen. Leydig, Batrachier. 4 50 4. Art: Bombinator ignens, Rösel. warzig; kein lir d r ii s e u w ii 1 8 1 ; k e i ii P a u k e u 1" e 1 1 ; ohne Scliallblasen ; Kelile mit Qiicrfalte; Finger li n e, Z e li e n m i t V 1 1 s t ä n d i g e r S c h w im m li a u t ; sechste Zehe ein winziger Höcker. 4, Art: Boittblndtoi' h/iietiSf Rösel. Rana bombina, Liun. Feuerkröte. Kennzeichen. Länge l'/) Zoll. Warzen der Haut am Riicken sehr her- vortretend und dicht gestellt, zwischen den grösseren zahl- reiche kleinere; anstatt der Ohrdrüsen Gruppen der ganz grossen Warzen; zahlreiche Hornstacheln verschiedener Grösse. Bauch- seite glatt mit dichter Grttbclienbildung. Farbe der Oberseite schmutzig olivengrau oder -braun mit einzelnen schwärzlichen Flecken; Unterseite orangegelb mit schwärzlichen oder bläu- lichen Flecken ; Iris erzfarben, dunkel besprenkelt. Männchen. Daumenhöcker grösser, nur ein Theil desselben gelbröthlich , der andere mit schwärzlicher, gekörnelter Scliwiele, ebenso die Riickenfläche der zwei nächstfolgenden Fiuger. Eine gleiche Schwiele am Vorderarm in der Eichtung des Daumen- ballens ; auch an der Unterseite der zweiten und dritten Zehe der Hinterbeine eine schwärzliche Schwiele. Schwimmhaut der Hinterbeine sehr stark entwickelt. Weibchen. Daumenwulst kleiner, durchaus einfach gelb- röthlich, glatt. Mangel der Schwiele nn den vorderen und hinteren Gliedmassen. Schwimmhaut der Hinterbeine weniger stark ent- wickelt. Vorkommen. Die Art ist weit über Deutschland verbreitet und in vielen Strichen Süddeutschlands der gemeinste Batrachier. Sie bevölkert nicht bloss stehende oder fiiessende Gewässer von reiner Be- 4. Art: ßombinator igiieus, Rüsel. 51 scharteiilicit, sondciii niicli trübe Gräben und Laclien, selbst Mist- pfiitzeu der Dorfgassen. ') leli sammelte das Tliier im Gebiete der Tauber, wo es iibriüens weniü'er liäufiü' ist als im Malntlial bei Würzburi;-, dann am Neckar, z. B. bei Tübingen -), Metzingen, Weillieim. Dass das Tliier aucli in Obersclivvaben nicht fehlt, ergab sich aus Zu- sendungen des Barons König -Warthausen ; sonst wird die Art aus Württemberg^) noch erwähnt für die Umgegend Maulbronns vom Oberförster Kommerell, mit dem Zusatz „seltener", für das Obei'amt Backnang vom Revierförster Calwer; bei Stuttgart ist sie nach Plieningek häufig in den Wasseransammlungen der Weiu- bergsü'ruben und verlassener Steinbrüche; aus der Gebend von Oehringen im Hohenlohe'schen wird das Vorkommen ebenfalls anü'ezeiut. Die Feuerkröte findet sich aucli im Eliöngebirüe, will aber dort gesucht sein : ich vermisste sie z. B. ganz im Bezirk von Kleinsassen, traf nur ein Exemplar im See bei Winkels, dann einen kleinen Trupp bei Kissingen in den Lachen des gegen die Oelmühle fliessenden Baches, endlich noch ein Thier in einem Waldtümpel bei der Klosterruine Aurach. Hier am Niederrhein ist die Feuerkröte häufig (Bonn, Kessenich, Dottendorf, Beuel, Drachenfels, Aggerthal). In Südbaiern zeigt sie sicli ebenfalls verbreitet ^) ; auch sammelte ich sie an verschiedenen Orten der Nordalpen. Jenseits der Alpen kam sie mir noch häufiger zu Gesicht ; für das Gebiet von Verona bemerkt auch de Betta : „rospo arcicomunissimo". In der Gegend von Wien ist das Thier 1) Vergleiche auch Gessneu: „Nos palustres quasdam et parvas rubetas vocainus Güllenkröttle, id est rubetulas lacunarura, qnod in lacunis et circa sterquilinia reperiantur." Liber II de qnadrupedibus oviparis, 1554. 2) Bei Tübingen, wo das Thier gegenwärtig gemein ist, war solches, wie es scheint, nicht immer der Fall, da Schübler die Art für die Zeit um 1820 als „seltener" bezeichnet. Auch Rösel meldet, dass er bei Nürn- berg die Feuerkröte „seit acht Jahren nur einmal zu Gesicht bekommen", später aber „zwey Frühlinge nacheinander in Menge" erhalten habe. 3) In den Oberamtsbeschreibungen, herausgegeben vom statistisch- topographischen Bureau. 4) tScHKANK, welcher in der Fauna boica die Art mit richtiger Syno- nymie aufführt, scheint sie bei Abfassung der „naturhistorischen Briefe über Oesterreich" noch nicht gekannt zu haben : man darf vermuthen, dass sein bei Berchtesgaden gefundener Biifo salsus unser Bomhinator igneus ge- wesen ist. 4* 52 4. Art: Bombinator igneiis, Rösel. der gemeinste Batraeliier : In paludibiis nostris Dauubialibuh; iu-euti in co})ia ; autiimno omnes viae scatent ciinclo in Nussdorf" sagt Laluenti. Auch weit nach Südosten dringt BomUnaior igneus vor, denn der vorhin genannte italieniselie Zoologe zählt das Thier als Bewohner Griechenlands auf, was von den früheren Bearbeitern der Fauna dieses Landes nicht geschehen war. Andere Avollten Montenegro als den südlichsten Punct des Vorkommens bestimmen. Merkwürdig in AnbeJ^racht der Verbreitung wäre es, wenn die Angabe bei Nilsson sicli richtig verhält, dass Bomhinaior igneus nordwärts erst eingeführt sei, ähnlich wie das mit dem Karpfen geschehen ist ; doch seheint der neueste Bearbeiter der Amphibien- fauna* Dänemarks, CoLLiN, den Sachverhalt in ZAveifel zu ziehen. Während bei manchen andern Batrachiern, z. B. der ge- meinen Kröte, beim Landsalamander, die Zahl der Männchen stark diejenige der Weibchen über wiegt, nehme ich bei der Feuer- kröte das Gegentheil wahr : es ist die Zahl der Weibchen grösser als jene der Männchen. Darf man nicht vielleicht hierin den Grund suchen, dass die Feuerkröte im Allgemeinen so sehr häufig ist und sen)st in Gräben und Lachen von vorübergehender Natur sich einstellt. Bemerkungen. a. Zur Haut wid Farbe. Die allgemeine Bedeckung ist nicht bloss stark warziü', sondern zeigt auch sonst noch charakteristische Verhältnisse. Die grösseren Warzen der Lederhaut enthalten, wie Quer- schnitte (Taf. VIII, Fig. 72) leicht lehren, einen Haufen (neun, zehn und mehr) Drüsen verschiedener Grösse. Man darf wie für die andern Arten annehmen, dass die Beulen oder Buckel der Haut für sich bestehen, etwa so wie die Buckel an der Haut eines Porcellio scaber ; sie enthalten Drüsen , gleich der übrigen Haut, aber sie sind nicht erst durch die Drüsen hervorgerufen. lieber die Warzen w^eg gehen Hornstacheln. Die kleinsten derselben sind deutlich an der Spitze von einer einzigen Zelle bedeckt und diese erliebt sich wieder in einen besonderen Cuti- cularvorsprung, dessen Homologon die von mir anderwärts erwähnte und abgebildete ^) Leiste oder Kamm der sonst Hachen Zelle ist. 1) Morphol. Jahrb. Bd. II, Taf. X, Fig. U. 4. Art: Bombinatov igneiis, Rösel. 53 Die grössereu Staelieln (Taf. VIII, Fig. 73) haben eine braune, selbst sclnvarze Farbe und zeigen in der Vertlieilung Unterschiede nach dem Gescldeclit : Beim Männchen beschränken sie sieh auf die Rückenseite, und nur an den Hinterbeinen erstrecken sie sich licrab zur Fusstläche und über die Schwimmhaut ; aueli am Ellenbogen greifen einige herab zur Bauchseite des Arms ; die Kehle hiuüeo'en, Brust und Bauchsegend, sowie die übrige Bauch- fläche an den Vorder - und Hinterbeinen , lileiljt frei von Dornen. Beim Weibchen gehen die Dornen, welche hier an vielen Stelleu mehr dick und rundlich sind , auch über die Kehle und Brustgegend, bedecken ferner einen Theil der Bauchseite, des Armes und der Schenkel ; von hier erstrecken sie sich bei manchen Individuen selbst et\vas über die Weichengegend und besetzen noch zerstreut die ganze Fläche des Bauches. Ueber die „Daumenschwiele" der Vorder- und Hinter- beine habe ich ausführlicher berichtet in der Schrift über die allgemeinen Bedeckungen der Amphibien ') , so wie in der Ab- handlung über den Bau der Zehen bei Batrachiern. 2) Erläuternde Al)bildungen (Taf. I, Fig. 9 und 10) liegen gegenwärtig bei. Bezüglich der Grundfarbe des Rückens melden die vor- handenen Beschreibungen nichts davon, dass ein mattes metal- lisches Pigment von brauner oder Erzfarbe in grosser Menge eingemischt ist. Betrachtet man mit der Lupe Thiere, welche längere Zeit in Weingeist lagen und deren Haut durch Aufblähung des Leibes zwischen den Warzen sich geglättet hat, so bemerkt man auf grauem Grund äusserst feine metallisch glänzende Pünctchen von Erzfarbe, womit die Hautfläche ganz dicht übersät ist. Am frischen Thier, bei zusammengezogener Haut, schliessen die Puncte nahe aneinander, so dass man einen gleich- 1) Archiv für mikrosk. Anat., Bd. XII. 2) Morpliol. Jahrbuch, Bd. 11. — An lebenden Thieren von Pelodyles punctalus , deren Untersuchung ich der Güte des Herrn Lataste in Paris verdanke, vermag ich an den Hinterbeinen nichts aufzufinden, was der von mir beschriebenen Bihlung bei Bombinalor entspricht. Ich gestatte mir dies anzu- schliessen im Hinblicke auf eine Bemerkung, welche ich (a. a. 0. Seite 172) über den Gegenstand gemacht habe. Die Hinterbeine ermangeln übrigens einer eigentlichen Schwimmhaut, die Zehen sind nur geheftet und besäumt. Die Form der schwarzen Dornen an der „Daumenschwiele der Brust, Vorder- arm" etc. bei Pelodytes ist eine scharfspitzige wie bei Bombinalor. 54 4. Art: Bombinator igneus, Rösel. massigen Bronzcseliimmer wahrnimmt. Es ist dasselbe Piament, welches auch der Iris die bramie Erzfarbe giebt. Ueber den Eücken verbreiten sich auch dunkle Flecken die im Leben oftmals wenig- sich abheben, um so deutlicher aber an Exemplaren, welche in Weingeist aufbewahrt sind: ich lia1)e solche vor mir, welche, indem sich deren Grundfarbe aufgehellt hat, durch das Hervortreten der Flecken wie gescheckt aussehen. Auch die Oberseite der Gliedmassen kann bis zu den Zelienspitzen liinaus dunkle Binden aufweisen ; ebenso zeigen sich nicht selten der Oberkieferrand und die Wangengegend dunkel marmorirt. — Bei jungen Thieren heben sich sehr allgemein vier rundliche, lichtere Rückenflecken ab, welche ziemlich regelmässig gestellt sind. Das vordere Paar befindet sich in der Schultergegend, das hintere in der Nähe des Beckenwirbels. Bei Durchsicht einer grösseren Anzahl lebender Thiere stösst man auf beträchtliche Manniclifaltigkeit im schärferen und schwächeren Hervortreten der Flecken, und auch bei einem und demselben Thiere macht sich der Wechsel bis zum fast völligen Verschwinden bemerklich. Dass die Ersclieinung mit den Bew^egungen der Chromatophoren zusammenhängt, unterliegt wohl keinem Zweifel.') In den Hochalpen, z. B. bei Lermoos, dann im unteren Innthal , war allgemein der Rücken der von mir gesammelten ausgewachsenen Thiere stark dunkel, beinahe schwarz; wohl aus gleichem Grunde, warum in feuchten, kühlen Gebirgsgegenden auch die Farbe anderer höherer und niederer Thiere gern ins Dunkle zieht. Exemplare, die man bei uns in schattigen Wald- gräbeu antrifft, zeigen aucli oft eine schwärzliche Rückenfarbe, welche sicli, indem man die Tliiere zu Hause hält, in ein lichtes gelblich Grau umsetzt. Das Spiel der Chromatophoren '^) lässt sich auch daraus erkennen, dass junge Thiere von gleichmässig 1) Dass jedoch auch wirkliche Farbenvarietäten von auffallender Art hin und wieder vorkommen, ergiebt sich z. B. aus Laurenti's Schrift. Ein Tliier war „abdoiaiue infra nigro ; punctis maculisque candidissimis" ; oder mau vergleiche deu von Frauenkeld in den Schriften des Zool. bot, Vereins, Wien 1873, S. 1!)1, beschriebenen Bombinator igneus. 2) Auch an dem im Zimmer gehaltenen Pelodi/tcs pnncfatus lässt sich die durch Chromatophoren hervorgerufene Farbenveränderimg leicht wahr- nehmen. Ein und dasselbe Thier erschien bald dunkelgrau, bald griintleckig, und nicht selten war die Farbe des Rückens nahezu zusammenhängend grasgrün geworden. 4. Art: Borabinator igneus, Rösel. 55 hellem Rücken, nachdem sie während der Nacht g-estorben waren, jetzt plötzlich auf dem hellgrauen Grunde des Rückens scharfe, schwarze Flecken besassen, und der schwarze Fleck von Auge zu Auge sich sehr deutlich abhob. Ob man an der Bauchseite das G cl b i) oder das Schwarz- blau als Grundfarbe ansprechen soll , wird verschieden beant- wortet, und es scheinen in der That die Thiere nach den Land- strichen sich hierin verschieden zu verhalten. An den von mir in Südtirol beobachteten Exemplaren herrsclit das Gelb vor und das Dunkle ist als Fleckenbildung aufzufassen, wobei übrigens die letztere Farbe von bedeutend hellem Ton sein kann. In Nordtirol, z. B. bei Brixlegg, all wo unser Batrachier sehr zahl- reich die Fahrgeleise in den Waldwegen des Thaies bevölkert, waren die Flecken am Bauch (^im Monat September) keineswegs stahlblau, sondern weisslich mit dunklerem Saum. Der letztere nahm auch wohl derart zu, dass nur noch inselartig weissliche Stellen zugegen waren, welche endlich selbst wieder völlig- ver- drängt sein konnten. Man fragt sich auch, ob nicht das Sattblau und das gesteigerte Gelb zum Hochzeitskleid gehöre, und ob nicht über- haupt die beiden Geschlechter bleibende Farbenverschiedenheiten darbieten. Hat man eine nur massige Zahl von Individuen geprüft, so will es allerdings scheinen, als ob die Männchen auf dem Rücken heller braun, am Bauche mehr schwefelgelb seien und die Flecken hell - oder graublau ; hingegen die Weibchen am Rücken dunkler, der Bauch tieforangefarbig und die Flecken stahlblau. Allein bei fortgesetzter Untersuchung wird man inne, dass all dieses in beiden Geschlechtern hin und her schwankt. h. Zur Entwicklung und Lehenserscheinungen. 1) Die ersten aus dem Winterschlaf erwachten Thiere traf ich bei Würzburg in der Mitte des April, bei Tübingen gegen Ende April, und zwar immer die jungen Thiere etwas früher als die älteren. Als Laichzeit gilt allgemein der Juui, doch habe 1) Beim längeren Liegen in Weingeist blasst es zu einem matten Weiss ab, was wohl Veranlassung war, w'arum seiner Zeit Lacki-kdk ein solches Cabinetsexemplar für eine besondre Art hielt, „la sonnante", während er das lebende Thier als „le couleur de feu" besehreibt. 56. 4. Art: Bombinator igneus, EÖscl. ich bereits Anfangs Mai in durchwärmten Gräben das Tliier in Paarung gefunden und ebenso abgesetzten Lnicb. Die Klumpen des letzteren werden gern abgestorbenen Ptlanzenstengeln ange- heftet ; woraus sieh die Bemerkung Eösel's erklärt , dass die Laichklumi)en immer auf dem Grunde des Wassers liegen und nicht auf die Oberfläche steigen. Thomas ') hat beobachtet , dass bei Bomlinalor ähnlich wie bei Pelorlytcs das Ablegen der Eier zu wiederli ölten Malen geschieht. Der Dotter ist gross und in der oberen Hälfte grau, in der unteren hell gefärbt. An Laich', der im Zimmer (G. Älai) abgesetzt worden war, habe ich mich abermals darnach umgesehen, Avie Aveit bei der Befruchtung die Zoospermien am Ei vordringen. Im Innern des Eies konnte ich keine Samenelemente erblicken; sie hatten Halt gemacht an der Dotterhaut, wo sie strahlich gestellt er- schienen und regungslos waren. Die noch sehr jungen Larven, deren Schwanz die gewöhn- liche Form besass und nicht die bei Eösel gezeichnete, waren (12. Mai) am Bücken grau, am Bauch gelblich weiss; die Schwanzflosse, deren Rilckentheil sehr weit vorn beginnt, ist hell, später mit zierlicher Gitterzeichnung versehen. Ein dunklerer Streifen zieht gern über den Kücken hin ; auch Fleckenbildung tritt auf. Die älteren, aber noch immer fusslosen Larven, deren Haut wie gedoppelt aussieht, da sich ein Theil derselben gallertig umgebildet hat, können als Grundfarbe ein schönes Silbergrau zeigen. Da jedoch auch hier schon die Chromatophoreu thätig sind, so erscheinen sie auch wohl einfach grauschwärzlieh, Seite und Bauch weisslich gefleckt. Bei vielen zeigt sich auf dem Scheitel ein dunkler Querstrich, der sich zuspitzend von je einem Auge weggeht. Die Larven des Bomhinaior besitzen gleich denen von Alijies und Pelodyi.es das Si)iraculum oder die Athemröhre nicht seitlich und links wie die übrigen einheimischen Gattungen, sondern in der Mittellinie des Körpers. Götte2) hat dieses Verhalten zuerst und im Einzelnen dargestellt. Wenn er aber sagt, auch die „gemeine Kröte" habe die Athemrölire in der Mittellinie des 1) Note sur la generation du Pelodyte poiictue avec. quelques obser- vations sur les Batracieus anoures en grneral. Ann. sc. natur. 18-tJ. 2j Ai.Kx. GöTTK, Entwickelungsgescliichte der Unke. Leipzig 1875. 4. Art: Bnmbinator igneus, Rösel. 57 Bauclies, so stimmt das niclit mit meinen Beobachtung-en , indem sieh Dufo vulgaris und Bufo calamila liierin verhält, wie die Gattung- Rana, Hyla und Pelohates: sie haben die Atliemrölire links, wie dies auch bereits Rösel, den Gütte nicht angesehen zu haben scheint, auf Taf. XXI, Fig. 20 b u. c, abgebildet hat. Dann ist es Lataste gewesen, welchev nicht nur die Lage der Athemröhre bei Bomhinator l)ekannt machte, sondern auch die Bedeutung desselben für die Systematik von vorne herein gewürdigt hat. ') Die Larven wachsen , wenn die Umstände günstig sind, zu sehr stattlicher Grösse heran, wobei der Schwanz von mächtigem Flossensaume umzogen ist. Im Saruthal bei Bozen sam- melte ich, Ende September, Larven des Bomhinator von einer Grösse, welche beinahe an diejenige von Pelohates heranging. Und zwar lebten die Thiere in einer ganz pflanzenleeren Pfütze, die von einer Ueberschwemmung herzurühren schien und nichts als rotlien dicken Porphyrschlamm enthielt : aus diesem mussten die Larven die kleinen mikroskopischen Organismen als Nahrung entnehmen. 2) In der Gesammttracht haben die Larven von Bomhinator, und selbst die schon vierbeinigen, etwas Breites, Abgeflachtes. Bei EösEL sind sie zu hoch und zu dick gezeichnet. Die Pu})ille hat bereits einen nach unten einspringenden Winkel. Die Hinterglied- massen werden schon in der dem erwachsenen Thier eigenthüm- lichen, angeschlossenen Weise getragen. Die vorderen wie liiuteren Gliedmassen, nachdem sie einmal hervorgebrochen, zeigen sich hübsch weiss g-etüpfelt. Larven, wie man sie etwa Mitte October findet, mit Vorder- und Hinterbeinen, aber noch mächtig ent- wickeltem Ruderschwanz, lassen mitunter bereits die bezüglich des 1) Fernand Lataste, Sur la disposition de la fente branchiale cliez le tetard du Boinbinator igneus. (Actes d. 1. soc. Linneene de Bordeaux IST 6). 2j Auch sonst bot sich oftmals Gelegenheit dar, zu sehen, dass im Wasser, welches in den Aushöhlungen der Steinbrüche sich angesammelt hatte, trüb und vegetationsleer war, und selbst ohne Algen fürs freie Auge, doch zahlreiche Larven bestens heranwuchsen. Hält man solche Larven zu Hause in reinern Wasser, ohne Schlammgrund, so bleiben sie zwar 4 bis 5 Monate am Leben, wachsen aber nicht, sondern werden eher kleiner; die Larven fressen gern ihre todten Gesellen an und erweisen sich als carnivor; auch zerschnittene Regenwünner benagen sie eifrigst. 58 •*• Art: Bonibinator igneus, Rösel. erwachseuen Tliieres erwälmteu vier liellen Riickenflecken reclit deutlich erkennen und aucli die am Rüekeu beginnende Warzen- bildung". An der mit vielem dunkeln Pigment derart besprengten Iris, dass nur um die Pupille herum ein feiner gelber Ring bleibt, ist der untere Winkel der Pupille der stärkste, die seitliehen sind viel schwächer. Das eben fertige, das Land betretende vierbeinige Junge ist kleiner als es die nächst vorausgegangene Larve gewesen ; was sich bekanntlich auch bei Pelohates wiederholt und zum Theil bedingt ist durch die lympliatisch und gallertig gedunsene Haut der Larven. — Die erste Spur des späteren, so charakteristischen Gelb der Bauchseite beginnt an der Sohle der Hinterfüsse aufzutreten. 2) Die Feuerkröte ist mehr Wassert hier als Landthier, denn sie lebt nicht bloss während der Fortpflanzungszeit in diesem Elemente, sondern die ganze gute Jahreszeit hindurch. Doch trifft man sie auch auf dem Lande, unfern der Gräben, in den Morgen- und Abendstunden. Nach dem Austrocknen der Gräben und Lachen kann sie gezwungen werden, längere Zeit auf dem Trocknen, namentlich unter Steinen, ihr Leben hinzubringen. Das Thier ist von beweglichem Naturell: eine „muntere und lebhafte Creatur'', wie sich Rösel ausdrückt; sie schwimmt gut im Wasser und hüpft auf dem Lande so schnell, ja noch schneller als ein Grasfroseh. ') Beunruliigt, namentlich während ihrer Fluchtversuche unsanft lierührt, nimmt sie eine eigenthümlich gekrümmte Stellung, opisthotonusähnlieh, an. Der schäumige weisse Saft, den sie bei Unbehagen aus der Haut von sich giebt, ist um Vieles schärfer als etwa das Hautsecret der gemeinen Kröte. Auch sterben manche andere Batrachier, welche man mit Feuer- kröten zusammenhält, bald ab, z. B. die Wassermolche. Selbst Laurenti, der sonst nach seinen Versuchen die Ansicht ausspricht: „Bufo hie minus perniciosi, quam congeneres in se habet", muss doch beisetzen: „attamen aliquid narcotici videtur continere." 1) Wegen des lebhaften Wesens macht sich auch das Vorschreiten der seelischen Thätigkeit während des Larvenlebens recht beraerklich. Obschon man nämlich bei den Larven aller Batrachier gewahrt , dass sie nach und nach ans der gleichgültigen stumpfen Stimmung in ein scheueres Wesen übergehen, so heben sich gerade bei jenen der Feuerkrüte durch die Behendigkeit ihrer Bewegungen die Stufen der Veränderungen für uiia schärfer ab. 4, Art : Bombinator igneus, Rösel. 59 Die Stimme der mäimliclieu Fciierkrötc ist das „Unken". Es bestellt in einem stillen, aber etliche Mal schnell hintereinander wiederholten Gurren, das, „weil es aus einem sanften Ton gehet", nicht unangenehm klingt. Das brünstige Weibehen mäckert zart, verschieden von dem gewöhnlichen Unkenruf; endlicli habe ich auch an den im Zimmer gehaltenen Thieren eine Art Bellen wahrgenommen. BomUnator igneus gehört zu jenen Amphibien, welche sich am spätesten in die Wintercpiartiere zurückziehen. Ich fand noch gegen Ende October (am 21., bei -|- 9 " E. Nachmittags) junge Thiere in den Tümpeln, während allerdings von älteren nichts mehr zu sehen war. Der Rückzug in die Wiuterverstecke scheint übrigens nicht bloss von der Temperatur des Herbstes abzuhängen, sondern auch von der Trockenheit oder Nässe des Jahres. Im Herbst 1868, nach vorausgegangener langer Dürre des Sommers, welche bis Ende September anhielt, vermisste ich schon Anfangs October das Thier an Plätzen, wo ich es sonst noch um diese Zeit in Menge zu finden gewohnt war. Sie mochten wohl, um dem Wassermangel nicht zu erliegen, sich längst tief in die Erde eingegraben haben. c. Zur Anatomie. 1) Ausser den vorhin bei der „Haut und Farbe'' eingestreuten Angaben habe ich über den histologischen Bau des Integumentes schon anderwärts ausführlich gehandelt und schliesse jetzt erklärende Abbildungen bei: auf Taf. VI, Fig. 63 u. 64; dann auf Taf. VIII, Fig. 72, 73, 74, 76, — Die letztgenannte Tafel enthält auch zwei Kloakeudrüsen von Triton (Fig. 70, 71) in geringerer und stärkerer Vergrösserung, welche zur Veranschaulichung dessen dienen, was ich über das Epithel dieser Drüsen veröffentlicht habe. 2) Die Zähne (Taf. IV, Fig. 31 u. 32) sind stark gekrümmt, und je länger der Zahn, um so hackenförmiger ist das Ende; letzteres ist zweispitzig oder zweilappig ; die Krümmung geht nach einwärts. Wie immer sind die Zähne dicht im Epithel ver- graben, so dass höchstens die Spitze hervorragt. Auch lassen sich, was die Einzelnheiten in Form, Dicke, Länge, Krümmung, Aus- bildung des Sockels anbelangt, mancherlei kleine Verschiedenheiten gegenüber den anderen Arten wahrnehmen. 3) Nach HrscHKE, dem Wixdisciimann und Jon. Millkh folgen, 60 4. Art: Bombinator igneus, Rüsel. mangelt nicht bloss ein Trommelfell, sondern auch die Trommel- liölile und die E u s t a c li i s c h e T r o m p e t e. Dies wurde von TscHUDi bereits dabin berichtigt, dass beide Tlieile nur sehr klein seien, aber keineswegs ganz fehlen ; insbesondere seien die Tuben- öffnungen im Grunde der Mundhöhle sehr fein. Letzteres lässt sich unschwer bestätigen. Schon mit freiem Auge, besonders gut an Köpfen, deren Mundepithel weggepinselt ist, sieht man die beiden Tubenöffnungen als zwei enge, nur punctgrosse Löcher an der Stelle, wo sonst bei Frösclien und Kröten die weiten Oeff- nungeu auffallen. Die Schleimliaut des Rachengewölbes, welches sonst glatt ist, beginnt bald hinter den Tuben sieh zu den Schlund- falten zusammen zu legen. Die Trompete vermag man als häutigen Canal eine Strecke weit zu verfolgen. Es ist daher nicht richtig, wenn noch in neueren, sonst trefflichen Werken gesagt wird, Bomhhiator sei ohne Ohrtrompete. Andererseits finde ich die Be- merkung wenigstens nicht allü-emein richtig-, dass bei jungen Thieren die Oeffnunaen der Tuben »-rösser seien als bei alten. Bei einigen auf diesen Puuct besehenen ganz jungen Exemplaren erschienen im Gegentheil auch hier die Oeffnungen so fein, dass sie kaum durch die Lupe wahrnehmbar waren. 4) Bezüglich der auf den ersten Blick etwas schwer zu deutenden S a m e n e 1 e m e n t e hat v. Siebold ') die undulirende Membran zuerst angezeigt. Sehr genau hat die Zoospermien vor einiüen Jahren Eimer 2) daroestellt, und ich habe seiner Auffassung beizustimmen. — Man unterscheidet einen „Kopf" in Form eines spindelförmigen, gern halbmondförmig gebogenen Körperchens und einen „Schwanzfaden", der aber nicht wie sonst in geradliniger Verlängerung des Kopfes liegt, sondern gegen die Aushöhlung des letzteren eingeschlagen erscheint. Er ist blasser als der Kopf, 1) V. Siebold, Ueber undnlireBde Membranen als Zusatz zu Czermak's Ab- handhnig über die Samenfäden der Salamander und Tritonen. Zeitschrift für wiss. Zool, Bd., II, 1S50. ij Elmeu, Zool. Untersuchungen, 1. Heft, 1874, über den Bau und die Bewegung der Samenfäden. 3) Ich weiss nicht, ob die Zoospermien des südwesteuropäischen Pelo- dijtcs punctatiis , welcher dem Bombinalor ifjnens nahe steht, schon be- sehrieben wurden und erlaube mir daher ilire Form hier anzugeben. Das lange, vorn zuspitzte Kopfstück ist in drei Windungen schlangenartig ge- bogen. Am sehr langen fadigen Anhang meine ich einen undulirenden Saum zu erkennen, den icli zwar mit voller Sicherheit uiclit waluv.unehiiien 4. Art: Boinbimitor igneus, Rüsel. (U g-elit sehr feiu aus imd trägt deu flottireuden Saum. Kopf uud Schwanz legen sieli auch wolil auseinander und dann können die Bihler entstehen, welche schon v. Siebold gezeiclmet, aber niclit ganz riclitig gedeutet hat. Beste vom ursprünglichen Zellenproto- l)]asnia umgeben selir allgemein aucli die fertigen Zoospermien nocli theilweise in Ballenform (Taf. V, Fig. 51 u. 53.) In letzteren, sowie am Hautsaum der Geissei lassen sich die schon ol)en ])ei Bufo erwähnten Strömungen der Substanztheilchen wahrnehmen. (Vergl. auch unten Zoospermien der Hißa.) Wer je die wellenförmigen Bewegungen des Schwanzes eines dem Weibchen Hof machenden brünstigen Männchens von Triton aufmerksam betraclitet hat und ebenso das mikroskopisclie Bild der uudulirenden Membran von den Samenelementen desselben Thieres aus Augenschein kennt, wird sich sagen, dass die flattern- den Bewegungen des Schwanzes und die Wellenbewegung am Hautsaum des Zoosperms den letzten Grund gemeinsam liaben müssen, und dass die erstereu nur eine Wiederholung der letzteren Erscheinung im Grossen sind. 5) Unter allen einlieimischen Batrachiern ist die M u s c u 1 a t u r des Stammes liier am meisten pigmentirt, mehr noch als bei Dufo calamita, welche sonst unter deu einheimischen Kröten die l)e- sprenkelsten Muskeln zeigt. 6) Ueber das Skelet sei bemerkt, dass die ossa fronto- parietalia schmal und kurz sind, mit grosser Fontanelle dazwisclien, welclie schon am Hinterhauptsbein beginnt und nach vorn immer breiter wird. Das os ethmoideum liegt ganz unbedeckt. Das OS tympanicum wird durch eine schmale Spange vorgestellt, deren mit dem os petrosum verbundener und etwas verbreiteter Theil dem bei anderen Arten entwickelten vorderen und mittleren Arm zugleich entspricht. vermochte, sondern daraus erschliesse, dass am lebenden Zoosperm der Schwanzfaden nicht als eine einzige reine Linie ins Auge gefasst werden kann, indem immer noch eine zweite Linie flimmernd mitspielt. Die Be- wegungen geschehen ausserdem in Windungen und Knäueln Die Vergleich- ung der Sauienelemente der beiden in Rede stehenden Batrachier zeigt, dass diese Gebilde bei Pelodytes stark verschieden sind von jenen des Bombinaloi% man könnte sagen, nach dem Grade der Verschiedenheit der beiden Gattungen überhaupt. — Der Hode des Pelodytes ist dunkel pig- mentirt. 62 4. Art: Boinbinator igneus, Rösel. Au der Wirbelsäule, deren Elemente vorn concav, hinten eonvex sind, liaben die Dorn- und schiefen Fortsätze etwas Al)- g'ernndotes und springen nicht scharf vor, ähnlich Avie auch die Schädelknochen, z. B, das os petrosum, nur sehr gering entwickelte Muskelleisten haben. Die Wirbelsäule erinnert von oben (vertebrae imbricatim clausae sunt, Mertens) an diejenige der Salamaudrinen. Die vorderen Querfortsätze sind quer gerichtet und um Vieles stärker als die vier hinteren nach vorn gewendeten. An den Querfortsätzen finden sich Ansätze, Rippenrudimente; am ersten, zweiten und dritten sind sie stärker, knorpelig oder verknöchert ; im verjüngten Massstabe fehlen sie aber auch den übrigen Quer- fortsätzen nicht und sind wieder entweder rein knorpelig oder verkalkt. Man vergleiche auch die schöne Fiüur bei Götte. Die Querfortsätze des Kreuzbeinwirbels sind schaufeiförmig verbreitert, und indem sich die Ecken, namentlich die hinteren, etwas ausziehen, lässt sich ein Anfang dessen sehen, w^as bei Pelohates zu besonderer Entwickelung kommt, i) .Das Steissbein hat verkümmerte Querfortsätze. Brustgürtel ohne Episternum. Das os suprascapulare stellt in dem knöchernen Theil eine ausgeschnittene Platte dar, deren hinterer Zacken breiter als der vordere ist. Die Lücke wird durch Kalkknorpel ausgefüllt. Von der Leisten- und Höckerbilduug am Metacarpalknochen des Daumens, wie sie bei Dufo und Rana vorkommt, habe ich nichts wahrgenommen. Am Oberarm des Männchens zeigt sich eine kurze, aber ziemlich hohe crista deltoidea, während die Leisten an den Condylen nur spurweise angelegt sind. Das Darmbein ist ohne Kamm und auch jener des Steiss- beins nur andeutungsweise vorhanden. Geschichtliches und Kritisches. Die Feuerkrüte musste bei ihrer charakteristischen Färbung und den eigenartigen Manieren schon den älteren Beobachtern in die Augen fallen ; doch ist sie hauptsächlich durch R(isKL's schöne Studien über deren äussern und innern Bau, sowie die Entwicklung zuerst näher bekannt geworden. In 1) Bei CuviER, Rech. s. les oss. foss. ist bereits bemerkt, dass bei „Rana bombina" die Länge des äusseren Randes den Breitendurchmesser Übertrifft, 4. Art: Bombinator igncus, Röscl. 63 (lor ersten Ansg-;il)c der Fauna suecica 1746 fiilirt Linnk das Thier auf als Rana, abdouiine t'ulvo, cantat uti cuculiis ; in der zweiten Auflage, 17()l, als Rana bombina. In dem Werke von Biurox und Dumeril ^) wird gesagt, RösEL habe in seinen Figuren dem Thiere ein Trommelfell gegeben, wovon es doch keine Spur besitze, welchen Tadel ich ungerechtfertigt finde, denn was die französischen Herpetologen als Tj'mpanum deuten , ist doch offen- bar eine grössere Hautwarze. Es geht dies ganz deutlich aus der Be- schattung hervor. Man betrachte insbesondere z. B. das sein Weibchen umfassende Männchen (Tab. XXII , Fig. 4) , vergleiche die Schatten von rechts und links und es ist unzweifelhaft, dass des Künstlers Absicht war, eine stärkere Wölbung hervortreten zu lassen. Die weiter nach hinten folgenden Rückenwarzen sind in gleicher Weise gehalten. — Erwähnung verdient auch, dass Rösel in der Darstellung der männlichen Grenerations- organe (Tab. XXIII, Fig. 18) das Hinausgehendes später als „Harn-Samen- gang" erkannten Fadens über das obere Ende der Niere schon richtig zeichnet. Nachdem ich selber den Gegenstand weiter verfolgt'^), hat er jüngst seinen völligen Abschluss durch die überaus genauen imd gründ- lichen Untersuchungen, welche wir SpexgelS) verdanken, gefunden. Die oben erwähnten Hornstacheln der Haut (Taf. VIII, Fig. 72 und 76), nennt hin und wieder ein „Herpetolog" ganz irrig „Drüsen- körner". Das Werk Götte's: Entwicklungsgeschichte der Unke, Leipzig 1875, begleitet von einem Atlas klar gezeichneter und prächtig ausgeführter Ab- bildungen, ist auch reich an neuen anatomischen Mittheilungen über unser Thier und die andern Batrachier. Ueber den Bomhinator pachypus Fitz. (B. pachydactylus Bonap.), welcher, wie der Verfasser der Fauna italica berichtet, nur den Bergen in Italien angehört, habe ich, bei bisher mangelnder Gelegenheit das Thier zu untersuchen , kein Urtheil. Nach der herrschenden Meinxing ist er eine blosse Form des Boinbinator iff?ieus, die nicht einmal auf die Berge von Südeuropa beschränkt sei. Trotzdem halte ich eine Wiederaufnahme der Untersuchung für angezeigt und zwar aus dem Grunde, weil der genaue Gene in der Schrift : Synopsis reptilium Sardiniae indigenorum, 1838, auf Tab. V, Fig. 4, eine „Rachys Bonibinatoris ignei" abbildet, welche stark abweicht von dem, was wir bei unserm Bomhinator igneus wahr- nehmen. Die Zeichnung Gexe's versinnlicht den 7., 8. und 9. Wirbel, so- wie das Steissbein, alles im Vergleich zur „Rachys Ranae esculentae" und zur „Rachys Pseudis sardoae". Nun haben an diesem italienischen „Bom- binator igneus" die Querfortsätze des Kreuzbeins eine solche Grösse, dass sie gerade dreimal länger sind, als bei den nnsrigen-, dann ist auch ihre Ge- stalt etwas anders : sie erinnern durch breitere Wurzel und ausgezogenes Wesen in hohem Grade an die Verhältnisse bei Pelobates fuscus. Sie gehen 1) Erpelologie generale. 2) Anal, hisiol. Untersuchungen über Fische und Reptilien (Taf. III, Fig. 25 u. 26). 5) Das ürogenitalsysiem der Amphibien (Taf. IV, Fig. 16, in Semper's Arbeiten aus denj Zool. zoot. Institut zu Würzburg. Bd. 111, 1876. 64 ^' Ai'^- Alytes obstetricans, Laiir. nach hinten über die Hälfte des sehr kräftig entwickelten Steissbeines hin- aus; bei den Tliieren unseres Landes erreichen sie bloss ein Dritte! des os coccygis. Endlich alle bis jetzt von mir untersuchten einheimischen Stucke haben verkümmerte oder ausgebildete Querfortsätze am Steissbein •, hingegen besitzt das os coccygis an dem italienischen Thiere keine Spur dieser Bil- dung. Uebersehen können sie nicht sein, denn nebenan erscheinen sie von Pseudis sardoa dargestellt. (Nur zwischen hinein sei bemerkt, dass Gexk das Kreuzbein als „vertcbra postrema" auffasst und das Steissbein als „os sacrum".) Bei der Wichtigkeit, welche man dem Skelet in solchen Fragen immer einräumen wird, wäre es gewiss erwünscht, wenn ein Zoologe, dem sowohl „5. icfneus" als auch ,,B. 2inchiJi>us"' zu Gebote steht, sich mit dem Gegenstande befasste; um so mehr, da doch auch auf der Tafel der Fauna italica die letztere „Art" wie ein wahrer Riese gegenüber den unsrigen Unken sich ausnimmt. III. Gattung-: ^^lytes, ^Vag-ler. Tracht kröteuartig-; Kopf flach, au der Schnauze gewölbt; H a u t m ä s s i g wa r z i g ; P a u c k e n f e 1 1 d e u 1 1 i c h ; schwacher Ohrdrüsenwulst; keine Schallblase; Pupille senkrecht rautenförmig, verengert ein Längsspältchen, mit winklige rEinknickung-. Finger schwach geheftet; Unterschenkel mit Drüsenwulst; Zehen mit unvollkommener Schwimmhaut; sechste Zehe ein massiger V o r s p r u u g. - — Das Männchen wickelt sich die ausgestossenen Eier um die Hinter- bein e. 5. Art: Alytes obstetricans, Laur. Rana eampanisona, Laur. Gfebiirtslielferkröte. Kennzeichen. Länge l'/o ^^is 2 Zoll. Warzen der Haut am Rücken wenig li e r V r t r e t e n d und nicht dicht stehend, am meisten entwickelt an der Seite zu einem Längswulst und darüber liinaus nach der Bauchseite liin ; nichts von Hornstacheln vorlianden ; Baucliseite warzig, namentlich die Inguinalgegend ; Kelde, Brust, Schnauze, Wangen, Unterseite der Beine glatt. Farbe an der 5. Art: Alytes obstetricans, Laur. 65 Oberseite gTau, mit iielleren und dann wieder seliwarzen Puneten und Flecken. Bauchseite 1 i c h t g- r a u , vom Rücken lier eine Strecke mit scliwarz besprenkelt, besonders an der Kelile ; hinten und im Be- reicli der Oberschenkel hell fleischfarben ; Iris blass goldgelb, schwarz geädert, in der untern Hälfte viel mehr als in der obern ; mit einer Art quer durchziehendem, aber nicht sehr abgegrenztem dunklem Strich. Männchen und Weibchen äusserlich ohne Geschlechts- verschiedenheiten in Farbe und Körperbildung, nur sind die Weibchen öfters etwas grösser als die Männchen. Vorkommen. Die Geburtshelferkröte, welche übereinstimmenden Angaben zufolge in Portugal, Spanien, Frankreich'), Schweiz bis Vorarl- berg-) lebt, findet sich, was Deutschland anbetrifft, einzig und allein im Eheingebiet, wohin das Thier wohl, gleich der Lacerla viridis'-^) und Lacerla muralis^ dem Tropidonotus iessellalus und mancher anderen Art südlicher Geschöpfe aus den südwestlichen Greuzländern eingewandert sein mag. 1) Das Thier muss in manchen Gegenden Frankreichs sehr häufig sein, da die Jungen schon den Anlass zur Mittheilnng eines „pluie de petits crapauds" gegeben haben. Compt; rend. 1*^58. 2) Zool. Garten 1869. 3) Als einen Nachtrag jax meinen Mittheilungen über das Vorkommen der Lacerta viridis in Deutschland erlaube ich mir anzufügen, dass mir in den ersten Tagen des April 1875 Herr Becker, der gründliche Forscher auf dem Gebiete der rheinischen Flora, von einem Ausflug ins Nahethal ein stattliches Exemplar der grünen Eidechse, Männchen, mitbrachte, welches er bei Münster am Stein erbeutet hatte. Es war auf lebhaft grünem Grund dicht schwarz punctirt. Mitte October ISTfi besuchte ich selber diese Gegend, stiess zwar bei der vorgerückten Jahreszeit nicht auf Lacerta viiidis , ting aber zwei junge Thierchen der Lacerla mnralis, wovon noch ziemlich viele, aber lauter junge, an den sonnigen Felsen der Eberburg sich herumtrieben. (An der gleichen Oertlichkeit lebte unter Steinen Limax marginalus Drap. s. Amalia marginata Moq. Tand, in schönen, grossen Individuen und Ephijrpiger Vitium Serv. auf niedrigem Strauchwerk in der Nähe der AVeinberge.) Lacerla muralis findet sich auch an den südwärts gekehrten Felsen des Sieben- gebirges : ich beobachtete sie Anfangs April am Drachenfels \ sie wird gross, ist auf lichtem Graubraun lebhaft gefleckt, Bauch der Männchen zeigt sich schön schwefelgelb. Leydig, Batracliier. 5 66 5. Art: Alytes obstetricans, Laur. Ob und in welcher Rielitung Ahjies bereits am Oberrhein sieh verbreitet, ist mir bis jetzt unbekannt geblieben. In der Rhein- pfalz findet sieh das Thier, wenn ich mich recht erinnere, nach der Angabe von MedicusI). Im Rlieingau, in den Lahngegenden, sowie am ganzen Mittel- rhein zur rechten und linken Seite wurde Ahjtes nacligewiesen von Schenk, Kirschbaum''-) und Koch^\ Schon lange vorher war das Vorkommen des merkwürdigen Thieres am Niederrhein anüezeiut worden ; es geschah zuerst von Gtoldfuss ^), dazumal Professor der Naturgeschichte in Bonn, im Jahre 1826 : ^Bufo campanisonus ^ in Erdlöchern, häufig im Rheinthal". Bald nachher sagt auch Jon. Müller ^) in seinem Drüsenwerk : „Auimalia (Bufonis obstetri- cantis s. campanisoni) sub terra laxiori innumera in vinetis prope viciuum nobis vicum Kessenich*"') vigent, ubi sono mire claro („campanisonus") animos omni um vere atque aestate de- lectant." Der Mosel-, Saar- und Sauergegend gehört nach Schäfer") 1) In der „Bavaria, Landes- und Volkeskunde von Bayern". (Das Werk ist mir leider im Augenblicke nicht zur Hand.) Bonap^^rte erwähnt in der Fauna italica, dass er den AJytcs in Mannheim gesammelt habe. Auch um Worms scheint diese Art vorzukommen, denn der Verfasser eines Artikels über die Wassermolche (Zoologischer Garten 1871, S. 262) spricht davon, dass man in dortiger Gegend Nachts den ..glockenhellen Ton" der Tritonen, welche unter dem Gossenstein in Pflasterlöchern verborgen seien, höre. Dass keiner unserer Molche es zur Hervorbringung eines „glockenhellen" Tones bringt, ist aber bekannt, und so mag wohl irrthümlieh die Stimme des Alytes den Tritonen beigelegt worden sein. 2) Die Reptilien und Fische des Herzogthums Nassau. Wiesbaden 1865. 3) Formen und Wandlungen der ecaudaten Batrachier des Untermain- nnd Lahngebietes. Bericht über die Senkeubergische naturf. Gesellschaft. Frankfurt a. M. 1871. 4) Grundriss der Zoologie. Nürnberg 1826. 5) De glandularum secernentium structura penitiori. Lipsiae 1830, p. 72. 0) Ich selber spähte, wohl noch zu wenig vertraut mit der Gegend, bis jetzt dem Thier vergeblich nach. Durch meinen Collegen Geh. Rath Troschel erfahre ich, dass man früher regelmässig den hellen Glockenton des Alytes im botanischen Garten zu Poppeisdorf gehört habe; schon seit Jahren sei dies aber nicht mehr der Fall gewesen. 7) Moselfauna, Trier 1844 „Steinige Orte des Sirzenicher Thaies, des Pfalzeier, Eurener und Zewenner Waldes, liahlinger Köder." — Bei Gerol- stein in der Eifel mag das Thier auch vorkommen. In der zweiten Hälfte des Mai, als ich dort suchte, liess sich zwar keine Spur entdecken — es war in jener Gegend erst die Zeit der Schlehcnblüthe eingetreten — aber 5. Art: Alj-tos nhstetricans, Laur. 67 ila.s Tliier ebeufalls an. Wie weit die Art rlieiuabwärts jielit, lässt sich uoeli uielit bestiiiimeii, jedeufalls erstreckt sie sich uiclit bis Holland : die durch Schlegel g-egebene Aufzählung der dortigen Batrachier enthält sie niclit. Nach Belgien hat sie von Frank- reich her ihr Gebiet ausgedehnt, denn wie de Selys-Longchamps berichtet, wurde sie in Flandern und Lüttich beobachtet, doch „tres-rare". Es wollen zwar Einige den Ahjles in Deutschland ausserhalb des Rhein- gebietes gefunden liaben. So führt ihn Scheaxk ') für die Umgegend von Ingolstadt auf, wo er die Kröte ein einziges Mal (5. Juli 1787) gesehen zu haben vorgiebt. Glogkr 2). erzählt: ein guter Kenner der Amphibien glaubt Ahftes ohsMi'icans kürzlich unfern unserer Stadt wahrgenommen zu haben. Man wird aber kaum zu viel beliaupten, wenn man alle diese und ähn- liche Aussagen für irrig erklärt und auf Unkenntniss und Verwechslung beruhen lässt. Bemerkungen. a. Zur Entwicklung und Lehensweise. 1) lieber die Weise der Paarung lauten die Angaben ver- schieden. Die einen Beobachter melden, dass das Männchen des Ahjtes, gleich seinen nächsten Verwandten Bombinator und ieh- hates^ das Weibchen um die Lenden umklammere und die aus der Kloake des Weibchens austretenden Eierschnüre mit dem rechten und linken Hinterfusse abwechselnd erfasse und in achter- förmigen Schlingen sich um die eigenen Hinterbeine wickele.^) So sagt Demoürs^) ausdrücklich, dass sich das Thier begatte wie die Frösche, nur mit dem Unterschiede, dass das Weibchen nicht so w^eit vorn ergriffen wird, sondern mehr nach hinten („aux was mir über die Stimme der „Mollen" mitgetheilt wurde, musste man auf Alyles beziehen. In der zoologischen Sammlung des Gymnasiums in Trier sah ich ein vertrocknetes Exemplar, das angeblich aus der Umgebung stammt. Das Thier sei aber dort sehr selten. 1) Fauna boica, Bd. I, S. 27 2. ■2) Schlesiens Wirbelthier-Fauna. 3) Wagler, System der Amphibien, München 1830, hatte noch ange- geben, dass es das Weibchen sei, dem „der Eierschlauoh von dem Männchen um das Ende der beiden Schienbeine mit vieler Festigkeit geschlungen wird". JoH. MüLLEK (Isis 1832) erklärt schon dem gegenüber : „Es ist gewiss, dass es das Männchen ist, welches die Eier an den Füssen trägt." Wagler hatte die von ihm veröffentlichten Angaben aus dem Munde Agassiz's erhalten. Vergl. Descriptiones et icones amphibiomm. 1833. 4~ Hist. de l'acad. d. scienc. 1741 (Paris 1744). 68 5. Alt: Alytes obstetricans, Laur. cotes de la poitrine"). Und auch in der späteren') Mittlieilimg- bemerkt er: „plusieurs semaines avaut la ponte, le crapaud male tient sa femelle embrassee". Damit will es sicli nun nicht reimen, wenn C. Koch 2) über den Vorgang Folgendes berichtet: Beim Eierlegen sitzt das Männchen nicht auf dem Weibchen, sondern auf dem Boden hinter demselben in entgegengesetzter Eichtung, so dass sich die Kloakenmündungen berühren. Die vom Weibchen im ersten Legdrang abgehenden Eier fasst das Männchen bei angezogenen Hinterfüssen mit der Kniekehle und wirft sich drehend auf den Eücken, und in derselben drehenden Bewegung wieder auf den Bauch, wodurch die Eierschnur um den Hinterschenkel sich windet; darnach wickelt sich das Männchen die mit einiger Kraft aus dem Weibchen gezogene weitere Eierschnur in der- selben wälzenden Bewegung mit strampelnden Beinen um den andern Schenkel. Wieder etwas anders lauten die Angaben de l'Isle's ^}. Nach Genanntem „umfasst das Männchen sein Weibchen um den Hals, streckt die Beine nach hinten, so dass sie einen rhombischen Eaum zwischen sich lassen, und in diesen lässt das Weibchen die Eier austreten. Dann wickelt sich dieselben das Männchen um die Hinterbeine, singt und verbirgt sich in einer Mauerspalte". Die Laichzeit fällt, wie Tschudi berichtet, in der Schweiz nach der kälteren oder wärmeren Witterung in die zweite oder dritte Woche des April ; im Nassauischen legte, C. Koch zufolge, das Thier zum Theil schon Ende März, gleichzeitig mit dem brauneu Grasfrosch die Eier. Die Männchen sind nach Tschudi häufiger als die Weibchen. 2) Indem ich zu meinen eigenen Beobachtungen übergehe, habe ich zu bemerken, dass mir bisher bloss Männchen zu Gebote standen, welche bereits die Eierschnur trugen. Icli verdanke die Thiere der Gefälligkeit des Herrn Professor Greeff in Marburg, welcher mir in der zweiten Hälfte des Juni 1876 eine Anzahl 1) Hist. de l'acacl. d. soienc. 17 58 (Paris 1781). 2) a. a. 0. Seite 156. Der Verfasser des Aufsatzes über die Batrachier des Main- und Lahngebietes kiiiumert sich leider gar nicht nni die Literatur, so dass es öfters unlilar bleibt, wie sicli seine Beobachtungen zu den Angaben Anderer stellen. 3) Ann. d. sc. nat. 1873. 5. Art: Alytes obstetricans, Laur. G9 zuscliiektt' ; bald darauf vcrplHclitctr niicli aiicli Herr Otto v. Mkngeksiiausen dureli eine j;-loiclic Senduni;' von Datten))ery- bei Linz ;i. Rh. zu besonderem Danke. Der Dotter ist g-ross, g-elb, i)iiiinentlos, daher auch der Eml)ryo in früher Zeit, wie sclion Jon. Müller bemerkt, „praeter oculorum punota nig-ra integer fere eandidus" und desshalb sehr einladend zu entwicklungsgescliielitliehen Studien. Auch ging schon, nach einer Bemerkung in dem Driisenwerke, Jon. Müller während seines Bonner Aufenthaltes mit dem Gedanken um , eine Ent- wicklungsgeschichte dieses Batrachiers herauszugeben. („Hujus animalis evolutionem sedulus in dies indagavi ; omissis caeteris, quae alias juvat communicare, observationes solas de hepatis evolutione tradam.") Zuletzt hat sich Ecker in seiner Entwick- lungsgeschichte des Frosches (Icones physiologicae) des Embryo von Ahjtes bedient, um Verlu'iltnisse, welche an dem i)igmentlrten Embryo des Frosches schwieriger zu bemerken sind, an den viel durchsichtigeren Embryen des Alytes darzustellen. Sturm zeichnet das Ei so, als ob es nur durch Einen Faden befestigt wäre. Die Späteren haben aber wohl bemerkt, dass zwei vorhanden seien, welche aus der Umwandlung der allge- meinen äusseren Hülle der Laichschnur hervorgehen. So giebt die Figur bei Jorr. Müller i) „Embryo ovo inclusus" sclion richtig" die zwei Fäden an. An den jungen, noch farblosen Embryen sind mir namentlich zwei Punkte aufgefallen, die ich hervorzuheben mir gestatte. Unsern übrigen Fröschen und Kröten lässt sich, wie bekannt, die Hervorbildung eines eigentlichen Dottersackes absprechen, während man den Embryen der viviparen Gattung Salamandra einen solchen zuerkennen muss. Das letztere ist auch der Fall mit Ahjtes: es ist ein deutlicher Dottersaek zugegen, wie denn bereits Jon. Müller vom „Saccus vitelli" spricht und auf Taf. X, Fig. 6 u. 7 , versinnlicht. Durch die gelbe Farbe des Dotters hebt der Theil sich gut von dem weissgrauen Embryo ab. Hierin stimmt auch der Embryo von Notoclelphys mit dem des Alytes überein. Zweitens ist beachtenswertli die Entwicklung, welche die äusseren Kiemen erreichen. Insoweit meine Erfahrung- über ■i) a. a. 0. Tab. X, Fig. 5. 70 ä- Art: Alytes obstetricans, Laur. diese Ori^ane bei Frösclien und Kröten sieb erstreekt, iibertriift Ahjles alle einheimiselien Batraeliia aniira an Länge der äusseren Kiemen. Es kommt jederseits ein zierliches Kiemeubäumcheu oder Quaste von 8 — iOmaliger Vertheilunii- zu Stande, von zartem Wesen und ganz pigmentlos, daher rotli von Blut und selbst durch die Eihiille hindurch deutlich erkennbar. Das überziehende Epithel zeigt die auch am Kopf in gleicher Weise vorhandenen Wimperbüschel, welche auf Höckern stehen; zwischen der Blut- gefässschlinge erscheint gallertiges Bindegewebe mit den strali- ligen Zellen. Da nun auch bei den viviparen Urodelen, Salamandra atra und Salamandra maculosa^ Dottersack und Kiemen in höherem Masse sich ausbilden, als bei den oviparen, so darf man wohl dafür halten, dass Beides Bezug zu dem längeren Leben inner- hall) der EihüUen hat. Denn bekanntlich sind ja auch die genannten Erdmolche in genauerem Sinne ,,ovo-vivipar", und das Verweilen des Eies im Uterus bei Salamandra unterscheidet sich nur weniü' von dem Aufenthalt der Eier im Eückensack des i\olode.Ipkys oder dem Verweilen au den Hinterbeinen des Alytes. Immer handelt es sich um den Ablauf eines Zeitabschnittes im Larvenleben, der sonst schon ausserhalb der Eihüllen und ohne äussere oder innere Brutpflege im Wasser erfolgt. Und auch bei .\olodelphys sind ja die Kiemen, wie wir dies durch die inter- essanten Untersuchungen Weinlaxd's ') wissen, eigenartig glocken- förmig gebildet und überaus gross. Selbst bei den ovo-viviparen Selachiern erreichen die äusseren Kiemenfäden eine sehr be- deutende Länge.-) Embryen, bei welchen die äusseren Kiemen eingegangen, das Hautpigment reichlich aufgetreten und die SchwanzAvirbelsäule sammt Flossensaum zur Entwicklung gekommen sind, haben eine derartige Lage innerhalb der Eihüllen, dass in Anpassung an die Eihöhle der Schwanz nach vorne umgeschlagen ist und enge den Körper umschliesst. Das Pigment des Körpers bildet einen schwärzlich- braunen Grund, auf dem dicht gestellte, metallisch iilänzeude Sprenkeln von gelbweissem Aussehen sich abheben. 1) Ueber den Beutelfrosch, Archiv für Aiiat. und Phys. 1854. •2) Verj^l. z. B. die hübsche Taf. I, welche der Sclu-ift dk Sanctis' Em- briogenia degli orguni elettrici delle Torpedini, N;ii)oli 1872, beigegeben ist. ■5. Art: Alytes obstetricans, I^aur. 71 Eier mit Einbryen dieses Stadiums vom Ilinterfusse des Männcliens abi:,'elüst und ins Wasser g'el)raclit, lassen in Kurzem den Embryo durelibreehen, der sieh jetzt frei ^auz ^ut fortentwiekelt. In si)äterer Zeit, etwa zu Anfang August, ist die Grundfarbe dunkler geworden und die metallisch glänzenden Sprenkeln grösser und zahlreicher ; doch hat die schwärzlich-braune Qua]ipe im Ganzen nichts Auszeichnendes, wenn man nicht einen hellen Mittelstreifen am Bauche nennen will, der aus einer Anhäufung der silber- glänzenden Fleckchen entstanden ist. Noch später aber, wie C. Koch berichtet — nach der Ueberwinterung — erhalten sie „kräftig markirte grössere kastanienbraune Flecken über den ganzen Körper mit Ausnahme des Bauclies ; sie Averden mit dem Wachsen der Quappe ein sehr charakteristisches Erkennungsmerkmal für die Larven von Alytes." Es giebt aber nocli ein anderes und wichtigeres Erkennungs- mittel. Die Larve des Alytes besitzt das Kiemenloch oder Spira- culum nicht an der Seite, sondern in der Mittellinie des Körpers. Diese Entdeckung verdankt man Lataste. (Faune herpetologique de la Gironde, 1876.) Ich habe zunächst nur in Weingeist aufbewahrte Larven untersuchen können, bei denen man das Kiemenloch dadurch sich am ehesten zur Anschauung bringt, dass man das Thier etwas abtrocknen lässt und dann leicht drückt : die vorquellende Flüssigkeit verräth die Lage des Spiraculums. Es befindet sich am Anfange der Bauchgegend, unterhalb des Herzens. Hat man die Stelle einmal erkannt, so lässt sie sich an jedem Individuum leicht mit der Lupe wahr- nehmen Auch zieht von der Kiemeugegend her ein weisslicher, den Gang seitwärts bezeiclmeuder Streifen. Diese mediane Lagerung des Kiemenlocbes kommt unter den Batrachiern der deutsclien Fauna nur noch (s, oben) dem Bomhinator zu, dessen Larven mit denen von Alytes aber nicht verwechselt werden können. 3) Im Hinblick auf die LebensAveise der Geburtshelfer- kröte überhaupt sei ausser den Beobachtungen Bruch's besonders auf die Mittlieilimgen Tschldi's, C. Koch's und Fatio's verwiesen, die das Thier im Freien vielfältig zu beobachten in offenbar £ünstii;er Laue sich befanden. Nach Tschudi haben die Thiere eine bewunderungswürdige Fertigkeit im Graben, sie sollen immer rückwärts scharrend Bohren bis zu 37 Schuh Länge herstellen. Auch sagt derselbe Beobachter, dass sie heftig gereizt gleich dem 72 5. Art: Alytes obstetricans, Laur. ßojnhinalor igncus den Leib muldenförmig naeli oben biegen und mit den beiden Vorderfüssen die Augen bedecken. Mir ist das Benehmen des Männchens auffallend gewesen, als ich ihm die Eierschnur abnahm. Das an sich zarte und uutmiithiiie Tliier gab in der Gefangenschaft keinen Laut von sich, blieb gerne auf der warmen Hand sitzen und gerieht nicht in jene Unruhe, welche manche andere Batrachier unter diesen Umständen an den Tag legen. Sobald es aber merkte, dass ich ihm, wenn auch, wie ich meinte, ganz heimlich, die Anheftungs- fädeu der Eier durclischnitt, zeigte es sich erregt, maclite ab- wehrende Bewegungen und gab ganz eigentliiimlich quäckende, kurze Klagetöne von sich.') — Noch sei bemerkt, dass das plötz- lich ausgegrabene Thier einen scharfen Ton hervorstösst,-) Ueber Farbenveränderung durch Chromatophoren habe ich anderwärts berichtet. h. Zur Anatomie. 1) Die Haut (Taf. VII, Fig. 65, 69) ist sehr dünn und zart, sowolil was das Corium angeht, als auch bezüglich der Epidermis. Die Zellen der letzteren sind glatt und ohne Sculptur. Die grösseren Drüsen, dunkelkörnig von Aussehen, haben eine linsenförmige Gestalt An der Seite des Leibes erzeugen die Drüsen, welche denen der Olirgegend an Umfang nicht nach- stehen, einen Längswulst oder eine Reihe weisslicher, stark hervortretender Knöpfe. — Am Aussenrand des Unterschenkels zieht sich durch Häufung und Verdickung der Hautbälge ein D r ü s e n w u 1 s t herab, auf den Bruch zuerst aufmerksam gemacht hat. Aber auch länos des Aussenrandes der Fusssohle macht 1 ) Die ihren Eiersack tragende Spinne Lycosa saccala unserer Wald- ränder, sonst so eilig, verliert alle Sehen, wenn man ihr die Bürde ab- streift und sucht eifrig nach dem Verlorenen undier. Von dem Colins f/ohio meldet schon Linxü (Syst. natur. Ed. XII, T. I, p. 452) , dass dieser Fisch eher das Leben lässt als die Eier im Nest. „Non agit, sed agitur", denkt wohl Mancher hierbei. Erwähnt mag übrigens noch werden, dass von den mir zugesendeten Thieren des Ali/tes doch einige während des Trans- portes der Eierschnüre sich entledigt hatten , ohne sich weiter um sie zu bekümmern. 2) Mayeu, nachdem er das Stimniorgan des Bufo Lazarus Spix. be- schrieben, bemerkt, dass auch bei Alijles ohslclr/cans mas im Kleinen sich „dieser schöne Apparat" auf ähnliche Art linde, insbesondere die zwei Stimmbänder. (Analecten für vergl. Anatomie, Bonn, 1835,) 5. Art: Alytes obstetricans, Laur. 73 sieh, wie ieh selie, eine wulstartige Verdickuuii' selir beiiieiklieli, welche etwa 10 Mm. lang' ist und aus dicht gehäuften Drüseu- säckchen besteht, die hier noch etwas grösser sind als an der Drüse des Unterschenkels. Für gewöhnlich gaben die Tiiiere kaum einen Geruch von sich, aber bei der Tödtung verbreiteten sie einen starken Knoblauchduft. Die glatten Muskeln der Lederhaut, welche man — a1)ge- sehen von jenen der Drüsen — bei Rana nnd ßufo beobachtet '), müssen auch hier zugegen sein. Unter den mir zugesendeten Thieren zeigte eines derselben bei der Ankunft eine völlig glatte Haut ; am Morgen hingegen des nächsten Tages war es ebenso warzig wie die anderen. 2) An keinem der untersuchten Männchen konnte ich auch nicht einmal eine Spur von Daumenschwiele wahrnehmen, während Fatio -) von „peu ou pas de callosites a la main" spricht. 3) Das Urogenitalsystem des Alytes ist in ganz aus- gezeichneter Weise von Spengel 3) kürzlich untersucht und dar- gestellt worden. Wir erfahren dabei, dass unser Batrachier in gar manchen Stücken von dem Gewöhnlicheren abweicht, nament- lich erscheint hier die Samen blase als Theil eines besonderen Samenleiters. Nach eigener Beobachtung füge ich an, dass die Samenblase die Form eines darmförmigen Blindsackes hat, mit etwas l)eutelig angesehwollenem Ende; sie ist schwärzlicli pig- mentirt und das Innere wimpert. Die Cilien sind lang und fein, stehen auf Cylinderzellen mit feinkörnigem Inlialt, welche an das Epitliel im Nebenhoden der Eeptilieu erinnern. Die Ho de ist mehr rundlich als oval, in der oberen Hälfte grau weiss, in frischem Zustande von einem gewissen durch- scheineuden Wesen, in der unteren Hälfre etwas pigmentirt, daher dort mehr ins Schwärzliche gehend. Die Form der Samen- elemente (Taf. V, Fig. 49) hat Spengel bereits kurz und richtig beschrieben. Das Kopfstück ist länglich, vorn zugespitzt und erinnert an den gleichen Theil bei den Salamandrinen ; nach Anwendung sehr verdünnter chromsaurer Lösungen tritt im Innern eine Art Sonderung durch Vacuolenbildun»- ein. Längs des 1) Allgemeine Bedeckungen der Amphibien, Bonn 187 6, S. 89. 2) a. a. S. 3H3 ; einige Seiten vorher S. 3(i0, Anmorknng, hatte sich der Verfasser für das völlige Fehlen erklärt. 3) a. a. 0, 74 •">■ Art : Alytes obstetrieans, Laur. iierade naeli hinten liericliteten Schwanzes zieht eine zavte aber deutliclie imdulirende Membran lierab. Bei unreifen Zoos^jermien ist das Koi)fstiick breit, liell und blass; es hebt sich vorn eine Spitze scharf ab und über den breiten oder Haupttheil zieht ein mittlerer Streif derart hin , dass er wohl eine Leiste ausdrückt ; es mag- somit im Querschnitt der Kopf vierkantig- sich ausnehmen. 4) Die Zähne (Taf. IV, Fig. 36—38) sind kurz, dick und etwas plump. Die Spitze erhebt sich in drei Kanten und diese gehen wieder in einige feine Vorsprünge aus, was zusammenhängt mit einer felderigen Sculi)tur auf der freien Fläche. Die Blut- gefässe gehen bloss bis in die Höhle des Sockels. An den zwei Gruppen der Gaumenzälme, welche rein quergestellt sind, hinter und einwärts von den Choanen, unterscheide ich vier grössere Zähne und einen kleineren, der nur erst von Käppcheuform ist. (Es ist daher nicht ganz richtig, wenn Fatio sagt, die Vomerzälme seien in zwei grossen Gruppen vorhanden.) 5) Das Skelet anbelangend, so sind die Stirnscheitelbeine, ossa fronto-parietalia, sehr schmal und lassen eine grosse, sohlen- förmige Fontanelle frei. Die Stirnnasenbeine, ossa fronto - nasalia, sind breit, nähern sich der Eautenform ; ihre inneren Ränder treffen fast ganz aufeinander. Das Quadratbein, os tympauicum, ist ge- ring entwickelt, der vordere und mittlere Arm werden zusammen nur von dem etwas verbreiterten oberen Ende vorgestellt. Die aufsteigenden Aeste des Zwischenkiefers, os intermaxillare, sind am freien Ende merklich verbreitert. Bei älteren Individuen zeigen sich auf den Bogeniiächeu der Wirbel jederseits Furchen und Erhöhungen (Ansatzstellen von Muskeln). Die Querfortsätze der Wirbel sind breit und mit Rippen- rudimenteu versehen, die bei dieser Art wegen stärkerer Ent- wicklung zuerst bemerkt wurden. •) Der längste Ansatz, abge- gliedert aber unbeweglich, sitzt am zweiten Querfortsatz. Quer- fortsät/.e des os sacrum verbreitert. Steissbein (os coccygis) mit Querfortsätzeu, entweder nur in 1 ) ,,M. M()Kl!E^' a (lecouvert que Ic squelette du crapaud accoiicheur presente trois ou quatre paires de cötes," sagt das Bulletin de l'academie d. sc. de Bnixelles 18;i5 (erschienen ' 1 83(i) Diese „appcndices costaux" sind indessen sclion ein Jalu- vorlier von Digks (Rech. s. l'ost. et la uiyol. d. Batraciens, 1834) gesehen und PI. IV. Fig. 34 gezeichnet worden. 5. Art: Alytes obstetricans, Lcaur. 75 F(triu kurzer Zacken, oder es sind wirkli(die, hi]i;4;e, seliwaeli ye- bog-eue Processus transversi vorliaudeu. Brustbein olme Episteruum, mittlere Kuor])elplatte sehr breit, Scliwertfortsatz g-etlieilt. Der knöcherne Theil des os supra- scapulare gablig- ausg'esclmitten , die Lücke gesclilossen durcli KalkknorpeL Geschichtliches. Gregenwärtiges Thier machte sich den Naturbeob.ichteni zuerst auffällig durch die helle, glockenreine Stimme und wurde bereits wahrscheinlich von Gessser ') als eine besondere Art von Kröte erkannt Dann dauerte es nahezu 2üU Jahre, bis sie von neuem entdeckt wurde, indem die ganz un" gewöhnlichen Verhältnisse des Laichgeschäftes und der Brutpflege die Auf- merksamkeit des Arztes und Anatomen Demolrs*. erregt hatten. Die mancherlei Irrthümer, welche sich von nun an längere Zeit in den syste- matischen Werken bezüglich unseres Thieres finden, rüliren nicht bloss von der geringeren Kenntniss her, welche man über die Amphibien überhaupt dazumal hatte, sondern auch insbesondere von der Annahme, dass die Frösche und Kröten weithin über Europa immer die gleichen seien. So erscheint bei Laurexti ^j unser Batrachier einmal als : „Rana campanisona; vox boatus sonum campanarum e lunginquo perceptum imitatur; audita circa Viennam sed ego vivam non obtinui. — Habitat in Paludibus Europae vulgaris, sed fugit tarnen industviam lloeselii." Dann zweitens als : „Bufo obstetricans Videant curiosi, quaenam sit species? Forte in uostris etiam non defutura terris." Immerhin müssen wir zugestehen, dass Laurexti mehr Scharfblick an den Tag legt , als Lacepkdk ^) , welcher noch zwanzig Jahre nachher sich äussert, dass er keinen Grund finde, die von Democrs beobachtete Kröte von der gemeinen Kröte zu trennen. Anders erklärten sich schon früher RösEL und nachher Spallanzaxi, welche ihr Bedauern aussprechen, dass der französische Beobachter die Art dieser Kröte nicht genauer beschrieben habe, denn Beide sind überzeugt, dass es keine der Arten wäre, deren Ent- wicklung sie verfolgt hatten. 1) De Quadrup. oviparis üb. \l iohi, p. Ol, oder De aquatilibus üb. IV, 1538, p. 932: ..Ex agri Tigurini loco juxta aicem Kiburgam rubetae genus parvum mihi allatura est, duplo minus fere communi rubela, caetera simiie, quod jam subtruiico utillic per hyemem lateret se abdiderat, erat enim iuitium Septembris, tergo iundo, aspero, veutre ex fusco aibicante, oculis aureolis, clunibus cruribusque, sed praecipue digitis posterioribus, pilosis. Has ranas alibi nullas aut rarissimas haberi ajunt: vocem eis argutissimam esse, quae tubae aut campauae instar audiatur etiam ex louginquo : degere ipsas non in aquosis sed in aridis locis. Vere vocem suam emittere et aestate: cum vesperi clamant, nociem sequentem sine pruina futuram , certo sperari, autumno « hyeme non audiri.- 2) Crapaud male .\ecoucheur de la lemellf. HIst. de racademie I. scli-nc I7il (Paris 1744). ö) Synopsis reptilium, Vjennae 1768. Aj Hist. nat. des Quadrujjedes ovipares et dts Serpens. I'ari> 17S8. 76 5. Art: Alytes obstetricans, Laur. Und so liisst sich in gewissem Sinne sagen, dass die (jeburtslielferkröte zum dritten Mal entdeckt wurde durch Buongxiaut, dem älteren, welcher ihre Versclüedenheit von Bufo vulgaris nachwies. ') Von jetzt ab besteht bei den französischen Zoologen, so den nächst anschliessenden: Daudix*), Latreille») und Cuvieu*), kein Zweifel mehr über die Gültigkeit der Art. In so weit ich mich zu unterrichten vermochte , lernte man das Thier im Anfang dieses Jahrhunderts von neuem in der Schweiz kennen und im Anfang der zwanziger Jahre im Rheinthal. Es scheint, dass GoLDKuss es gewesen ist, welcher vorbereitet durch seine früheren faunistischen Studien über das Fichtelgebirge, nach seiner Uebersiedelung an die Bonner Universität sofort auf die Geburtshelferkröte aufmerksam wurde. In der zoologischen Literatur begegnet man einer ziemlichen Anzahl von Originalfiguren, welche den Alytes vorstellen. Dieallererste, wie mir dünkt, gehört der erwähnten Abhandlung BKoxtixiAUT's an, welche nicht vergleichen zu können, ich als rechte Lücke empfinde. Alsdann ist aber jedenfalls eine der frühesten Abbildungen jene , welche Jac. Stukm im Jahre 180.5 veröffentlicht hat, ein mit Eiern belastetes Thier von oben und unten. (Der Text rührt von Wolf her und besagt, dass „diese Kröte hier noch als Nachbarin von Deutschland dastehe" ; sie sei aus der Schweiz eingesendet worden und sie möge vor der Hand „unter die deutsclien Bewolmer" aufgenommen werden, da sie vielleicht auch „in den mittleren Gebirgsgegenden Deutschlands lebe". Ferner veröffentlichten Daudin und Latreille Zeichnungen, aber von geringem Werth, denen gegenüber sich die, welche Waglek im Jahre 1833 liefert ■''), allerdings sehr hervorhebt, obschon sich Einiges immerhin daran aussetzen Hesse, ß) Neben den ausgebildeten Thieren sind auch einige iso- lirte Eier mit durchschimmerndem Embryo und mehre eben ausgeschlüpfte Larven dargestellt. Aus nahezu derselben Zeit (1838) stammen auch die zwei Figuren in Boxapakte's Fauna italica, welche noch die WACLEKSchen in mancher Hinsicht übertreffen. Das letzte mir bekannt gewordene Bild unserer Kröte, und offenbar nach dem Leben gezeichnet, hat Bkuch erscheinen lassen, ein Holzschnitt, der seinem Aufsatze über die Geburtshelferkröte vorgedruckt sich zeigt. ") Die oben erwähnte grosse Drüse am Unterschenkel, welche beide Geschlechter besitzen, drückt sich an der Abbildung gut aus. Nach einer Bemerkung zu schliessen, scheint übrigens Bruch die Figuren bei Wagler und Boxa- parte nicht zu kennen. 1) Bulli'iin ilo hl societe (Miilomailiique. Nr. 56. Leider kann ich diese Gesellsclial'tssciinft niciu einsehen, und linde auch nirgends die J;iliiz:iiil des Helles an.i^egeben. S) Hist. nat. d. Reptiles. Paris 1802. 5) Hist. nat. des Salamandres de France. P;iris 1800. 4) Le regne animai. Paris 1817. 5) Wie die Yurrede zu den Iconcs et dcscriptioncs Am|)hibioruni meldet, sind alle Zeichnungen des Werkes von der Hand des Verfassers angefertigt. 6) So rechnet Tsciiudi (Isis 1857) auch die Wacilkr'scIic Ahhihlnng unter die „nicht ganz getreuen- und tadelt, dass sie die leichte, leine Form, welche das Thier charaktcrisire, nicht wiedergebe, der Kopf sei viel schlanker und spitziger, die Augen bildeten höhere Höcker u. dergl. 7) Fünfter Bericht des naturwiss. Vereins zu Offenbach a. M. 1864. 6. Art: Polobates fuscus, Laur. 77 IV. GMlIinii^': lr*elol>a;tej*!, WagloL*. Tracht melir froscli- als krö tenartig- ; Kopf zwischen und hinter den Augen selir gewölbt, nach hinten zu fast einen Höcker entwickelnd ; Haut slatt, zart und spiegelnd; Augen äusserst vorgequollen, Pupille eine senkrechte Spalte; kein Parotiswulst; kein gesondertes Trommelfell; keine Schall blase ; die rundliche Zunge li inten kaum ausgeschnitten; Vorderfüsse (dritter Finger der längste) ohne Schwimm- haut; Hinterfiisse mit vollständiger Schwimmhaut, die sechste Zehe ^Fersenhöcker) gross, schaufei- förmig-, mit Hornkamm; die Zeilen sonst zarter und länger als bei anderen einheimischen Fröschen und Kröten. Laicli eine einzige dicke Scimur mit mehreren Reihen von Dotterkugeln. 6. Art: Pelohates fuscus^ Laur. Cultripes minor, Müll. Knoblauchkröte. Kennzeichen. Länge 2V2 Zoll. Grundfarbe der Oberseite ein unreines, lichteres oder dunkleres Grau, darauf braune bis schwärz- liche Landkartenflecken von verschiedener Grösse, auch wohl aufgelöst in kleine Flecken ; endlich kann eine Besprenkelung mit Puncten und kleinen Flecken von röthlicher Farbe, namentlich an der Seite und den Hinterbeinen zugegen sein. Unterseite hell ; Iris bronzegelb. Schwiele des Fersenhöckers gelblich. Eigentliche Geschlechtsunterschiede, welche nach aussen her- vortreten, habe ich nicht feststellen können. Während der Laich- zeit mag das Weibchen allgemein etwas dickbauchiger sein; ausser dieser Zeit ist es aber kaum grösser als das Männchen. Die rothen Flecken am Rücken waren bei Weibchen öfters zahl- reicher, doch unterliegt dies ebenso individuellen Schwankungen als die hellere oder mehr ins Grau besprenkelte Unterseite. Nur die grosse Drüse an der hinteren Fläche des Oberarms beim 78 6. Art: Pelobates fuscus, Lanr. Männchen könnte hier erwälmt werden; von „Daiunenschwiele" an den Gliedmassen ist keine Spur vorhanden. Vorkommen. lieber die Verbreitung dieses keineswegs allenthall)en in Europa lebenden Thieres habe ich Folgendes in Erfalirung bringen können. Wie wir durch Nilsson wissen, lebt Pelohates im südlichen Schweden ; findet sich in Dänemark, was Steensthup ') zuerst dar- g-ethan, dann Collin, welcher beifügt, dass dieser Batrachier „un- bedingt der seltenste der einheiraisclien Auuren" sei. Was Deutsch- land anbetritft, so ist die Knoblauchkröte bisher in Strichen des nördlichen, mittleren und südlichen Theiles beobachtet worden. So wurde sie in der Umgegend Berlins zuerst durch Wiegmann-) nachgewiesen, und dass sich das Thier alldort bis jetzt erhalten hat, geht aus einer neueren Mittheilung hervor. 3) Auch von Schulz wird ein Tümpel von Lankewitz bei Berlin als Fundort des „keines- wegs häufigen Thieres" bezeichnet.^) Aus Oberschlesien (Ratibor) erwähnt es schon im Jahre 1815 Kalcza, dann später Gloger, mit dem Zusatz: „nicht häufig, wenigstens nicht überall gewöhn- lich". Das Vorkommen bei Breslau hat Gra\'enhorst &) angezeigt, und dass unser Thier sich noch daselbst findet, weiss ich durch Dr. Born, welcher die Gefälligkeit hatte, mir von dort ein halb Dutzend lebender Stücke zuzusenden. Aus dem nordwestdeutschen Tieflande hat das Thier Brüggemann von der Umgegend Bremens angezeigt, doch auch dort gebe es grosse Bezirke, in denen es fehle, so sei es nach Wiepken in ganz Oldenburg nicht aufzufinden gewesen. 1) Mit Interesse liest man (siehe Isis von Okex, Jahrg. 1841, S. 900), auf welchem Umwege der olJen genannte dänische Naturforscher den bis dahin nur in der norddeutschen Ebene, nicht aber in Dänemark beobachteten Pt'lohales /uscus, aucli für Dänemark entdeckt hat. Es geschah nach Knochenresteu, welche sich in dem Mergel einer Sandgrube gefunden hatten. 2) Isis, 1833, S. 652 (Ilerpetologische Beiträge). 3) Sitzungsbericht der Gesellschaft naturf. Freunde zu Berlin, am 17. Decbr. 1867. 4) Fauna marchica, 1845. 5) Deliciae musei zoologici Vratislavicnsis. Lipsiae 1829, p. 33, „Indi- viduum adultuin captum prope Vratislaviam". Auch erfährt man, dass ein Exemplar der Sammlung bei (jiöttingcn auf einer sumpfigen Wiese zur Abendszeit gefangen wdrden sei. 6. Art: Pelobatcs fuscus, Laur. 79 Hier am Nicdcrrliciu liiulet sicli der Batraeliier bei Bonn: ich selber habe in der zweiten Hälfte des Sei)tember auf der rechten Rlieinseite einen ziemlich wasserleeren, von Bäumen und Buschwerk umstandenen Tümpel angetroffen, der im Frühjahr bei laug- andauerndem, Alles austrocknendem Ostwind ohne Wasser g'ewesen sein mochte und jetzt von ausgewachsenen Larven des Pelohates wimmelte; am feuchten Ufer trieben sich eine Menge junger Thierchen herum. Im mittleren Rheingebiet wui-de er vor Jahren bei Weilburg von Kirschbaum gefunden; an der Mosel bei Trier von Schäfer und Schnur. Ziemlich verbreitet scheint er am unteren und mittleren Main vorzukommen: schon Römer -Büchner findet ihn (im Jahre 1827) zwischen Hausen und Ginheira, v. Heyden bei Griesheim, Bruch bei Offenbach und wie aus seinen Bemerkung'en entnommen werden darf, zahlreich. Kochi), welcher zuletzt das Fauneng-ebiet des Untermaines durchforscht hat, be- zeichnet ebenfalls die Gegend zwisclien Frankfurt, Hanau und Ofifenbach als Ort des Vorkommens. Auch er nennt den Pelohates die „seltenste Art unserer sämmtliclien einheimischen Batrachier". Weiter mainaufwärts habe ich das Thier bei Würzburg- im Jahre 1843 aufgefunden, wo es unterdessen mehrmals in besonderer Menge erschienen ist, so z. B. im Frühjahr 1855, auch im Sommer 1875 konnte Prof. Semper, gefälliger schriftlicher Mittlieilung zu- folge, eine grosse Anzahl erwachsener Tliiere in einem Tümpel vor dem Zellerthor sammeln. Inzwischen gab es aber auch Jahre, wo ich trotz allem Herumspähen in letztgedachter Gegend auch nicht ein einziges Stück aufzutreiben vermochte. 2) Zenker führt bezüglich Thüringens den Pelohates als eine jener Gattungen auf: „quorum apud nos inveniuntur species". Das Vorkommen bei Nürnberg bleibt uns aus dem Grunde inter- essant, weil hier das Thier überhaupt zum ersten Mal von Rösel, im Jahre 1758, entdeckt wurde. Glückselig gedenkt der Art als 1) a. a. 0. S. 151. 2) Welch grosser Wechsel im Vorkommen dieser Art statt haben kann, ergiebt sich z. B. auch ans Strickkk's Beiträgen zur Biologie der Batrachier (Verhandlungen der zool.-botan, Gesellschaft in Wien, 1866). In den Jahren 1856—60 tummelte sich Pelohates fuscus in grosser Menge in der Brigittenau bei Wien herum; im Jahre 186G wurde er vergeblich gesucht, so dass der genannte Beobachter daran denkt, ob nicht das Thier aus- gewandert oder durch Feinde vernichtet worden sei. 80 6. Art: Pelobates fiiscus, Laiir, Glied der hölimischen Fauna, Heineich ') verzeielmet sie für Oester- reichiscli- Schlesien und Mähren; noch südöstlicher kennt man sie aus der Umgebung Wiens, dann aus Ungarn -), Krain, Illyrien und Dalmatien, wo sie besonders bei Spalatro häufig sein soll. Erhard im Nachtrag zu seiner Fauna der Cykladeu nennt das Thier als Bewohner aller Inseln des griechischen Archipels, all wo es sich im wasserreichen Jahr 1857 als sehr allgemein gezeigt habe, während es sonst seltener zu finden sei.-^) Aus der unteren Wolgagegend von Sarepta hatte Herr C. Glitsch die Güte, mir sowohl erwachsene Thiere als auch Larven mitzutheilen. Blicken wir südwestlich, so kommt das Thier nach Fahrer in Südbaiern vor; bei Eeg-ensburg scheint es zu fehlen, denn Forst- rath Koch, welcher an der Bearbeitung der Fauna dieses Striches Theil genommen hat, erwähnt die Art nicht. In Württemberg ist Pelobates noch nicht aufgefunden worden ; icli wenigstens habe all- dort vergeblich darnach gesucht und nur ein einziger Autor will das Thier als Glied der Fauna des genannten Landes aufzälilen ; indessen lässt sich zeigen, wie das unten noch mit einig'en Worten geschehen mag, dass er den fragliehen Batrachier schwerlich ge- kannt hat und die Angabe auf einem Fehler beruhen muss. Ver- misst wurde bisher auch das Thier in der Schweiz, sowie in Süd- tirol ; es wurde aber in der Lombardei durch Coknalia aufgefunden. Zu den europäischen Ländern, in welchen Pelobates fmcm fehlt, gehört noch Holland und England, während es von Nord- frankreich nach Belgien, wie wir durch de Selys-Longchajips er- fahren, vorgedrungen ist. 4) Die Zahl der Männchen ist grösser als die der Weibchen: auf 4 — 6 Männehen kommt 1 Weibchen. 1) Die Beschreibvxng , welche der oben genannte Schriftsteller giebt, enthält aber Einiges, was Zweifel erregen darf, ob wirklich der Pclohales fuscHS unterschieden wurde: die Haut sei rauh, ein heller Rückenstreif sei vorhanden etc. 2) Fkauenfeli» z. B. sprach in einer der Sitzungen des zoolog.-botan. Vereins in Wien, 1870 (Sitzg. vom (i. Juli), über ein massenhaftes Vorkommen des Pelobates fuscus um ßudös in Siebenbürgen. 3) Es vermuthen indessen Manche, dass eine Verwechslung mit Dis- coglossiis piclns stattgefunden habe. 4) Auch die Recherches sur le developpemeut du Pelobate brun, welche van Baribeke bei Gent angestellt hat, beweisen das Vorkommen des Thieres in 1 Belgien. 6. Art: Pelobates fuscus, Laur. 81 Bemerkungen. a. Zur Entwicklung und Biologie. Pelobates gehört zu den frühe laichenden Arten : hei Bonn fand ich 1876 am 5. April die erste Laichschnur bei noch sehr winterlichem Charakter der Umg-ebung- des Tümpels. Aus meinen Aufzeichnungen geht aber hervor, dass ich bei Würzburg- frischen Laich, den man unmöglich mit dem von der Gattung- Biifo ver- wechseln kann, noch Mitte und Ende April angetrotfen habe. Die im Zimmer gezüchteten ganz jungen Larven sind von Farbe bräunlieh - schwarz , seitlich stark zusammengedrückt, halten sich, wie EösEL schon abbildet, eng* und dicht beisammen und bewegen sich, ähnlich wie etwa die Larven von Culex, durch Krümmen des Schwanzes geg-en den Leib. Selbst längere Zeit noch sind sie ganz schwarz und aucli die hervorsprossenden äusseren Kiemen, in denen bald eine stossweise Blutbewegimg- sichtbar ist, während sonst im Körper noch kein Kreislauf sich zeigt, sind um diese Zeit so dunkel pigmentirt, wie es etwa der Schwanz ist. Später wird die Far])e der Haut lichter, und die erwachsene Larve ist am Rücken von einem ziemlich gleichmässigen Oliven- braun; die Seiten mit Goldglanz, Bauch heller. Bei schräger Beleuchtung zeigen sie im Wasser über den Leib hin einen ent- schiedenen blauen Schiller. — Das Kiemeuloch oder Spiraculum, seitlich links am Körper, ist wie bei Rana und Bufo weit nach unten gerückt, so dass es eigentlich an der Grenze zwischen Seiten- und Bauchgegend liegt, was im Hinblick auf die mediane Lage bei Ahjtes und Bomlnnator Beachtung verdient. Die Larven der Knoblauchkröte erreichen unter allen ein- heimisclien Arten die bedeutendste Grösse und können unter günstigen Verhältnissen ganz riesig werden, was abermals der vorhin genannte Nürnberger Naturforscher schon trefflich ver- anschaulicht hat. Bei der verborgenen Lebensweise des erwach- senen Thieres dienen auch wohl diese ungew^öhnlich grossen Larven dazu, auf die Anwesenheit des Pelobates in einer Gegend auf- merksam zu machen. 1) 1) So war z. B. in Würzburg früher weder in der zoologischen Sammlung das Thier vertreten, noch wusste irgend ein Zoologe alldort etwas vom Vorkommen des Pelobates. Da stosse ich im Sommer 1843 in Gräben auf Leydig, ßatrachier. 6 82 6. Art: Pelobates fiiscus, Laiir. Fraglich ist mir, ob die Larven das Vermögen besitzen zu überwintern. Als icli die oben erwähnte Fundstelle jenseits des Rheines kennen gelernt hatte, in der sich im September eine Unzahl der Larven tummelte, besuchte ich den ganzen October hindurch bis in den November hinein den Tümijel. So lange die Witterung mild war, traf ich immer noch ganz junge Thiere am Ufer, welche nach Grösse und Stummelschwanz wohl eben erst das Wasser verlassen hatten. Als aber die Lufttemperatur immer mehr sank, geschah der Uebergang vom Wasser- zum Landleben nicht mehr ; die Larven hielten sich jetzt ruhig am Boden auf, während sie früher nach dem Saum des Wassers sich gezogen hatten, ohne dass sie Anstalt gemacht hätten, sich zu vergraben. Im darauffolgenden März, nachdem die Tagestemperatur auf -|-10 0E. gestiegen war, sah ich mich wieder nach dem Tümpel und den Larven um, aber es war weder jetzt noch später eine Spur von ihnen zu entdecken, wesshalb ich schliessen möchte, dass die Thiere eben nicht zu überwintern im Stande waren. Es ist mir interessant zu sehen, dass auch C. Koch, der eine grosse Erfahrung in diesen Dingen besitzt und z. B, das Ueberwintern der Larven von Ahjtes näher beschreiljt, bezüglich des Pelobates ausdrücklich bemerkt, dass, obschon Andere das Ueberwintern der verspäteten Larven im Schlamm behaupten, es ihm bis jetzt nicht gelungen sei, sich hiervon zu überzeugen. i) dem rechten Mainufer, gegen Veitshöchlieim zu, auf die durch ihre Grösse merkwürdigen und mir neuen Quappen ; eine Anzalü davon zu Hause bis zur Metamorphose gehalten, ergab den Pelobates fuscus. 1) Das Ueberwintern von Larven der Amphibien geht bekanntlich im Zimmer leicht von Statten. Es scheint aber doch auch im Freien bei mehr als einer Art geschehen zu können. So zeigt nach Thoschel's Jahresbericht über Herpetologie 18G9, ein Beobachter eine lebende „Froschlarve" von 2^2 Zoll Länge vor, gefangen im März, wo die Frösche zu laichen anfingen. Sie musste sonach überwintert haben. Ich traf in der zweiten Hälfte des September im Vorbachthale bei Rothenburg an der Tauber zahlreiche vier- beinige Larven von Triton tacnialus, aber so klein , dass sie unmöglich vor Beginn der rauhen Jahreszeit ihre Verwandlung hätten vollenden können. Dazu kommt, dass ich im Schönbuch bei Tübingen Ende März Larven von Triton helvelicns fischte, welche offenbar im Schlamme des Wassers über- wintert haben mussten. Sie waren etwa 2 Cm. lang, vierbeinig und mit Kiemen versehen. In dem vorhin erwähnten herpetologischen Jahresbericht und zwar für das Jahr 1SÜ5 sucht ein amerikanischer Beobachter ebenfalls 6 Art: Pelobates fuscus, Laiir. 83 Die im Zimmer i^clialteueu Larven mit Salat u. dergl. uaeli Angabe Anderer zu füttern, gelang nicht. Nachdem der mit- genommene Schlamm aufgezehrt war, gah ich ihnen Stückchen rohes Rindfleisch, Avelches sie mit Gier verspeisten, ebenso Eiweiss hart gesottener Eier ; dann frassen sie auch gerne die feine Algenmasse, welche ich ihnen aus dem Bassin eines Spring- brunnens vorgesetzt hatte. Es unterliegt somit keinem Zweifel, dass die Larven auch von Pelobates Fleischkost nicht verschmähen, wobei zu bemerken, dass eine Fütterung mit rohem Fleisch sie auf längere Zeit zu sättigen scheint, und sie sich alsdann aller weiteren Nahrung enthalten. Bekanntlich sahen auch schon vor längrer Zeit andere Beobachter, dass die Larven unseres Batrachiers thierische Stoffe nebenbei zu sich nehmen. Fatio, welcher über die Sitten einer anderen Art {P. culMpes) hübsclie Beobachtungen angestellt hati), nennt den Pelobates „un timide Batracien", was auch zu meinen Erfahrungen passt. Die ganz jungen, am feuchten Saum des Teiches aufgegriffenen Thiere erschraken beim Anfassen so heftig, dass sie gleich verschiedenen Käfern alle vier Beine einzogen, wie zu einem Klümpchen wurden und so längere Zeit in dieser Haltung verweilten. Auch die erwachsenen legen ein gutmüthiges, geduldiges Wesen an den Tag. Wie bei andern Fröschen und Kröten, ist die Stimme nicht bloss nach dem Geschlecht, sondern nach den Erregungszuständen des Nervensystems verschieden: das Männchen quackt, nach den Beobachtungen Anderer, in der Begattungszeit laut, das Weibchen grunzt; bei Unbehagen gaben die von mir im Zimmer gepflegten ein schwaches Quacken von sieh ; im Schmerz schreien beide Geschlechter, wie Eösel sich äussert, „gleich einer jungen Katze auf das Erbärmlichste". Ganz entgegen der lange bestandenen Angabe, dass sich Pelobates bleibend im Wasser der Sümpfe und Gräben aufhalte, ist dieser Batrachier ein echtes L an dt hier, das nur zur Laich- zeit das Wasser aufsucht. Tagsüber ist es versteckt, zumeist in der Erde verscharrt und kommt erst mit anbrechender Dämmerung zum Vorschein, um seiner Nahrung nachzugehen. Thiere im darznthun, dass wenigstens ein Theil der Froschlarven überwintert, und erst im kommenden Frühling die Entwicklung fortsetzt. 1) Faune des Vertebres de la Suisse, 1S7?, p. 23G. 6* g4 f'« Art: Pelobates fnseiis, Laur. Zimmer, welche sicli nicht vergraben können, zeigen sich während des Tages träge, scliläfrig, und ihre Pupille ist zu einem feinen Spalt zusamipengezogen, wobei sich auch bemerken lässt, dass die Blutgefässe auf der vorderen Fläche der Iris stark vorspringen. Bei Nacht ist das Thier munter, hüpft gut, die Pupille ist weit, doch mit schwach winkligem Contour. Die Beckengegend unsers Batrachiers ist sehr beweglich, so dass die freien Enden der Darmbeine stark hervorstehen können und eine tiefe Furche vor ihnen einsinkt. Bei ganz ruhigem Sitzen werden die Hinterbeine so weit nach vorne gezogen, dass die Aftergegend über die Beine hinaussteht.') Die Stellung des schlafenden Thieres hat manches Sonderbare : möglichst hoch auf den Vorderbeinen aufgerichtet, sitzen sie mit geschlossenen, nicht vorgequollenen, sondern in die Tiefe gezogenen Augen da, einem indischen Götzenbilde nicht unähnlich. Wirft man der ruhig auf dem Moos sitzenden und schlafenden Gesellschaft lebende Insecten zu, so geräth sie in grosse Auf- regung. Die Thiere sclmappeu mit grösstem Eifer nicht bloss nach den Insecten, sondern auch auf einander selber, wie ich dies seiner Zeit von den Larven des Erdsalamanders zu berichten hatte. Mit besonderer Gier fielen sie über Blaüa orientalis her, vielleicht angereizt durcli die schnellen Bewegungen dieses Or- thopteren. Audi schnappte Pelobates nach kleinern Exemplaren von Bufo calamita^ wenn sie sicli rasch an ihm vorüber bewegten. Bei den im Zimmer überwinternden Tliieren änderte sich gegen Ende Februar das Betragen wesentlich. Sie zeigten jetzt die grösste Unrulie, um aus ihrem Käfig zu entkommen, krochen an den Wänden herum, stemmten die Hinterfüsse gegen den Boden und schaufelten, dass es knirschte. Die Aufregung steigerte sich so, dass sie kopfüber taumelten. Offenbar trieb sie jetzt im Frülijalir das Bedürfniss zum Wasseraufenthalt. In dieses Element alsdann gebracht, wurden sie ruhig, wie still schlafend; ilire Farbe hob sich , sie erschienen schön gefleckt auf hellem 1) Ob diese Stelliui4. Kisso, indem er die Anipliibien der Umgegend von Nizza ') aufzählt, be- merkt: 11 nie parait, qu'on confond journelleraent sous le nom d'esculenta pliisieurs grenouilles d'Europe; pour obvier ä cette inconvenient, je vais d'ecrire les deux especes le plus commuues de nos contrees qui portent ce nom. Und so beschreibt er: 1) eine Rana alphia, die sich das ganze Jahr in den Seen der Alpen fände. ..Corpore luteo-virescente, nigroque guttato; pone oculos macula triangulari nigrescente picta. — Le corps de cette espece est d'un jaune verdätre, avec de petits taches cerclees de uoir; un filet noiratre prend depuis la commissure du muscau , s'etend jusqu'ä Toieil, et forme derriere cet Organe une grand tache triangulaire, noiratre; les pattes sont traversees, de bandes noirätres." So wie Risse es gethan, stellen denn auch Bir.Rox und DuMioKiL, DE Betta u. A. diesen Alpenfrosch als Varietät zu R. esni- Iffiia, dbschon der „grosse, schwarze, dreieckige Fleck hinter dem Auge bereits auf R. temporaria aut. gedeutet werden könnte. Mit etwas mehr Sicherheit möchte ich sagen, dass jene Rana alpina, welche in der Fauna italica von Boxaparte dargestellt erscheint, nicht zu Rana esculenla geliört, sondern zu R. temporaria aut. Hierfür spricht die breitere, stumpfe Schnauze, sowie die Breite des Scheitels zwi- schen den Augen. Ferner lässt sich deutlich erkennen , dass die Ab- bildung sich auf ein Männchen bezieht: die stark entwickelte Schwimm- haut der Hinterbeine und die Form der Daumenschwiele, die übrigens auffallend hell .gehalten ist, kündigen dies an. Die dunkle Färbung des Thieres möchte in ähnlicher Weise zu erklären sein, wie wir es be- züglich anderer dunkelfarbiger die Alpen bewohnender Thiere thun. Auch ScHixz^j, welcher in seiner Heiraath Schweiz den Alpenfrosch zu beobachten leicht Gelegenheit finden durfte , äussert sich dahin , dass die Rana alpina „eine durch den hohen Aufenthalt entstandene Varietät des Grasfrosches zu sein scheine". Und was er bezüglich der Farbe mit- theilt, z. B. „Bauch lebhaft oranggelb", passt auf R. fusca und nicht auf auf R. esculenla^). 2) Rana maritima ist die andere von Risso aufgestellte Art und findet sicli in den Sümpfen am Rand des Meeres. „Corpore subrugoso aurato cupreo , fasciis duabus nigris raaculatis ornato ; pone oculos macula sub- rotnnda aurea picta. — Le dessus du corps est comme rugueux, colore de cuivre dore, avec deux bandes de taches noires et une ligne un peu creuse, verdätre qui commence sur le museau et s'etend jusqu'au milieu du dos, les flaues sont plus brillants avec deux rangs de traits noirs iuegaux ; le ventre est blanc faiblement tachete de grisätre; deux belies taches presque arrondies, dorees, ornent le derriere des yeux." I. Hisloiie iiaiiirclle itfs priiicipales pioduciions de l'Kurope meriilionnlp. III. Paris 1826. 2i EuropäbL-lie Kauna. Stutlgarl lS4ü. ö) Rana alpina bei Laurenti: , atra lüla ; liabilat in deciivibus Schiieeberg ; Visa haud raro buiaiiii'is iiüslralibus: at! haciciius iiunqu.im descripta," rechne ich ebenfalls zu R. fusca. 8* 116 9. Art : Rana fusca, Rüsel. Endlich hat Fitzingek eine neue Art ans Südeuropa beschrieben : 3) R(üia hispanicn. Mir selber steht, so wenig wie über R. inariUina, eine Erfahrung über gegenwärtiges Thier zu Gebote, sondern ich kenne einzig und allein die in natürlichen Farben ausgeführten Abbildungen in Bona- i'artk's Fauna italica. Dort tritt an R. hispanicn Etwas entgegen, was ich an Exemplaren von Rana csculenla diesseits der Alpen nur spurweise wahrnehme, wohlentwickelt aber an solchen, die ich aus den Euganeen besitze. Mau sieht nämlich auf dem Hiuterrücken und der Kückenseite der Ober- und Unterschenkel eine weisse B e p e r 1 u n g aufgesetzt. Bei unserer R.fusca ist in der Laichzeit diese Beperlung, am Weibchen, sehr entwickelt, und rührt her von einer Wucherung der Epidermis. Dasselbe ergiebt die Untersuchung der R esctilenta aus den Euganeen. Dass das Thier, welches auf der Tafel der Fauna italica dargestellt wird, ebenfalls ein Weibchen ist, lehrt der dünne Daumen. Vielleicht lässt sich durch voranstehende Bemerkung ein Zoologe, welchem sich die Gelegenheit bietet, den südeuropiiischen Wasserfrosch untersuchen zu können, bestimmen, sowohl die Rana mariiima Kisso als auch die Rana hiapanica FiTziNtiicit einer genaueren Nachprüfung zu unterwerfen. Es sei auch ferner beigefügt, dass Duges ') ebenfalls auf ge- wisse bleibende Farben-Unterschiede des in Südfrankreich lebenden grünen Wasserfrosches, gegenüber den gewöhnlichen Beschreibungen, aufmerksam gemacht hat. Nicht minder ist auffallend, dass ScALLAxzAxr-, indem er die „Zeugungsgeschichte des grünen Wasserfrosches" abhandelt, ausdrücklich den grünen Wasserfrosch der Lombardei von jenem, welchen Rösel beschrieben und abgebildet hat, getrennt wissen will: sie seien in Grösse und Farben durchaus verschieden. Auch die Schrift Rusconi's über die Entwicklung des Wasserfrosches 3) weist auf starke Verschiedenheiten oder Varietäten hin, welche au Rana esculenta von Oberitalien vorkommen. Aber auch die südosteuropäischen Formen der Rana esculenta verdienten wohl ein erneutes Studium , so z. B. die im Ivaukasus einheimische und von Kryniki*) näher beschriebene Rana denlex. Die Abbildung geht deut- lich, wie der verdiclite Daumen zeigt, auf ein Männchen. 9. Art: Maua fiisca. Rösch Rana temporaria aui, non Linne. — Rana flaviventris, Millet. — Rana platyrrhinus Steeiistrup. Grasfrosch. Kennzeichen. Länge bis 3'/.2 Zoll. Selmaiize kurz, stuuipf, das Ende gewölbt; Stirn breit; Augen weit auseinander stehend ; der längste 1) Rech. s. l'osteol. et la myologie d. Itatracieii.s. I'aris 185i. 2) Versuche über die Erzeugung der l'hiere und l'tlanzeii. Uelicrselzung, Leipzig I78(j. 5) Developiienient de la grenouille, Milan I82Ü -l) Observatiuiies quaedam de rejuilibus iudigeiiis. Bull, de la sociele iujp. d. iiai. de Muscou ISöl. 9. Art : Rana fusca, Rösel. 117 Fin^i-er der Vorderbeine mit einem ZMrfen TTantsamii am Innen- rande; Tlinter])eine mit fast vollkommener Schwimmhaut; an der läntisten Zehe iieht der Saum der Schwimmliaut bis zur Wurzel des letzten Gliedes; sechste Zehe (Fersenhöcker) schwach, weich, von Form eines länglich runden Wulstes; dem Fersen- höcker iieg-eniiber, an der Wurzel der längsten Zehe, fehlt ein Ballen, aber die Haut ist an der Stelle, wo er zu stehen hätte, lichter gefärbt. Die Gelenkliöcker gering- entwickelt. Farbe des Rückens ein Rothbraun mit dunklen Flecken, wovon die im Nacken eine mehr oder weniger A- förmige Figur bilden; die seitlichen Driisenwiilste weniger hervorspringend und so ziemlich von der Farbe der Umgebung, daher nicht sonderlich ab- stechend. Die dunkeln Flecken an der Seite lassen keine Mittel- zone frei ; Ohrfleck dunkel (braun;) ; ein dunkler Seitenstreifen der Oberkinnlade weniger ausgebildet, oft fleckig aufgelöst. Hinter- beine mit Querbinden. Bauchseite gefleckt. Männchen. Vorderarm dicker, fleischiger; mit Daumen- seh wiele, letztere stark entwickelt, in der Laichzeit von dunkel- brauner, fast schwarzer Farbe, sonst grau; zerfällt in vier Theil- stilcke des Ballens, der ersten, zweiten und dritten Phalanx; Papillen hocli, dick, daher die Schwiele im Ganzen von rauhem Aussehen ; Schwimmhaut der Hinterbeine entwickelter, derbhäutiger; Bauch grauweiss, wenig oder gar nicht gefleckt. Kehle in der Zeit der Paarung bläulich -grau. Mit zwei Schallblasen, nach hinten und unten vom Mundwinkel unter der Haut gelegen und nach aussen massig hervortretend. Weibchen. Vorderarm schwächer; ohne Daumeusch wiele ; Schwimmhaut der Hinterbeine weniger entwickelt; Bauch gelblich mit rotlibraunen Flecken, die auch zur Zeit der Paarung zusammen- fliessen können, so dass Kehle und Bauch satt rothbraun erscheinen. Haut zur Seite des Leibes und auf der hinteren Riickenliälfte rauh durch Epidermishöcker. Ohne Schallblasen. Vorkommen. Wie in Europa überhaupt, so ist auch in Deutschland Rana fusca die verbreitetste Art von Fröschen, Man trifft sie in der Ebene so gut, wie in Berggegenden: im Hochgebirge, wie im Mittelgebirge. Ich vermisste sie nirüends in den deutschen Land- 11§ 9. Art: Rana fusca, Eüsel. striclieu, wo ich mich nach Aniphibieu umsah.') Sie entfernt sich nach der Laiclizeit oft weit weg- vom Wasser: ich begegnete ihr z. B. auf den Hölien der schwäbischen Alb nicht selten, wo weit und breit kein Teicli oder Sumpf auf der an sich wasserarmen Bergfiäche zu finden w^ar. Diese dem Feld- und Gartenbau niitzliclien Thiere, welche einzig und allein von Insecten, Schnecken und Würmern leben, würden in vielen Gegenden gewiss zahlreiclier sein, anstatt sich von Jahr zu Jahr zu vermindern, wenn man nicht in unver- ständiger Weise, eine alte Kalender regel, wie es scheint, in Aus- führuni;- bringend, die Laichmassen mit Kechen ans Land zum Vertrocknen zöge. Bern er klingen. a. Zur Form und Farbe. 1) Es giebt eine Form der Richen zwischen Rana oxyrrhinus und Rana platyrrhinus hervor. Thomas berichtet, dass er sowohl an Rana agilis als auch sogar an Rana esculeyila die Erscheinung wahrgenommen habe. Zuletzt weisst Fatio, ganz in Ueberein- stimmung mit Dem, was ich sah, darauf hin, dass die Kehle des Männchens \on Rana fusca ..au mouu^nt des amours devient bleu- astre, iiarfois meme d'un joli bleu'' und dass die Färbung bald verschwinde. Eine Andeutung zur Erklärung, woher dieses Blau 9. Art: Rana fiisca, Rösel. 123 rülire, suelie ich verii'cblicli in den Schriften der 2,'enaunten Zoo- logen. Neneste Autoreu, ol)S('lion sie die Färbiini;' der Rana fusca ausi'iihrlieli besprechen, sag'en kein Wort über die dem Hochzeits- kleid anyeliörige blaue Kehle und den über den Körper sich er- streckenden blauen Reif. c. Zur Anatomie. 1) Den Bau der Hautdecke habe ich schon mehrmals be- sprochen und es maii' bezüglich der Farbe nacligetragen werden, dass jüngere, ein- oder zweijährige Thiere für die Betrachtung mit der Lupe, über die ganze Haut weg zwischen dem matt- röthlichen, gelblichen und schwärzlichen Pigment ein metallisch glänzendes eingemischt besitzen, namentlich am Rücken, in der Schnauzen- und Augengegend. 2) Schon vor Jahren habe ich aufmerksam gemaclit, dass beim Weibchen in der Paarungszeit — bei den in Clefangenschaft üehaltenen schon Ende Januar — eine H ö c k e r b i 1 d u n g der Epidermis auf dem Hinterrücken, der Lenden- und Aftergegend, dann an den Seiten des Leibes bis fast zur Ohrgegend, sowie auf der Rückeufläche der Ober- und Unterschenkel sich ausbildet. Auf den Figuren bei Rüsel ist bereits im Colorit diese weisse Beperlung der Haut gut ausgedrückt, welciie am Oberschenkel fast ins Dornige übergeht. Sie l)eruht, wie die nähere Unter- suchung lehrt, auf Wucherungen der Epidermiszellen, ohne dass diese aber verhornten. Die Haut des Männchens ist auch um die genannte Zeit wie immer völlig glatt. An den von mir bis jetzt beobachteten Exemplaren der Rana arvalis habe icli die Perl- bildung der Hautdecke nicht walirgenommen und nehme sie desshalb unter die Merkmale auf, durch welche sich die beiden Froscharten unterscheiden. -) 1) Aiiat. bist. Untcrsuchunj^en über Fische und Reptilien, Berlin 1858, S. 108. 2) Obige Beperlung- der Haut von Rana /usca habe ich schon ander- wärts (Vom Bau des tliierischen Körpers, 1864, S. 65, Anmerkung 5) dem sog. Hautausschlag, welcher sich bei vielen männlichen Fischen zur Laich- zeit in Form weisser Knötchen und Dornen einstellt, verglichen, da mir die mikroskopische Untersuchung gezeiirt luit, dass es sich auch bei den Fischen um verdickte Epidermisbildungen handelt. Aus dem Werke: G. v. Martens, „Reisenach Venedig", Erster Theil, Ulm 1838, erfährt man, dass i24 9- -^it: Rana fusca, Rüsel. 3) Die Form der Daumenscliwiele, die Papillen und die Sculi)tiir ilirer Epidermiszelleu habe icli schon anderwärts abgehandelt.') Hier möchte ich noch nachtraii'en, dass die Drüsen- säcke auch der Daumenschwiele jene Muskeln in der Wand besitzen, welche ich von den Drüsen anderer Stellen der Haut wiederholt erörtert habe. Es sind abermals sogenannte organische oder o'latte Faserzellen und nach aussen von den Drüsenzellen liegend. Nach Einwirkung von Salpetersäure lösen sie sich gern ab und wurden alsdann bereits von Schiff ^) wahrgenommen ; wobei der genannte Beobachter auch anführt, dass man solche organische Muskeln in der Daumenschwiele der Rana arvalis (oxvrrhinus^ nicht so ijut und l)estimmt sehe, als bei Rana fusca. Uebrigens muss icli bekennen, dass mir Zweifel aufgestossen sind, ob die von mir bezüglich der Daumendrüse von Bufo calamita erwähnte und auf Drüsenzellen bezogene querstreifige Sonderung nicht vielmehr diesen contractileu Faserzellen angehören mag-, obschon ich bisher sonst an den gleichen Elementen der Haut- drüsen der Batrachier nichts Aehnliches bemerkt habe. Die ganze Daumenschwiele ist sehr n e r v e n r e i c h. Zwischen den Drüsensäcken hindurch treten vom Badialnerveu Züge, imter geflechtartigem Austausch, theils zu den Papillen des Coriums herauf, theils lassen sie sich an den Drüsensäcken selber verfolgen. Wie sie dort enden, habe ich zwar mit Sicherheit nicht gesehen, aber bemerkt, dass sich kleine Ganglieukugeln noch in die über die Drüse sich verbreitenden Nervenfasein einschalten können. bereits Virgh. die dornförmigen Aosätze an den Schuppen der Fische des Langen- und Comersee's bemerkt hat, wälirend v. Maktens selbst sie an der Orte imd dem Halbfisch (Lei(cisci/s ruliliis) wahrgenoiuraen. Ausfiihrlicli ge- denkt V. SiKiiOLD («üsswasserfische von Mitteleuropa, lSti3) dieser in Form von Warzen und Dornen auftretender Wucherungen der Epidermis in der Beschreibung verschiedener Cyprinoiden. Es scheint aber, dass die Kennt- niss und richtige Beurtheilung des „Hautausschlages" doch noch nicht bei allen Autoren, welche Fische beschreiben, verbreitet ist; wenigstens kann ich mich der Vermutlmng nicht entschlagen, dass die „periweissen Wärzchen" deren Kossmanx an Gobius gedenkt und nach ihm „vielleicht pathologische Erscheinungen sind", ebenfalls hierher gehören. (Verhandlungen d. naturh. med. Vereins zu Heidelberg. Bd. 1, Heft 4.) 1) Man vergleiche: üeber den Bau der Zehen bei Batrachiern, Morphul. Jahrbuch, Bd. IT. 2) Ann. d. sc. nat. T. IV, 1855, p. 3C9. 9. Art: Rana fusca, Eösel. 125 Nacli der Laichzeit verliert sioli niclit nur die selnvarze Farbe der Daumeiiscliwiele in ein Grau, sondern auch die vorlier so dornig- rauh gewesene Oberfläche wird fast ganz glatt. 4) Die Iris besitzt als Hauptfarbe ein gelbes metallisch glänzendes Pigment, das übrigens ziemlich viel Schwarz entliält. Um die ru})ille herum bleibt meist ein gelber King ; die untere Hälfte der Iris kann fast ganz dunkel werden. Mitunter erzeugt das Schwarz vom untern Rande der Pupille weg einen senkrechten Strich, der beinahe an die embryonale „Choroidealspalte" erinnert. 5) Ueber die Schall blasen der Männchen enthalten mehrere Scliriften irrige Angaben. So will R. Wagner (Lehrbuch der vergleichenden Anatomie, Leipzig 1834) den alten Rö.sel, welcher die fraglichen Bildungen beschreibt und (auf der Tafel IV, Fig. 1, a) naturgetreu abbildet, verbessern, indem er sagt, die Schallblasen fänden sich gar nicht bei „Rana tefnporaria" ^ sondern nur bei Ifyla und Bana escuknta. Obschon nun Rapi' in seiner Arbeit: „lieber die Stimmblasen der Batrachier" (Württemb. Jahreshefte f. vaterl. Naturkunde 1847) hervorhebt, dass der „Rana temporaria die Stimml)lasen mit Unrecht abge- sprochen worden sind", so traut man den Augen kaum, wenn der Verfasser des „Handbuches der Zootomie, Buch: Amphibien, Berlin 1856", bekannt mit der Abhandlung Rapp's, von Neuem sich dahin vernehmen lässt, dass unter unsern einheimischen Arten der Grattung Rana die Kehlblaseu nur Rana esculenta besitze, hingegen den beiden einheimischen Arten, welche man früher als Rana temporaria zusammen gefasst, fehlen. Die Zoologen der systematischen Richtung, welche von diesen absprechenden An- gaben wohl gar keine Kenntniss genommen hatten, theilen der Rana fusca die Schallblasen ruhig zu. Ich habe die Theile an brünstigen Männchen, bei welchen sie am meisten entwickelt sind,, untersucht. Es sind Aussackungen der Mundhöhle und ohne mit der äussern Haut zu verwachsen; sie werden bei der Füllung mit Luft zu querovalen Beuteln hinter dem Winkel der Unterkinnlade hervorgetrieben, liegen aber einfach unter der Haut. Ihre Oeftuung zur Muudhölde befindet sich zwischen der Unterkinnlade und dem vordem Hörn des Zungen- beines. Sie zeigen ein streitiges, schon von Rösel gezeichnetes Aussehen, herrührend von der Fortsetzung des Musculus sub- maxillaris, dessen Bündel die Blasen bogig umgreifen und die 126 y- -A.rt: Rana fusca, Rösel. äussere Lage bilden. Die innere Schielit oder eig-entliclie Haut Avird erzeugt von der Ausstülpung- der Mundschleimhaut, bezüglich welcher ich aber wieder entgegen von Eai-p behaupten muss, dass im Grund des Sackes ein Flimmerepithel uiclit zugegen ist, son- dern ein tlimmerloses, bestehend aus niedrigen feinkörnigen Zellen. Erst gegen die Oettnung zu, welche in die Mundhöhle führt, treten Flimmerhärchen auf. — An den nocli ilimmerlosen Zellen dieser Gegend sind mir zum ersten Mal, nach Maceration des Ei)ithels in doppelchromsaurer Kalilösung, Bilder aufgestossen, welche auf einen Zusammenhang feinster Fäden (Xervenausläufer?) mit dem Kernkörperchen, der Zelle hinzudeuten schienen. 6) An den Fortjjflanzungswerkzeugen des Männchen kommen gegenüber von Rana arvalis und liana esciüenta charakteristische Merkmale vor. Der H d e ist in verschiedenem Grade pigmentirt und daher schwärzlich oder schwarzgelb. Die Samenblase (Taf. III, Fig. 26) am Harnleiter, von beträchtlicher Grösse, beginnt gleich unmittelbar an der Niere, als weissliche oder auch schwäi'zlich pigmentirte drüsige Masse von knospig - höckerigem Aussehen. Rösel hat sie schon abgebildet, doch nicht sonderlich ; weit besser ist dies von Swajdierdam geschehen. Die fernere Prüfung erkennt sie als Aussackung am Harn-Samenleiter ; ihre Innentläche ist von netzig-grubiger Beschaffenheit und bedeckt von einem schönen, grosskernigen Epithel ; in der bindegewebigen Grundlage unter- scheide ich Geflechte glatter Muskeln. Bei Männchen im gepaarten Zustande sind die Samenblasen prall erfüllt von Samenmassen und alsdann, insoweit sie nicht pigmentirt sind, von gelbweisser Farbe. An den Zoo Spermien (^Taf. V, Fig. 45) ist der Kopf lang, schmalfadig, zugespitzt, wesshalb sich die Saamenelemente der Rana fusca auf den ersten Blick von denen der Rana arvaUa und ebenso der Rana esculenta verschieden zeigen. Auch hier glaube ich am Schwauzfaden noch einen unduli- renden Saum wahrzunehmen. Mit den gewölniliclien Linsen ist derselbe allerdings nicht sichtbar, aber bei Anwendung von Immersionslinsen und grosser Aufmerksamkeit hebt sich an den im Speichel untersuchten Zoospermieu, besonders wenn der Schwanz anfängt langsamer zu schlagen, an letzterm noch eine helle Sub- stanz freilich als höchst schwache Umsäumung ab, die sich auch 9. Art: Kana fusca, Rüsel. 127 nocli nin Räude des Kopfstückes lierzielit, eine Art vou zartem Protoplasniamantel, in welchem Ströniuniien der Substauztheilclicu erfoliren und deu Fliuimerscliein hervorrufen. 7) Die zwei Gru])pen der Gaurn enzälme (Taf. IJI, Fii;'. 22) neiii'eu winkelig' zusammen und zwar mehr als bei IL arvalis] der einzelne Haufen gewährt das Bild einer sehmalen Leiste ; die Zähne selber (Taf. IV, Fig. 40) sind länger, spitzer, gebogener als bei der so eben zum Vergleich angezogenen Art. 8) Das Skelet anlangend, so sind am Schädel die Ossa fronto-parietalia flach, nicht vertieft, der ganze Scheitel breiter als bei R. arvalis ; die Pfeiluaht geht nach der ganzen Länge etwas auseinander. Ossa fronto-nasalia schmal, einwärts sich nicht berührend, wesshalb sie einen Theil der knorpeligen Nasenkapsel unbedeckt lassen. Vorderer Arm des Os tympanicum kurz, etwa nur von Drittelslänge des hinteren Armes. Die Querfortsätze an der hinteren Hälfte der Wirbelsäule sind kürzer aber breiter als bei R. esculenta. Brustgürtel wie bei den drei Species mit Epi- sternum. Os suprascapulare in seinem eigentlichen knöchernen Theil einfach schuppenförmig, nicht ausgeschnitten ; daran schliesst der viel Kalk enthaltende Knorpel, i) An den Knochenleisten des Oberarmes zeigt sich wieder der Geschlechtsunterschied, dass beim Männchen eine vordere, eine äussere und innere Gräthe, letztere am stärksten entwickelt, vor- handen ist, während der Humerus des Weibchens nur die Crista deltoidea besitzt, die beiden anderen Leisten bloss in schwacher Spur. Im Vergleich zu R. arvalis Hesse sich noch bemerken, dass beim Männchen die besonders hohe Gräthe des äusseren Gelenkknorrens mit der um Vieles schwächeren des inneren eine nach vorne offen bleibende Furche bildet. Der Metacarpalkuochen des sogenannten Daumens (Taf. VI, Fig. 54) ist beim Männchen stark gebogen und es erhebt sich auf ihm eine Leiste 2) ^ die nach vorne in einen Längshöcker mit 1) Auch die andern Species von ü««« verhalten sich in diesem Puncte wesentlich gleich und treten dadurch in Gegensatz zu der ausgeschnittenen, derjenigen der Knochenfische sich nähernden Form, welche die übrigen nam- haft gemachten Thierc zeigen. Bei Cuviek (Rech. oss. foss. PI. 252, Fig. 30 und 33) ist dieser Unterschied in der Bildung der Schulterknochen au Rana boans und Pipa dorsüjera dargestellt. 2) Dieser Kamm am Metacarpus ist nicht aus Knorpel hervorgegangen, 128 'J- Art: Rana fiisca, Rösel. rauher Oberfläclie endet ; ein zweiter kleinerer Höcker stellt daneben nach liiuteu, dessen Oberfläche ebenfalls rauh ist; nach vorne und einwärts befindet sich noch ein Grübchen. Am Darmbein ist der Kamm niedriger als bei R. esculenla und selbst R. arvalis ^ dabei mit dem freien Rand etwas einwärts gebogen. Auch der Kamm des Steissbeins ist etwas geringer als bei beiden eben genannten Arten. Geschichtliches und Kritisches. Nach deu Darlegungen, welche in neuerer Zeit Steenstkup und Ln..ii.:- BORG gegeben haben und bei der nächsten Art ausführlicher wiederliolt werden, ist Rana lenqmraria Lixxe nicht synonym mit R. )ilaliji rhvius Steenstkup, wie man dies bisher allgemein angenommen hatte*, vielmelu" liat LiNNE nur die nordisclie i». oxyrrldnus Stee.vstkup aus eigner Erfahrung gekannt und sie als R. tempoi'aria bezeichnet. Die R. platyrrhinns Stee.n- strup ist aber die R. fusca terrestris Rösel's. Icli habe den letzten Namen wieder aufgenommen, nicht bloss weil er der ältere ist und die RösEL'sche Art keiner Anfechtung unterliegen kann, sondern weil nach meinem Gefiild das Wort ..fuscus" der von Linne in der Philosophia botanica aufgestellten Regel: Terminatio et sonus nominum, quantum fieri possit, facilitanda sunt, mehr entspricht als der Ausdruck „platyrrhinns". Auch die französischen Zoologen der Neuzeit, welche den Batrachiern ihres Landes besondere Aufmerksamkeit zugewendet haben, bezeichnen unsern Frosch mit dem alten RösEL'schen Namen. Für Jeden, der sich die Kenntniss der zwei nächstfolgenden Arten erwerben will , werden immer die treffliche Beschreibung und die naturgetreiren Abbildungen des Nürn- berger Naturforschers als Ausgangspunct dienen. Folgerichtig wäre es allerdings, auch anstatt R, esculenla die alte Be- zeichnung R. viridis einzuführen, wie dies in der That von Seiten mehrerer französischer Beobachter geschieht. Allein da der LixxE'sche Name esculenla ganz allgemein eingebürgert ist Vnd zu keiner Irrung Veranlassung giebt» habe ich denselben beibehalten. Ueber Rana alpina wurde oben bei Rana esculenla gehandelt. — Er- wähnt mag auch sein, dass Schuaxk in der Fauna boica 1798 auf mehre anatomische Unterschiede, welche zwischen Ra)ia fnsca und Rana esculenla bezüglich der Lage des Herzens und der I.iappenbildung der lieber bestehen, hingewiesen hat. Noch einige andre die Rana fusca betretfende Bemerkungen folgen bei Besprechung der nächsten Arten. sondern aus verknöchertem Bindegewebe. Die Spina zeichnet sich auch gern vor dem eigentlichen Metacarpus durch besonders weisse Farbe aus. 10. Art: Rana aivalis, Nilsson. 129 ]0. Art: Jlana (trvall.Sf MIsson. Kana teraporaria, Linne (nou autoriim). — Rana oxyrrhinus, Steenstrui). Feldfroscli. ^ Kennzeichen. Lauge bis 2 Zoll. Sclmauze lang-, das Eude flach, Ober- lippe vorgezogen, spitz; Stirn schmal, Augen nahe beisammen; Schwimmhaut ii u v o 1 1 k o m m e u , zarthäutig ; sechste Zehe sehr stark, hart, zusammeugedriickt, Schaufel förmig, gegenüber au der Wurzel der längsten Zehe, fehlt ein Ballen völlig und ohne Markiruug der Haut; die Cleleukhöcker gering entwickelt und niedriü'. Farbe des Riickeus i;elblich braun mit vereinzelten dunklen Flecken, wovon die im Nacken eine mehr oder weniger ausgesprochene V-förmige Figur bilden können. Mitunter und in manchen Gegenden nicht selten, erstreckt sich über die Mittellinie des Rückens, schon nahe der Schnauze beginnend, eine breite helle Binde, au deren Rändern sieh Drüsenhöcker, öfters zu kürzeren oder längeren Leisten zusammenfliesseud , herabziehen können. Die seitlichen Drüsenwülste springen nicht bloss stark hervor, sondern heben sich durch w e i s s g e 1 b e Farbe ab ; Ohrfleck sehr scharf und dunkel (schwarz); zwischen ihm und dem dunklen Randstreifen der Unterkiunlade ein lebhaft weisser Strich. Die Seiten des Leibes fleckig marmorirt, öfters mit helleren Warzen; eine Art von mittlerem, fieckenfreiem Längsfeld erliält sich mehr oder weniger. Der dunkle Streifen am Oljerarm lang und in Verbindung mit dem dunklen Strich der Oberkiimlade. Hinterbeine mit Querbindeu. Bauchseite uu gefleckt, nur die Kehle mit Spuren von Flecken. Männchen. Vorderbeine dicker, fleischiger. Daumeuschwiele massig entwickelt, grau, ohne Abtheilungen, und in gleichmässiger Ausbreitung vom Ballen bis zur letzten Plialanx, ihre Papillen niedrig und fein, daher von glattem Aussehen. Schwimmhaut dick- licher, dunkler; geht an der längsten Zehe bis zum vorletzten Glied. Mit Schallblasen. Weibchen. Vorderarm schwächer; keine Daumeuschwiele. Schwimmhaut dünner, heller; an der längsten Zehe stehen die zwei letzten Glieder frei hervor. Leyilig, Batrachier. 130 10. Alt: Rana arvalis, Nilsson. Vorkonimeu. Gegenwärtige Art gehört melir dem nördliclien Europa au. Nachgewiesen wurde sie in Scandiuavieu (Nilsson), in Dänemark (Steenstrup, Collin), Norddeutseliland im Gebiete von Bremen (Wiepken) 1), ferner bei Berlin, Danzig, bei Heilsberg und Königs- berg in Ostpreussen, bei Breslau in Schlesien (v. Siebold), bei Stettin uud Leipzig (Steenstrup), bei Erlangen in Franken (v. Sie- bold), Untermain- und Lahngebiet, besonders zahlreich in den Hengsterwiesen bei Oifenbach, dann längs der Bergstrasse und am Rhein hinauf (C. Koch), bei Frankfurt a. M. an zwei Plätzen: Enkheim uud zwischen Bockenheim und Höchst (Schiff), bei Frei- burg in Baden (Ecker), Ich selber habe bisher das Thier einzig und allein gesammelt bei Schweblieim in Franken, und zuletzt hier am Niederrhein bei Siegburg. 2) In dem Werke Hofmakn's über den nördlichen Ural 3) wird bemerkt, dass man der Expedition in jenes Land den Nachweis vom Vorkommen der Rana iemporaria Linne in Lajipland verdanke. Es steht zu vermutlien, dass es eher R. arvalis als R. fusca ge- wesen sein möge. Da das mitgebrachte Exemplar wahrscheinlich noch in der Sammlung zu St. Petersburg auf bewahrt wird, so darf man wohl bestimmteren Aufschlüssen entgegensehen; vielleicht auch darüber, ob die für die Umgegend ^) der genannten nordischen Stadt als gemein bezeichnete „Rana iemporaria" zu R. fusca Eösel oder R. arvalis Nilsson gehört. Endlich werden sich, wie ich mir denke , die durch v. Middendorff aus Sibirien ^) mitgebrachten 1) Siehe Brüggemann, Ueber einige Amphibien und Reptilien der Fauna von Bremen. Abhandlungen d. naturhist. Vereins in Bremen, 4. Bd. 1874. 2) Das beschränkte Auftreten des Thieres müchte sich vielleicht auch daraus ergeben, dass Melsheimkr in dem „Verzeiehniss der bei Linz a. Rh. und Umgegend vorkommenden Amphibien und Reptilien (1876)" die Art nicht erwähnt. 3) Band II, Petersburg 1S5G. 4) Nach einer Aufzählung der Reptilien und Amphibien des St. Peters- burger Gouvernements im „Zoologischen Garten i873" kommt dort „Rana oxyri'hina und R. plalyrrlma'' vor. h) Sibirische Reise, II, 2. Eine neuere Arbeit gedenkt der „Rana o.vyrrhina'' im Ural. Bull, de la societ. de Moscuu 1871. — Die Mitglieder der jüngsten wissenschaftlichen Expedition nach .Sibirien scheinen sich für diese Frage nicht interessirt zu haben, indem der bisjetzt hierüber erstattete 10. Art: Eana arvalis, Nilsson. 131 Frösclic, welelie schon dazumal, wenn auch etwas fraulich und unsicher, auf /i\ oxi/rrhmus ^arvalisy bezogen wurtlen, jetzt be- stimmter als letztere Art erkennen lassen. Steenstkup deutet die einen der Fii;uren auf B. platyrrh'mus , in den anderen vermuthet er eine neue Art, welche er einstweilen R. Middendorffii nennt, i) Entschieden vermisst habe ich Rana arvalis im Rhöngebiriie -), ferner bei Würzburg und Rothenburg a. d. Tauber; ebenso ver- geblich darnach gesucht in Württemberg, wie denn auch Fatio das Fehleu dieser kxi in der Schweiz ausdrücklich hervorhebt. Schiff fand nicht den Frosch bei Heidelberg und Carlsruhe, nach C. Koch fehlt er auch im oberen Lahn-, Sieg- und Dillgebiet. Bezüglich der Gegenden am Südabhang der Alpen, z. B. Meran, Bozen, melden meine Aufzeichnungen fortwährend, dass alle zu Gesicht gekommenen Exemplare der „Rana temporaria" zu R. fusca ge- hören. Dass R. arvalis nicht in Frankreich sich findet, geht schon aus der Abhandlung von Thomas über R. agilis hervor; ebenso aus den Mittheilungen de lTsle's über Hybridation bei den Am- phibien. Neben R. fusca besitzt die Bretagne nur Pu agilis. Auch hat schon Schiff hervorgehoben, dass er bei Paris, obschon Hunderte von Fröschen durch seine Hände gingen, die R. arvalis (oxyrrhinus) vermisst habe. Alles dieses erhält seine Bestätigung durch die neuesten Mittheilungen von Lataste. Es wäre gewiss dankenswerth, wenn von jetzt an genauer darauf geachtet und festgestellt würde, in wie weit Ra7ia arvalis vom Norden aus sich südwärts erstreckt. Wie es scheint, hat sich das Thier besonders auf solchen, man möchte sagen insel- artigen Flecken erhalten, welche durch ihren Moor- und Sumpf- charakter an nordische Gegenden erinnern. Schon andere Be- oliachter bezeichnen die Art als charakteristisch für feuchte Haide- gegenden und Moore und die beiden Oertlichkeiten, wo ich bisher den Frosch antraf, bekräftigen diese Auffassung. Die Sumpfwiesen Bericht CRelation de l'expedition Suedoise de 1870 au Yenisei (voie de terre) par Hj. Theel. Upsal 1S77) über Ampliibien und Reptilien kein Wort enthält. 1) Videnskabelige Meddelser fra den naturhist. Forening i Kjöben- havn 1809, 1870. 2) Selbst auf dem „rothen Moor", das ich am 18. .September 187:5 bei heftigem rauhen Wind eine Stunde lang beging, gehörten die sechs Frösche, welche hiebei in die Hände fielen, nur der Rana fusca an. q * 132 10. Art: Rana arvalis, Nili^son. der weiten Tlialebene des Mains bei Scliweblieim imd noch mehr die ausgedelmten Bruchgeiienden am Niederrhein, sind in gewissem Sinne gar wohl den norddeutsclien mid scandinaviselien Niederungen zu vergleichen. Ich habe, nachdem icli Rana arvalis bei Schweb- heim kennen gelernt, auch die reclite Seite des Mains durchstreift,- die Umgegend von Werneck, Zeitzlebeu, Schrautenbach, allein es fand sich nur Rana fusca; und ebenso an den anderen von mir begangenen Ebenen, Hügeln und Bergen des Mainlandes. Hier bei Bonn konnte ich auf der linken Rheinseite die Rana arvalis nicht auffinden, obschon ich mit Ausdauer jede mir aufstossende Ra?iu „temporaria" auf die obschwebende Frage angesehen habe. Bisher kenne ich das Thier nur von der rechten Rheinseite. ') Auch im Aggerthale, wo ich ebenfalls Amphibien sammelte, fiel mir immer nur R. fusca in die Hände. Bemerkungen. a. Zur Form und Farbe. Einer der neuereu Beobachter will die Art in zwei Varietäten zerlegen, in eine „var. typus und var. slriaius'-'. Erstere habe einen weniger spitzen Gesichtswinkel, der Rücken sei gefleckt und olme Rückenstreifen; sie sei die gewöhnlichere Form. Bei der anderen sei der Gesichtswinkel spitzer und über den Rücken ziehe ein hellbrauner, breiter Mittelstreifen, w^elcher zwischen den schmalen Seitenstreifen dem Thier ein eigenthümlicbes Ansehen gebe; diese Form sei seltener. Bezeichnete Verschiedenheiten bestehen allerdings auch nach meiner Erfahrung, aber sie können nicht die Aufstellung von Varietäten begründen. Schon Collix bemerkt, dass die Zuspitzung der Schnauze, obschon an und für sich ein gutes Unterscheidungs- merkmal zwischen R. arvalis und R. fusca, doch innerhalb der Art Schwankungen unterworfen sei. Und was den Rückenstreifeu be- 1) Lebende Exemplare der R. arvalis hiesiger Gegend habe icli an den Herrn Baron Kö.\k;-Wakthalsk.v in Oberschwaben geschickt zum bessern Vergleich mit der „Rana temporaria'' der dortigen Moorstrecken. Es scheint aber, dass in Oberschwaben eben so gut wie in andern von mir durchsuchten Gegenden Würteiu])erg8 R. arvalis fehlt Der genannte Forscher hat neben- bei die Absicht ausgesprochen , die rheinische R. arvalis an i)assendem Ort auszusetzen, was nicht unerwähnt bleiben darf bezüglich des wirklichen Bestandes der Fauna Oberschwabens. 10. Art: Rana arvalis, Nilsson. 133 trifft, so ist sein Vorkommen ebenfalls ein individuell wechselndes. Man erfährt aus den jMittlieilungen des eben genannten dänischen Zoologen, dass die schwedischen A'on Nilsson g-esammelten Exem- plare den breiten hellen Eückenstreifen besitzen und er auch an Individuen auf dänischem Boden „nicht selten" sei. Unter einer grösseren Anzahl von Stücken, welche mir aus Kopenhagen gütigst zugesandt wurden, befindet sich jedoch keines, das den Rücken- strich hätte : alle sind gefleckt oder getigert, mit iVbwechslung der dunklen Flecken in Zahl, Form und Gruppirung. Bei den Thieren des Niederrheins ist der Rückenstreifen sehr häufiii' und entweder von lichtbräunlichem Ton oder von weiss- lieber Farbe. Hierzu gesellt sich alsdann als Grundfarbe des Rückens ein dunkles, fast schwärzliches Grau und da jetzt auch der drüsige Seitenwulst diesel])e weissliche Färbung aufzeigt, und an den Flanken abermals eine Zone von Weiss herzieht, so wird durch diese Abwechslung von Schwärzlichgrau und Weiss eine so auffällige, man könnte sagen zierliche Längsstreifung des Körpers zuwege gebracht, dass Farbe und Zeichnung für Den, welcher bisher nur das Farbenkleid von Rana fusca gekannt hat, sich der Frosch auf den ersten Blick als etwas Neues ankündigt. (Der Olirfleck hebt sich sehr scharf ab ; die Hinterbeine wie immer fleckig ([uergebändert.) Erwähnt mag auch werden, dass die helle Mittell)inde des Rückens, so gut wie die weisslichen Flecken des Körpers, zum metallisch glänzenden Pigment oder den Schillerfarben gehört, wovon man sicli an Hautstückchen von jungen Thieren genommen und bei auffallendem Liclit angesehen, überzeugen kann. Nach dem Autor über die Frösche und Kröten des Unter- main- und La]mge1)ietes käme es auch vor, dass die Männchen im Frülijahr bisweilen „deutlich und lebhaft grün" gefärbt seien. Die Riclitigkeit dieser Angabe l)ezweifle ich ; denn so weit meine Erfahrung gelit, muss ich mit v. Siebold sagen: Rana arvalis ist „nie grasgrün gefärbt." h. 'Zur Eniwicklmuj. — Biologisches. 1) Die Paarungszeit, über welche icli bislier mir noch keine Erfahrungen erwerben konnte, fällt nach Schiff vierzehn Tage l)is drei Wochen später, als die von Rana fusca. 134 'ü- -^i"'^- Rana arvalis, Nilsson. Audi mit den Quappen bin ich noch nicht bekannt geworden. Hingegen liabe ich bei einem am S. August 1876 unternommenen Ausflug in die oft erwähnten rechtsrheinisclien Sumpfstrecken die g-anz jungen Thierchen auf dem feucliterdigen Rande eines vor Kurzem aus£,etrockneten Wassers zahlreicli anüctrofifen und mit Vergnügen wahrgenommen, dass sie trotz ihrer Kleinlieit — sie massen von der Schnauze bis zum After 15 Mm. — docli schon aufs Deutlichste als zu Rana arvalis gehörig sich auswiesen. Spitze Schnauze, starker Fusshöcker, ausgeprägter Mittelstreif des Rückens, oft ziemlich dunkel eingefasst, Kürze der SchAvimmhaut, Hessen die Art auf den ersten Blick von den auf gleicher Fläche vor- handenen und etwas weiter gediehenen Jungen der Bana fusca unterscheiden. Das Frühjahr 1876 war bekanntlich bis in den Juni hinein so kalt, dass die erwähnten Frösclichen wohl aus einer verspäteten Brut hervorgegangen sein mocliten. 2) Nach V. SiEBOLi) und ScmFF ist die Stimme, welche das Männclien von R. arvalis zur Zeit der Paarung hören lässt, ganz verschieden von jenem Ton, welchen die Männchen von R. fusca unter ^gleichen Umständen von sich geben. Ich finde, dass auch ausserhalb der Laiclizeit die Stimme abweicht von derjenigen der R. fusca. Das Weibchen wenn auch mit aller Schonung aus dem Behälter »eholt, stösst regelmässii;- einen hellen eigenartigen Klaue- ton aus; das Männchen in gleicher Weise ergriffen lässt eine dumpfere, mehr murrende Stimme hören, wobei die Kehlsäcke, welche merklich kleiner sind, als bei R. fusca, etwas sich hervor- wölben. 3) Auch sonst im Benehmen bestätigt sich die specifische Sonderung. Das Thier ist in Gefangenschaft von ruhigem Wesen und folgt bei Ungewöhnlichem, was in der Kälie vorgeht, auf- merksam, olme sogleicli die hockende Stellung aufzugeben, mehr nach Art der Kröte, durcli starkes Seitwärtsbiegeu des Ko])fes der zu bedrolien sclieinenden Sache. Bei hockender, halbaufge- richteter Haltung treten die oberen Enden des Beckens als starke Höcker hervor, welche auffällige Knickung Rösel •) von R. fusca schon sehr richtig abgebildet hat. Für die erste Zeit der Ge- 1) Hist. rau. imstr. Tai». 111. — Audi (iKssNKi: liat dies bereits iu eiueiii sonst übel gerathenen Hulzsclmitt dargestellt uud setzt desshalb seiner Rana fusca den Namen „gibbosa" bei, indem er noch ausdrücklich hervor- 10. Art: Rana arvalis, Nilsson. 135 fang'enseliaft nnliin icli jedoch walir, dass unsere Art den Rücken in der leicht «i'cwölbten Weise hält, welche Rana esculcnta und die Ga.ttuni;" Bufo zeii;en. Erst nach und nach tritt in sitzender Stellung- die starke Höckerbildung" hervor, Avie bei Rana fusca. Erschreckt bläst unser Frosch, ähnlich und el)en so häufig- wie die Kröte, die Seiten auf. Zur Nachtszeit und namentlich bei manchen Witterungsverhältnissen , z. B. vor Sturm und Regen, ist Rana arvalis sehr unruhig und ergeht sich in fortwährenden Sprüngen. 4) Im Bedürfniss den Winterschlaf anzutreten scheint sicii R. arvalis mehr der R. esculcnta zu nähern. Ich hielt die drei bisher erwähnten Arten, von ein und derselben Oertlichkeit genommen, unter £;anz i;-leichen Umständen zu Hause. Als nun Ende IsTovember die Temperatur im niclit geheizten Zimmer auf -f- 6 " R. herabgegangen war , hatten sämmtliche Exemplare von R. fusca ^ innerhalb eines grossen Glases, dessen Fuss ringsum in einer Art Nische ausging, sich in diese Vertiefung gepresst und lagen mit geschlossenem Auge, ohne Athembewegungen, wie todt da. Hingegen kein Individuum von Rana arvalis und *Rana esculcnta zeigte Neigung dies nachzumachen ; sie kauerten sich nicht zusammen, blieben vielmehr aufrecht sitzen, hielten die Auu'en offen und athmeten fort. 5) Farben Veränderung durch die Thätigkeit der Chromatophoren lässt sich auch an R. arvalis wahrnehmen. Die obigen Angaben über die Färbun»- beziehen sich auf den Zustand des Thieres bei warmem Wetter. Sinkt die Temperatur, so dunkelt auch unser Frosch sehr stark in der Grundfarl)e ; doch bleibt die Zeichnung auch jetzt noch eine viel lebhaftere als sie bei R. fusca ist, insbesondere durch die weissen Seitenwülste und den Aveissen, an der Oberkinnlade herziehenden Streifen, endlich durch die WTissgelben Warzen an den Flanken. Auch die Rückenbinde erhält sich bei den Thieren, welche damit ausge- stattet sind, weil ihre Farbe von gleicher Natur ist. 6) V. Siebold hebt hervor, dass die Haut der Männchen, während sie sich zur Brunstzeit im Wasser herumtreiben, „mit hebt: „mit einem so gerächten rnggen". Cünrat Gessnkr, Thierbuch, getnickt zu Zürych bei Christoffel Froschoiiwer, im Jar als man zalt M.D.LXXXllI. Ausführlicher handelt Schneider (Eist, araph.) über diesen „dorsum transverse gibbum". 136 l*^- ■^^'^'- Riina ai'valis, Nilsson. einem bläulichen Reife, der oft g-.inz ins Himmelblaue spielt, überzogen sei". Ecker') bestätigt das Dasein des bläu- lichen Eeifes oder Nebels und fügt bei, es wäre selbst au Thieren ausserhalb des Wassers dieser Schimmer noch deutlicli. Icli hatte oben mitzutheilen , dass man auch an ^(ma fusca selbst abgeselien von der bläuliclien Kehle, noch den Reif über die Haut liin wahrnehmen könne und sonach ist diese Färl)ung wohl nicht ausscldiesslich der- Rana arvatis eigen. Aber nach der Darstellung v. Siebold's ist anzunehmen, dass bei Rana arvaüs der bläuliche Reif noch mehr hervortritt als bei Rana fusca. Leider ist es mir immer noch nicht geglückt, das Thier gerade in der Paarungszeit vor die Augen zu bekommen. c. Zur Anatomie. 1) Die äussere Haut, nacli den verschiedenen Körper- stellen ungleich dick, erscheint überaus fein und zart an der Innenfläche des Unterschenkels ; es lassen sicli desslialb an dieser Stell» die Nervenausbreitungen und Tlieilungen der Primitivfasern ganz bescniders leicht und schein aufzeigen. An der von unten ajigesehenen Haut heben sich ferner die säulenartig aufsteigenden Züge des Bindegewebes im frischen Zustande und im o])tischen Querschnitt derart von der Umgebung ab, als ob sie in eigenen Räumen (Lymphräumen") lägen. 2) Als ich vor Jahren auf die liistologischen Umänderungen aufmerksam machte, welche die Haut des Männchen von Runa fusca während der Zeit der Paarung erfährt und wodurch sie ein eigenthümlich scliwapi)iges Aussehen annimmt, gedachte icli ge- wisser Zellen, welche sicli in den Lympliräumen unter der Haut vorfänden.-) Dieselben seien granulär, bald rundlicli, bald länglich, häufig mehrstrahlig ; mit den Ausläufern können sie ein faseriges Fachwerk erzeugen. Von der gleichen Art mögen wohl die Elemente sein, deren ich später aus den Lymphräumen der Augenlider v(m Eidechsen als ,, rundliche Kerne" gedenke und abbilde.-') Die dort allerdings mit Vorbehalt geäusserte Ansicht, 1) Anatomie des Frosches. Erste Ahtlieiluiig 1864. 2) Organe eines sechsten -Sinnes. S. 12. 3) Die in Deutschland lebenden Arten der Saurier, ö. bü, Tat". XII, Fig. 145. 10, Art: Rana arvalis, Nilsson. 137 dass sie vielleiclit eine Art Epithel vorstellen mögen, gab ich in Folge weiterer Studien auf, da sie doch, abgesehen von anderen Gründen, zu vereinzelt an der V\^and vorkommen.') leh fivj;G jetzt aus einem Hautstiickchen der lebenden Rana arvalis eine genau genommene Abbildung (Taf. IX, Fig. 93) der mir noch immer unklaren Elemente bei , so wie sie sieh im frischen Zu- stande darstellen. Hierbei zeigt sich auch, dass sie nicht alle frei an der Oberfläche des Lymphraumes liegen, sondern tlieil- weise entschieden in der bindegew^ebigen Substanz des Lymph- raumes. 3)- Am Eierstock einjähriger Tliiere unterscheidet man aussen ein flachzelliges Epithel, dann eine homogene Grenzhaut, die zugleich die Follikelhaut vorzustellen scheint ; beim Aus- einanderweicheu kommt aber noch eine zAveite Haut zur Ansicht, welcher erst die Zellen der Membrana granulosa anliegen. Uebrigens sind auch hier die Eier eingebettet, wie bei den Rei)tilien, in Lymphräume, zwischen denen ein feines binde- gewebiges Fach werk verläuft, das die Blutgefässe trägt. Zarte, epitheliale Zellen überkleiden die Innenfläche der Lymi)hräume. Im Bau der Fortpflanzungsorgane des Männchen erscheint der specifische Charakter der R. arvalis abermals deutlich aus- geprägt. Der Ho de ist gleich dem von R. esculenta unpigmentirt und daher rein gelb (jener von R. fusca ist pigmentirt, daher schwärzlich-gelb). Die Samenblase sitzt in der Mitte des Harnleiters, ist klein, nur 3 Mm. lang. Vergl. Taf. III, Fig. 25. (Jene von R. fusca beginnt gleich unter der Niere, und ist mehr als dreimal grösser, 1 Cm. lang; die von beiden verschiedene .-Form der Samenblase bei R. escuknta wurde schon erwähnt.) 4) Bedeutsam für die Frage nach" der Artberechtigung ist die Gestalt der Zoospermien, insofern die Samenelementc (Taf. V, Fig. 44) auf den ersten Blick sich verschieden zeigen von denjenigen der R. fusca, sich aber denen der R esculenla nahem. Der Kopf ist lang, walzenförmig, in der Mitte leicht verdickt, das vordere Ende rundlich abgestutzt, nacli hinten zum Anfang des Schwanzes sich zuspitzend. Letzterer selbst ist lang und dünn. Nach Einwirkung von chromsauren Eeagentien treten in der vorher homogenen Substanz des Kopfes hintereinander 1) Ueber die allgemeinen Bedeckungen der Amphibien, Ö. 109. 138 l*^- Art: Rana arvalis, Nilsson. folgende rimdliclie Holilräunie auf, welche auf eine Sonderung- in festere Eiude und weichere Achse hindeuten. 5) Der Form der Daumen sc hwiele wurde oben gedacht und bei einer friilieren Gelegenheit habe ich die Unterscliiede, welclie hierin zwischen R. fusca, R. arvalis und R. esculenia ob- walten, vergleichend zusammengestellt, was jetzt noch durch die beigegebenen Abbildungen veranschaulicht wird. Leider habe ich bisher die Tliiere in Paarung nicht antretfen können, so dass ich eine Mittheilung ül)er die Beschatfenheit des Organs um diese Zeit immer noch scliuldig bleiben muss. Bei den im Sonlmer ge- fangenen Männchen ist die Daumenschwiele nicht l)loss für das freie Auge, sondern auch für die Lupe und das Mikroskop völlig glatt und jegliche Höckerbilduug geschwunden. Erst unterhalb der oberen Zellenlagen weist die strahliche Grupi»irung der Zellen — bei Betrachtung von der Fläche — auf Höckerbildung liin, wie denn senkrechte Sclmitte das Vorliandensein der von der Lederhaut aufsteigenden Papillen erkennen lassen. Von einer Sculptur der obersten Epidermislagen ist nichts Anderes zugegen, als die weitverbreitete feinste Körnelung, die besonders an den leistenartigen Umfassungen der Zellen hervortritt und den Leisten eine feinste Strich- oder Zackenbildung aufprägt.') 6) Die zwei Grupjjcn der Gaumenzähue, obschon sie den der vorhergellenden Arten ähnlich sind, lassen doch bei schärferem Zusehen feine Unterschiede in der Eichtunü" der ganzen Zahn- gruppen, sowie in Stärke und Biegung der Zähne wahrnehmen. Bei R. arvalis (Taf. III, Fig. 21, und Taf. lY, Fig. 39) bildet je ein Haufen eine mehr eirunde Insel, und beide stehen, ver- glichen mit R. fusca, etwas weiter auseinander, etwas unterhalb der die Choanen verbindenden Linie, dabei schräg, so dass sie einen Winkel bilden. Je ein Haufen ist aus drei grösseren und 1) Vor Kurzem, im A})ril 1877, bin ich noch in den Besitz einiger Männchen gckummeii, wölehe an sich von kräftigerem liau gegenüber von den früheren, auch eine verdicktere Daumenschwieh) liesassen, als die bei- gegebenc Abbildung sie zeigt. Doch auch jetzt ist die Oberfläche, wie fürs freie Auge, so für die Lupe und das j\[ikroskop glatt. Nur im senk- rechten Schnitt geht die Linie der Epidermis leicht wellig, in Wechsel- wirkung mit den Papillen in der Tiefe, von denen diesmal viele pigmentirt waren. Man vergleiche die auf Taf. II, Fig. 14a. und 14b. eingeschalteten Abbildungen. 10. Art: Rana arvalis, Nilsson. 139 eiuiiion kleinereu Zäliueu zusammengesetzt; sie sind wie bei den anderen Arten zweispitzig, fast ganz im Epitliel vergraben, weielien aber durch Kürze und dickliches Wesen al) ; daher ist der Kaum für die Pulpa im oi)tisclien Schnitt nicht länglich aus- gezogen, sondern kurz dreieckig. Der Pul})arauni setzt sich wie anderwärts in einen Markraum des Knochens fort. 7) Ueber das Skelet, mit Rücksicht auf die Speciesfrage, sei Folgendes hervorgehoben. Die Ossa fronto-parictalia sind schmal und leicht gewölbt (bei B. esculenta vertieft, bei R. fusca flach) ; die Pfeilnaht weicht fast fontanellartig auseinander. Ossa fronto-nasalia schmal, mit den Innenrändern nicht aufeinander treifend und daher die Nasenkapsel noch weniger als bei R. fusca überdeckend. Am Quadratbein (Os tympanicum) ist der vordere Arm länger als bei R. fusca und der Knochen nähert sich der Form bei R. esculenta. Die Querfortsätze an der hinteren Hälfte der Wirbelsäule sind der feineren Anlage des ganzen Skelets entsprechend schmäler und zarter als bei R. fusca. Am Oberarm (Humerus) sind die drei Muskelleisten beim Männchen noch mehr entwickelt als bei R. fusca. Die starke Leiste am äusseren Knorren schlägt sicli nach einwärts und indem auch die Leiste des inneren Knorrens entgegenkommt, wird die Furche nach oben fast zum Halbcanal. Die Gestalt des Os metacarpi (Taf. VI, Fig. 55) vom Daumen des Männchen (wenn man, wie immer, den eigentliclien, unter der Haut liegenden und verkümmerten Daumen nicht rechnet) ist im Ganzen sehr ähnlich dem der R. fusca. Entsprechend der geringeren Grösse des ganzen Thieres erscheint er kleiner und weniger stark gebogen ; auf ihm erhebt sich eine in einen Höcker mit rauher Endfläche ausgehende Längsleiste ; daneben zeigt sich noch ein kleinerer, rundlicher Höcker. Würdigt man die Gestalt der Höcker, ihre Oberflächenljildung, das Entferntsein von einander, der genaueren Besichtigung unter der Lupe oder dem Mikroskop, so machen sich abermals, wenn auch geringe Verschiedenlieiten bemerklich zwischen der gegenwärtigen und der vorhergehenden Art. Die Darmbeine besitzen einen auffällig höheren und schärferen Kamm als R. fusca: es nähert sich hierin abermals R. arvalis entschieden der R. esculenta. 140 10. Art: Rana arvalis, Nilsson. Geschichtliches und Kritisches. In Rede stehender Frosch ist obiger Mitthcilims; zufolge vorzugsweise den nördlichen Gegenden Europa's eigen und wurde denn auch zuerst von scandinavischen Zoologen erkannt. E» ist vor Allen Nilsson'), welcher iui Jahre 1S42 das Thier als Raun arvalis — es war das Weibchen — unterschied(>n hat. Darauf erwarb sich Stkexstuui- ^) das Verdienst, nicht nur klar nach- gewiesen zu haben, dass die bisherige Iia7ia temporaria aut. zwei verscliie- dene Arten umfasse, welche er als Rana o.vi/rr/iiuus und Rana platyn-himis bezeichnete, sondern es wurde auch durch seine Auseinandersetzungen jetzt zum ersten Mal die allgemeine Aufmerksamkeit der Naturforscher auf den Gegenstand gelenkt. Jahre nachher erörtert Stejonspuui- ») die Frage, welchen Frosch eigentlich Linne unter seiner Ra7ia temporaria verstanden habe. Zur Entscheidung dieser Frage geht der Kopenhagencr Zoolog auf Linnk's Iter Oelandicum 1741 zurück und legt dar, dass Linne nur mit Rana oa-yrrhinns bekannt geworden war. Zu schliessl icher Bekräftigung wurde alsdann von L1L.JEB0RG in Upsala, welcher die Professur Lixne's gegenwärtig inm» hat, noch der interessante Fund gemacht, dass bei angestellten Nachforscliungen unter den dem alten Museum Linne's angehörigen Gläsern und noch als solche etiquettirt, utu- ein Glas mit Rana aufgestellt war, welches Rana oxyrrhimis Steen.stkup und zwar ein Weibchen enthielt. Daher sei es zweifellos, dass Rana temporaria Lixxe gleich sei der Rana oxyrrhimis Steexstkup, also der Rana arvalis Nilssox''). Man hätte sonach eigentlich die LixxE'sche Bezeichnung als die ältere wieder einzuführen. Wenn ich dies nicht thue, sondern den späteren Namen R. arvalis Nilssox wähle, so geschieht es aus dem Grunde, weil die Be- zeichnung „temporaria"' in zu verschiedenem Sinne angewendet worden ist und es im Augenblick darauf ankommen muss, die drei Species: Rana arvalis Nilsson, Rana fusca Rösel und Rana agilis Thomas, welche alle die Bezeichnung „temporaria"' bei diesem und jenem Autor tragen, von einander 1) Skaiul. Fauna III. Amfibierna. 2) Ueber die Lebensweise und über die sysiemaiisclie Stellung einiger Amphibien Dänemarks, Versammlung Deutscher Aerzle und Naturforscher in Kiel, 1846. 3) Viriensliabelige Meddelelser fra den naturhistoriske Fosening i Kjöbenhavn 18(51} u. 1870. Steenstrit, lüdrag til Besteninielson af de nordiske Arter af Rana og Bul'o. — Ob wohl in der älteren Literatur eine Abbildung der Rana arvalis niedergelegt sein mag? Ich werfe diese Frage auf, weil mir das Froschpärchen bei Swamm erdamm (Bibel der Natur. Leipzig 1752, Tab. XLVIll, Fig. 1) viel eher auf Rana arvalis als auf Rana fusca jü passen scheint. Die geringere Grösse des ganzen Thieres, die Kopfbildung miicliteii für die erstere Art sprechen. Es ist zwar bis jetzt meines Wissens die Species noch nicht als Glied der holländischen Fauna angezeigt worden, aber nach der Lage des Landes und dem sonstigen Verbreilungsbezirk des Thieres darf man ver- muthen, dass es in Holland sich lindet. 4) Mit der Steknstrup' sehen Abhandlung sehr spät erst bekannt geworden, war sie mir doppelt interessant, weil ich seit Langem durch die Angaben in der Fauna suecica, ed. altera 1701. ebenfalls die Meinung hegte, dass Linne's Sana temporaria die Rana arvalis sein müsse. Und zwar gründete sicli meine Deutung vornehmlich auf zwei Puncte. In der .JJescriplio" heissi CS: Plantae liexadactylae, sem ipalmatae, und ferner wird hervorgehoben: maxilla superior alba ad marginem, auch die „linea pallida elevata" der Seite des Körpers könnte in Betracht kommen. 10. Art: Kana arvalis, Nilssou. 141 unterscheiden zn lernen. (Es braucht wohl kaum erwülmt zu werden, dass der von mir im Deutschen gebraiiclite Name „Feldfrosch" dem Volksuuuide nicht entnommen ist, sondern so gut wie die von Andern angewendete Bezeichnung „spitzschnauziger Frosch" eben nur Wiedergabe des Species- naniens ist.) Ehe ich mir gestatte mitzutheilen, wie sich bei mir die Kenntniss der Rmia arvalis (oxyrrhinus) nach und nach entwickelt hat, sei noch bemerkt, dass ausser von Siebold auch Schiff ') in Frage stehende Art genau und sicher zu unterscheiden wusste, indem er unter Anderem bereits darauf hin- wies, dass die Daumenschwiele des Männchens weniger warzig sei als bei Rana fusca. Gleich nach dem bekanntwerden des von Seiten Steenstrup's auf der Naturforscherversammlung in Kiel gehaltenen Vortrages sah ich mich in der Umgebung meines damaligen Aufenthaltsortes WUrzburg nach dem „spitzschnauzigen" Frosch um ; es gelang mir jedoch nicht die daselbst vor- kommende R. leinporuriu^) in tlie zwei Species zu zerlegen, was, wie ich jetzt freilich weiss, seinen Grund einfach darin hatte, weil R. oxyrrhinus (arvalis) in dortiger Gegend überhaupt nicht vorkommt. In den Sumpf- gebieten der Untermaingegend lebt nach C. Koch unser Frosch, und dess- halb ist es bezüglich BitucH's,3) der gerade die Amphibien dieses Striches untersucht hat, zweifelhaft, ob er sich in der gleiclien Lage befand wie ich, wenn er ohne seine „Beobachtungen für abgeschlossen erklären" zu wollen, doch ausspricht, dass er nicht im Stande war, Exemplare auf- zutreiben, welche er für speeifisch verschieden von R. temporär ia habe halten können. Nach meiner Uebersiedelung an die Universität Tübingen, setzte ich die Nachforschungen fort, aber mit gleich geringem Erfolg. In der fau- nistischen Skizze über das Oberamt Tübingen, welche ich im Auftrage des statistisch-topographischen Bureau's veröffentlichte, im Jahre lSü7 , musste ich hinsichtlich der Amphibien aussagen, dass ich die Puma oxyrrlünus Steenstkup noch nicht kenne ; es seien bei näherer Untersuchung alle Exemplare von Fröschen der bezeichneten Gegend, welche man allenfalls für R. oxyrrhinus anzusprechen sich geneigt fühlen könne, immer jüngere Thiere von R. ylalyrrhinus. Auch diese Angabe, wie ich jetzt melden kann, ist wohl begründet, denn R. oxyrrhinus (arvalis) mangelt bei Tü- bingen; die Bemerkung gab aber vielleicht mit die Veranlassung, dass 1) Ana. d. sciciic. nat. Ser. 4, Tom. IV, 1855. 2) Es (larl vielleicht daran erinnert werden, dass die Bezeichnung jumporaria" keineswegs, wie dies z, B. noch in der schonen Schrift Ecker's (Anatomie des Frosches, Braunscliweig 18G4) geschlelil, von lempora, Schlalengegend, „von dem grossen schwarzen Fleck in der Schlälengegend • herzuleiten ist. Man höre Gessner aus dem Jahre 1554: „De ranis lemporariis. Latent hybernis mensibus in terra ranae omnes, exceptis leniporariis istis uiinimis, (Germani vocant Reinlrösch- lin) quae palleni in coenu et reptant in viis et liltoribus. Hae enim quia non ex semiiie quod ehundunt mas et femina cum complexu Venereo junguntur, sed ex pulvere aesiivis imhrihus madefacio oriri videntur, diu in vita esse non possunl." Also „lemporarius, qui diu vivere nequii". 5) Beiträge zur iNalurgeschichie und Glassilicalion der nackten Amphibieu, Würzburger nalurwiss. Zeiisihriü l'.il. IM. 142 l'J- Art: Eana arvalis, Nilsson. Herr Dr. Coklix in Kopenhagen die Güte hatte, mir eine Anzahl in Däne- mark gesammelter und in Weingeist aufoewahrter Exemplare zu schicken. An den letzteren wurde mir nun zuerst klar, dass es sich um ein Thier handle, welches ich bis dahin in den von mir durchstreiften Gegenden nicht vor die Augen bekommen hatte. Indessen bezüglich der Frage, ob der spitzschnauzige Frosch aus Dänemark bloss eine „Form", eine „Varietät" sei, oder ob er jenen Grad der Sonderung erreicht habe, den wir kurz als „öpecies" bezeichnen, waren mir doch Zweifel geblieben. Auf diesem von mir vorübergehend eingenommenen Standpunct sind offenbar viele Zoologen stehen geblieben, welche, wenn sie von fraglicher Art zu reden haben, sie entweder einfach als „Öpecies" verwerfen und höchstens als „Varietät" gelten lassen, oder wenigstens durch ein beige- setztes „wenn R. oxi/rrfünus eine Art ist", ihrer Unsicherheit Ausdruck geben. Selbst der Verfasser ') eines neuesten Werkes über die europäischen Amphibien meint aussprechen zu können, dass R. oxijrrhinns nur eine „Rasse" sei. Für mich änderte sieh aber die Sachlage entschieden im Herbste 1874, indem ich von Schweinfurt aus eine Excursion auf die Moore und Sumpf- wiesen, wie sie um die Dörfer Schwebheim, Spiessheim, Grettstadt weit- hin sich ausbreiten, — Oertlichkeiten , welche bei Botanikern seit Langem Ruf haben und schon vor der LixxE'schen Zeit eifrig durchforscht und ge- priesen wurden.-) Gerade meine ganze Aufmerksamkeit der zu hohen Büschen emporgewachsenen Euphorbia palustris zuwendend , greife ich nur nebenbei einen Frosch, der aber kaum näher angesehen, sofort als die lang- gesuchte Rana arvalis begrüsst werden konnte. Da die vorgerückte Tages- zeit kein weiteres Suchen erlaubte, so eilte ich Tags darauf wieder auf das Moor und an die gleiche Stelle und es gelang mir im Laufe eines Nach- mittags noch zwei Thiere zu erbeuten. Wenn ich bemerke, dass ausser Rana esculenia auch R. fusca zahlreich war, so dass von letzterer Art gern sich einige Dutzend sammeln Hessen, so ergiebt sich, dass R. arvalis viel seltener ist. Von da ab und als ich auch die Art am Niederrhein auffand, begann ich die Studien von Neuem und vielleicht tragen die Ergebnisse, wie sie in dieser Schrift niedergelegt sind, dazu bei, fortan die Zweifel über die Artberechtigung von R. arvalis zu zerstreuen. Ich möchte diese Bemerkungen nicht abschliessen , ohne noch hervor- zuheben, dass gegenüber den vielen die Art abläugnendeu Zoologen von Siebold zu den Wenigen gehört hat, welche mit ScharlljUck schon vor mehr als 22 Jahren das fragliche Thier richtig beurtlieilt haben. Den Auf- 1) ScHKEiRUK, lici])ci()l()sia curopacii. l!r;iuiiscliweig 1875. 2) Es genügt, an einige Sclirilleii des Mitbegründers und l'riisidenleii der Academia naturae ruriosorum Joh. Mich. Kkiir, zu erinnern. In dem Tempo (irellstadtiense 1G8Ü, und in der Aiiciiora sacra vel Scorzonera ICtiO, wird diese „planilies aequabilis, a pagü Gretlstadl ad Scliwcb- lieim arceni porrecla" dem „pharmacarium" bei Monlpollier und anderen durcli Reiciilbum aus- gezeiclincier IMIanzenarren beruhmlen Gegenden an die Seite gestellt. Man seiie autli : Flura von Scliweinturl von Emmert und v. Seonitz 1S5'.'. 11, Art: liana agilis, Thomas. 143 satz : Zoologische Notizen über Rnna oxyi-rhinus und plalyrrhinus ') beginnt der genannte Forscher mit den Worten: „Icli habe es stets vermieden, die Uebersicht der Thierspecies durch Aufstellung neuer, wenig charakteristi- scher Arten zu erschweren , daher wird man sich vielleicht wundern , dass ich auf zwei Froscharten aufmerksam mache, deren Artberechtigung sich bis jetzt noch nicht hat geltend machen können; ich bin aber fest über- zeugt, dass die zwei genannten Froscharten, welche Steenstkup zuerst unter- schieden hat, wirklich zwei ganz verschiedene Arten sind." //. ///•/.• Hana agilis^ Thomas. Rana gracilis Fatio. — Rana tempoi'aria Millet. Spriiigfroseli. Kennzeichen. Länge des Körpers von 2 bis nahezu 3 Zoll. Seimauze lang", das Ende rundlich -spitz, Oberlippe vorgezogen, gewölbt; Stirn schmal, Augen nahe beisammen; Schwimmliaut unvollkommen, zarthäutig ; der Fersenhöcker oder sechste Zehe stark, hart, von Form eines länglichen Wulstes; dem Fersenhöcker gegen- über, an der Wurzel der längsten Zehe, ein kleiner Ballen; die Gelenkhöcker sehr stark knopfartig vorspringend; der Driiseu- wulst zur Sg^te des Leibes kräftig sich abhebend; Hinterbeine sehr lang und dünn. Grundfarbe des Rückens ein lichtes Gelbgrau oder Röthlichgrau mit wenigen eingestreuten niattdunklen Fleckchen; auch die zierliche Querbebänderung der Hinterbeine von matter Zeichnung. Von stark dunkler Art sind, ausser den wenigen den Seiten namentlich aufgesetzten Fleckchen, der schwarz- braune Ohrfleck und der Streifen am Vorderarm. Auf der Nacken- gegend hebt sich mehr oder weniger deutlich die V-förmige Zeich- nung ab. Die Gelenkballen gern röthlich. Bauchseite weisslich, ungefleckt. Männchen. Lebhafter gefärbt. Kehle in der Mitte rein weiss, am Kieferrand einige Sprenkeln. Ohne Schallblasen. Vordergliedmassen mit Daumenschwiele, letztere wenig entwickelt, schwärzlich und von glatter Oberfläche. •Schwimmhaut der Hinter- beine an der längsten Zehe bis zur Wurzel des zweitletzten Gliedes gehend. 1) Archiv für Naturgeschichte 1832. 144 11. Art: liana agilis, Thomas. Weibchen. Etwas matter gefärbt, au der Seite her mit einem Anflug- von Kosa. Ohne Daumenscliwiele; Scliwimmliaut sehr zart und au der h'iugsteu Zehe bis au die Wurzel des dritt- letzten Gliedes reichend. V !• k o m lu e n. Der Springfrosch scheint nach den bisherigen Erfahrungen ausschliesslich den südlicheren Gegenden von Europa anzugehören. Die Art wurde beobachtet in Frankreich: Departement Maine et Loire (Millet), Nautes (Thomas), Bretagne (de l'Isle), Cadillac (Lataste); in Italien: Lombardei (de Betta\ Pisa (Beaumont); in der Westschweiz: Umgegend von Genf, Wadland, Bern, Tessin (Fatio); vielleicht auch in Dalmatien (de Betta). Wenn ich hier die Species unter die Thiere der deutschen Fauna aufnehme, so geschieht es , weil einige Andeutungen ') vorliegen , als ob im lllieingebiete gegenwärtiger Batrachier zu Hause wäre und weil ich glaube, dass für weitere Studien Anhalts})uncte gegeben werden durch Besprechung des Thieres hier im Zusammenhang mit den anderen nächstverwandten Arten. Wenn es sich bestätigen sollte, dass in Gegenden des west- 1) C. Koch (Formen und Wandlungen der ecaudaten Batrachier des Untermain- und Lahngebietes. Berichte der Senkenbergischen naturforsclieiid. Gesellschaft 1S72, S. 141) vergleicht einen von ihm bei Enklieini im Uuter- maingebiet gefundenen Frosch der Rmia agilis. Mklshki.mki: theilt mit (Berichte des naturhistorischen Vereins von Rlieinland und Westphalen 1876, S. 89), dass er die Rana agilis bei Linz a. Rh. beobachtet habe. — Ich selber bin bis jetzt nicht so glücklich gewesen, hier am Rhein so wenig wie sonst in yuddeutschland, den Springfrosch aufzufinden und hege einstweilen die Vermuthung, dass die Rana /itsca, var. aculiroslris (siehe oben) es gewesen sein mag, welche für Rana agilis genommen wurde. — Noch am ehesten lässt sich das Vorkommen an der westlichen Grenze erwarten. Schäfkr führt in der Moselfauna einfach Rana temporaria auf, allein man bedenke, dass die Schrift im Jahre 1844 erschienen ist. Ich selber habe Ende Mai in der Umgegend von Trier mich nach der Rana agilis umgesehen , aber ohne Erfolg. Die kühle und regnerische Witterung war sehr hinderlich, so dass ich im Laufe mehrerer Tage nur R. esculenta, nicht aber „R. temporaria'' zu Gesicht bekam; ausserdem nur noch ein rärchen von Triton alpestris, sowie in den Bergwassern zahlreiche Larven von Saluniandra maculosa und eine Anguis fr agilis, aber nicht einmal die nach Suüfkk dort gemeine Lacerla muralis. 11. Art: Rana ägilis, Thomas. 145 liclicu Deutselilaiuls Rana agilis und Rana arvalis /usanimen \(tr- koiunit, so wäre dies uucli iusoferu merkwürdig-, als sich nach den bisherii^en Uutersucliunyen in den vorhin erwähnten Ländern Rana arvaUs nicht findet, sondern neben der Rana agilis nur Bana fmca. Schon nacli der g-anzen Tracht (Habitus) der Thiere zu sehliesseu, nimmt in den siidlicliereu Ländern Europas Rana agilis die Stelle ein, welche Rana arvalis in den nördlichen Strecken hat. Bemerkungen a. Zur Form und Farbe. — Biologisches. 1) Im Habitus weicht gegenwärtige Art stark von Rana fusca al) , nähert sicli aber der Rana arvalis durch zugespitzte Schnauze und in dem Grundton der Färbung. Indessen die ge- streckte Körperform, insbesondere die beim Kriechen auffallend laugen Hinterbeine, dann das zartere Wesen des Thieres überhau})t, — selbst das Integument des lebenden unbehelligten Tliieres hat etwas Durchscheinendes an sich — lassen schnell die Verscliieden- heit erkennen. Die nähere Pi-üfung der Gaumenzähne, der Samen- blaseu und Samenelemente belehren uns dann ausser den schon oben angeführten Kennzeichen, dass man es mit einer guten Art zu tliuu habe. In der Grösse, w elclie Rana agilis im Allgemeinen erreichen kann, scheinen nach den Gegenden ziemliche Schwankungen zu bestehen. Ein Exemplar aus den Euganeen der Lombardei und zwei Stücke aus Nantes in Fraukreich, welche ich xox mir habe, sind die grössten, indem die Körperlänge (von Schnauze bis After) nahezu 3 Zoll beträgt, bei 4'/.2 Zoll Länge eines Hinterbeines. Schon etwas kleiner sind vier Stücke aus der Westschweiz: sie haben bloss 2'/2 Zoll Länge. Endlich in einem Dutzend von Thieren aus Cadillac in der Gironde geht die Körperläng-e bei keinem über 2 Zoll. 2) Charakteristisch bleibt für die Art auch der lichte, zarte, ich möchte sagen, augenehm röthlich- oder gelblichgraue Gruudton der Farbe, der freilicli durch die Thätigkeit der Chromatophoren für längere oder kürzere Dauer sehwinden kann. So sali ich an den von mir im Zimmer gehaltenen Thieren einige an kalten Apriltagen (Mittag -\- 5 " K.) und lieftigem Südostwind so dunkel werden, dass man sie schwarz nennen konnte. Erst nach einigen Lt') cliK, Uaiiachier lU 146 11- Art: liaua. agilis, Thomas. Tagen hellteii sie sicli wieder auf, indem sie das frühere rötlilifdi üraue Gewand annahmen. Bezitglicli der Farbenzeielmung" ist auch erwähnenswert]], dass der von der Schnauze seitlich zur Ohrg-eg'end zieliende dunkle Stri(di so deutlicli durch's Auge gelit, dass die Iris, nach der Farbe, in eine obere und untere Hälfte zerlegt erscheint, wovon die erstere rein golden bleibt, die andere überschwärzt ist, (Bei Rana urvalts ist diese Farbenhalbirung entweder gar niclit oder nur in schwachem Grade vorhanden.) Von Auge zu Auge zieht melir oder weniger ausgesprochen ein mattdunkler Querstricli auf dem Scheitel heriil)er. Die Kehle des Männchens färbt sich, wie Fatio bemerkt, in der Paarungszeit niemals blau, wie solches bei Rana fusca vor- kommt. Hingegen erhalte das sich paarende Männchen (gleich dem von Rana fusca) eine durch Füllung der Lymphräume schwappige Haut. 3) Die Weibchen der von mir im Monat April untersuchten Tliiere besassen nicht jene durch Wucherung der Epidermis be- dingte B e p e r 1 u n g des Integumentes. 4) Rana agilis ist im Stande, wie Thomas und Fatio schon hervorheben, wegen der sehr langen Hinterbeine ausserordent- liche Sprünge zu machen. Der Genfer Naturforscher hat dess- wegen vorgeschlagen, im Deutschen die Speciesbezeichuung durch „Springfroscli'' zu geben; auch der Name „gracilis" ist, in An- betracht der Körpergestalt und Beschaffenheit des Thieres über- haupt, sehr zutreffend und ich möchte zur Bekräftigung noch hinzufügen, dass auch das Naturell dieses Batrachiers etwas Sanftes, Geduldiges an sich hat. Die Erscheinung, dass unsere Art, in gewöhnlich gemischten Weingeist geworfen, äusserst schnell abstirbt, kann auch wohl als Folge der zarteren Constitution an- gesehen werden. 5) Die Begattung fällt, wie die genannten Beobachter melden, sechs oder sieben Wochen nach jener von Rana fusca. Während dieser Zeit ähnele die Stimme des Männchens jeuer von Rana fusca; an den von mir im Aj)ril erhaltenen Thiereu erinnerten die ausgestossencn Töne an die Laute der Rana arvalis. Nacii DK l'Lsle ') setzt Rana agilis die Eierklumpen in tiefe Wasser ab. Die Eier seien kleiner und zahlreicher als bei Rana 1) Annal. d. scieuc. iiat Toiu. 17, ls72 — 1873. 11. Art: RuiKi agiiiy, Tlionuis. 147 fnscn miil :iii('!i in der Fävbimi;' versoliicdoii, iusolorn das Schwavz (Um- Ddtterkuue] duiiklcr xvwA das Weiss reiner ist, so dass sich beide Farben schärfer von einander abheljen. b. Zur Aruilnmie. 1) Teil konnte bisher bloss solclieMännclien untersuclien, welche im Monat April ein.ii'ciangen waren, als(» nacli der Laichzeit, An diesen zeigt sich die Daumenscli w i o le (Tat". IX, Fig". Sl) dem änssereu Umriss und der Ansdelmung nacli äJinlicli jeuer von Rana arvuUs. Sie erscheint als leichte, schwärzlich- graue, zusammenhängende Anschwellung' und ist für das freie Auge, wie für die Lupe glatt und glänzend. Aber auch unter dem Mikroskop ist um diese Zeit keine Höckerbildung vorhanden und die nähere Untersuchung lehrt, dass zwar auch hier die Leder- haut sich in Papillen erhebt, welche aber kurz bleiben, in der Tiefe der Epidermis verborgen, und olme somit Höckcrljildungen auf der Oberfläche der Epidermis hervorrufen zu können. Die Papillen zeigen im isolirten Zustande wie bei anderen Arten den anscheinend faserig zackigen Rand und im Innern hin und wieder ein Tastkörperchen (Taf. IX, Fig. 82), Eine besondere Sculi)tur der obersten Epidermiszellen ist nicht zugegen; vielmehr ist nur jene feinste Höckerbildung vorhanden, wie sie der Epidermis der Frösche so allgemein zukommt. Sie bedingt eine Körneluug der Zellen von der Fläche und eine feinste Kerbung der die Plättcheu begrenzenden Cuticularleisten (Taf. IX, Fig-, SJi). Während der Laichzeit entwickeln sich wohl auch bei dieser Art die Papillen mehr, so dass sie die Oberfläche der Epidermis schwach höckerig erscheinen lassen Denn de lTsle, indem er den Unterschied in der Grösse, Farbe und Bildung der Oberfläche der Daumenschwiele hervorhebt, sagt ausdrücklich von Rana fusca: „tres larges noires et herissees de longues asperites pointues" ; von Rana agilis: „assez petits grises et formees de Ans granules ronds", Auffallend ist aber, dass Thomas auch für die Paarungszeit die Oberfläche der Daumenschwiele so beschreibt, wie es oben von mir jenseits dieser Epoche gefunden wurde. Er sagt: „Chez Rana fusca cette protuberance est herissee de petits pointes, et au contraire, eile est lisse chez la Rana agilis." 2) Hinsichtlich der Schallblasen stehen die Angaben der Kl* 148 11- Ai't: Kaua agilis, Thomas. zwei letztii-euauiiten französischen Beobachter niclit im Eiuklan;^:. Nach Thomas besitzt das Mäuuclien zwei Ötimmblaseu ; de lTsle leu2,net die Anwesenheit der gedachten Bildiiui;eu. Nach ihm nnterscheidet sich durch diesen Charalvter Rana agilis nicht nur von Rann fusca und Rana arvaUs, sondein auch von der (mir un- bekannten) nordamerikanisclien Rana sylvaiica , welche sonst der Rana agilis sicli eng- anschliesse. Midi lelirt die eigene Untersuchung, dass die Auffassung DE l'Isle's als die richtigere zu bezeichnen ist, denn es fehlen in der That Schallblasen in der Form ausgesprochener Hervor- treibungen am Winkel der Kehle, und es mangeln innerlich zu- leitende Spalten („de fentes vocales"). Fresst man jedoch Luft mit Gewalt in die Mundhöhle, so bauclit sich die Kehle dort, wo bei Rana fusca die Schallblasen sich vorwölben, auch hier bei Rana agilis zwischen dem vorderen Zungenbeinhorn und dem Ende der Unterkinnlade etwas aus, so dass man sagen könnte, es sei ein leiser Anfang von Schallblasenbildung zugegen. Und in der Paarungszeit, wo ja auch bei Rana fusca die Aussackungen stärker werden, mag vielleicht die Vorwölbung mehr noch sich entwickeln. Sonach Hesse sich der Angabe von Thomas immerhin nicht alle Berechtigung absprechen. 3) Charakteristische Merkmale für gegenwärtige Art bietet wieder die Beschatfenheit der üaumenzähue dar. Bei Be- sichtigung mit freiem Auge stellen sie als Ganzes zwei rundliche Höcker vor, welche schwach gegen einander neigen (Taf. IX, Fig. 81). Unter dem Mikroskoj) wird klar, dass der eigentliche Zahnstreifen um Vieles kleiner und schmäler ist und aus 2 bis 3 grösseren und 2 bis 3 kleineren Zähnen besteht, was individuellem Wechsel unterworfen erscheint. Fatio zeichnet 10 Zälme, alle von ziemlich gleicher Grösse und sehr regelmässig- gestellt, was Beides mit meinen Beobachtungen niclit stinmien will. Die ei^eut- liehe Gestalt der Zälme kennen zu lernen, erfordert übrigens einige Mühe, denn da sie, wie immer, stark im Ej)ithel stecken und man desshalb gern zum Abjiinseln greift, so kommen sie als- dann, aucli bei schonendster Behandlung, leicht im verletzten Zu- stande unter das Mikroskoj). Am rein und frisch ausg-eschnitteueu und etwa mit Glvcerin behandelten Gaumenknochen zeigt sich, dass der Sockel des Zahns verliältnissmässia- hoch ist, hingeüen der eigentliche Zahn sehr niedrig, so dass er nur wie ein kurzer 11. Art: Bana agilis, Thomas. 149 Aufsatz sieli über den Sockel erliebt ; womit ziisammenliänüt, dass die im KSockcl weite Höhle bloss in Spuren, als i;eriug'C Zaeken- räume in den Zalin selber liineintritt. Die Krone ist zweispitzig' oder wie mau der Form entsprechender zu sagen hätte, zweilappig- (Taf. IX, Fig. S5). — Die Schwierigkeit der Untersuchung ist wohl der Grund gewesen, warum Thomas bezüglich der Zähne sich auf die Angabe beschränkt: „Les dents vomeriennes m'ont paru etre diflerentes de Celles de la R. fusca et de la R. oxyrrhina." Im Wesentlichen weisen auch die Zähne der Kinnlade das angedeutete Grösseuverhältniss zwischen Sockel und Zahnkrone auf, nur dass der Sockel hier noch höher ist als au deu Gaumen- zähuen. 4) Weiterhiu wird wichtig für die Begründung der Species die Beschatüenheit der männlichen Fortjiflanzungs^verkzeuge und ihr Inhalt. Der Ho de war in der Zeit der Untersuchung (Mitte April) von geringem Umfang und entweder ganz unpigmentirt, oder mit grauschwärzüchem Anflug iu der Mitte. Die zellige Auskleidung- der Samenkauälcheu zeigte sich der fettigen Rückl^ildung ver- fallen; von den Samenelementen waren übrigens noch genug- übrig, um sie mit jenen vou R. arvalis und R. fusca vergleiclien zu können. Die Zoo Spermien gegenwärtiger Art bestehen aus einem langen, schmächtigen, vorn zugespitzten Kopf und einem sehr feinen Schwanzanhang (Taf. IX, Fig. 86). Man bemerkt auf den ersten Blick, dass sie jenen von R. fusca am nächsten stehen, während sie sich von deujenigeu der R. arvalis und R. csculcnta entschieden entfernen. Den Schwanzfaden habe ich in der Ab- bildung als einfache Linie gezeichnet, aber am lebenden Zoosperm ist die Bewegung des Fadens so, als ob er mit einer undulirenden Membran vou äusserster Feinheit versehen wäre. Es spielt bei der Bewegung ein zweiter oder Flimmercoutour mit. Die Auflösung der Samenelemente in Fettkügelchen Hess sich reclit deutlich verfoU-eu. Der Beginn dieses Vorganges kündigt sicli damit an, dass das Kopfstück sich äusserlich der Länge nach fein einkerbt, während zugleich im Inneren dicht hintereinander liegende Vacuolen auftreten. Das auf solche Weise perlschnur- förmig gewordene Kopfstück zerfällt dann in die Eiuzelperlen oder Fettkügelchen. Am Harn -Samenleiter liegt die Samenblase (Taf. IX, 150 11- Art: Rana agilis, Thomas. Fig'. 8.")), welche impig'nüMitirt ist und von körnig- drüsigem Wesen, entfernt von der Niere, an die I^age des gleichen Organs bei R. arval'is erinnernd. Im Innern der Samenblase niacliten sich weissliche Ballen und Streifen bemerklich, von fettiger Natur und wohl ebenfalls durcli die fettige Umwandlung der Zoospermion entstanden. Audi das Epitliel war grossentheils derselben Metamor- phose anheim gefallen. 5) Endlich das Skelet näliert sich zwar am meisten jenem von R. urvalis, bietet aber docli wieder so viel Eigenartiges dar, um es vom Skelet der übrigen Arten der einlieimischen Frösclie unterscheiden zu können. Es ist von mehr gestreckter Form und die Hinterl)eine sehr lang; Scliädel vorgezogen, dreieckig, niedergedrückt. Die Ossa fronto-parietalia ohne Fontanelle, flach, doch nach der Mitte hin, wie schräge Beleuchtung lehrt, mit geringer Vertiefung ; das Clürtel- bein lassen sie vorn fast ganz unbedeckt. — Die Fronto-nasalia sind schmal, so dass ein gutes Stück der Nasenkapsel unbedeckt l)leibt. — Die Muskelleisten der Hinterhauptsgegend sind stärker entwickelt als bei R. arvatis, so z. B. der Kamm (Proc. mastoideus aut.) zwischen Petrosum und Occipitale laterale, was wohl auf die grosse Sprungfähigkeit Bezug hat, — Der vordere Arm des Tvm- panicum ist länger als bei /?. fusca, ohne aber die Entwickelung bei R. escuJenia zu erreichen. — An der Wirbelsäule erscheinen die Dornfortsätze des zweiten, dritten und vierten Wirbels von stärkerer Aus})rägung, als bei den anderen in Betracht kommenden Arten ; die Querfortsätze sind lang und sclmuil. Kamm des Steissbeins hoch, wie bei R. arvalis; Crista des Darmbeins selir lioch. — Am Vorderarm beim Weibchen nur die Crista deltoidea entwickelt; beim Männclien ist vom äusseren und inneren Condylus lierauf noch eine Leiste vorhanden, wenn aucli schwach ausgebildet. Das Os metacarpi des sog. Daumens vom Männchen ist dicker als die übrigen Metacarpalknoehen und leicht gebogen (Taf. IX, Fig. 84). Nacli o])('n uiul aussen erscheint eine Knochenwucherung, welche bestellt aus einem oberen, grösseren, einige Mal eingekerbten Höckerchen von länglicher Form und einem unteren, viel kleineren von abgerundeter Gestalt. Zur Zeit der Untersuchung (Monat April) waren beide glatter als die entsi)rechenden Theile der übrigen Species. An der Wurzel des sog. Daumens steht der Knochen des wirklichen, zwar rudimentären, aber docli deutlichen Daumens. II, Alt: Rana agilis, Thoraas. 151 Geschichtliches. Thomas in der iiitoressaiitcii Al)hai)(lliing: Nnto nur deux especes de grenouilles obiäKMTi'i's dopiiis ((uel(ine8 aiuiees cn Enrope ') brachte in Er- innerung, (lass im Jahre ls•>'^ Mim.kt, (U^r Verfasser einer Localfanna^), einen Frosch beschreibt, welchen er für ßana iemporaria Linne hält, während er eine, wie er meint neue Art, unter der Benennung Ra)ia ßuvireiilris anzeigt. V^ieleJalire nachlier näiulicli deckte Thomas auf, indem er den Fröschen der Umgebung von Nantes Aufmerksamkeit selicnkt, dass die Rana flavi- railris Mh-let die Rana (emporaria aut. sei, hingegen die Rana temporaria MrixET eine nene bis dahin unbekannt gewesene Spccies vorstelle, welche jetzt Thomas als Rana agilis in die Wissenschaft einführte. Bevor er aber dieses that, machte er noch gründliche vergleichende Studien gegenüber der inBetraclit kommenden Rana arvalis ^ilssos (R. oxyrrhinus Steenstrup). Da letztere Art in Frankreich niclit vorkommt, verschaffte er sich lebende Exemplare durch Schiff aus der Umgegend von Frankfurt a. M. Und so entstand die schöne, eben erwähnte Arbeit, begleitet von einer zierlichen, die Unterscheidungsmerkmale zwischen Rana agilis und Rana arvalis (oxyrr- hinus) veranschaulichenden Tafel. Von Neuem wurde die Art aufgefunden durch Fatio in der Umgebung von Genf und als Rana gracilis'^) beschrieben, welchen Namen aber der Entdecker wieder einzog, als er sich überzeugt hatte, dass seine Rana (/racilis eins und dasselbe sei mit Rana agilis Thomas *). Er gab auch neben der bildlichen Darstellung einzelner Theile eine Figur des ganzen Thieres, in etwas ungewöhnlicher Stellung zwar, aber gerade hierdurch die merk- würdig langen Hinterbeine gut zum Ausdruck bringend. Und noch neuer- dings hat Fatio ^) der Art im Zusammenhang mit den andern Fröschen des Schweizerlandes eine ausführliche Beschreibung gewidmet, der man ansieht, dass sie auf vielfachen eigenen Beobachtungen berulit. CoLF-iN*') hat in der Schrift über Dänemarks Frösche und Kröten die Abhandlung von Tho.mas und die Rana agilis in einer Weise besprochen, die er wohl selbst bedauern mag. Er meint, der französische Beobachter habe melir IJücksicht genommen auf die Literatur und auf Zufälligkeiten in der Natur als auf das Normale irnd Constante in ihr. Collin ist geneigt, in der Rana agilis eine Varietät von Rana arvalis zu erblicken. Die Cha- raktere, welche Thomas aufstellt seien als Artmerkmal ungültig, die Figuren erklärt er für schlecht. In den dem Ende der Schrift beigeschlossenen An- merkungen macht indessen Anmerkung 14, unser dänischer Kritiker, fol- gendes Zugeständniss: ..Nachdem ich bekannt geworden l)in mit V. Fatio's 1) ,\nii. d. scicMic. nat. Ser. 4, Tom. 4, 1855. 2) Faune du departement de Miiiiie- et- Loire In Deulschland mörlili! dieses Wcik wohl sehr selten sein; mir wenigstens gelang es nicht zur Ansicht desselben zu gelangen. 5) Revue et magasin de Zoologie 2. Ser. Tum. IV, 18Üi. 4) Ibidem, Mars 1862. 5) Faune des Vertebrcs de la Suisse. Geneve 1872. 6) Danemarks Froer og Tudser. Nalurhisioiisk Tidsskril'i 1870. 152 !'• Art: R;iua agilis, Thomas. Abhaiifllnn.£^: Obpfrvatinns sur la Rana aicilis de 'riinnifs (Rev. et Mag. d. Zool. 18B2) ist meine Anscliauutig doeh etwas modificirt worden." Weitere Aufschlüsse über R. a^üis mit Rücksicht auf Bau, Lebensweise und Verbreitung, verdankt man den französischen Zoologen de l'Islk ') und zuletzt Lataste.^) Ich lernte die Art zum ersten j\lai kennen durch ein Exem]ilar, Weibchen, welches mir ein früherer Zuhörer, Dr. H. Krause, von einer Ferien- reise in die Euganeen^) freundlichst mitgebracht hatte. Dieses Exemplar liegt den Angaben zu Grninde, welche ich in meinem .Vufsatze über die Zehen der Batrachicr gemacht habe''); sclu)n damals hatte ich die Ueber- zeugung geschöpft, dass es sich um eine wirkliche Species handele und solches auch ausgesprochen. s) Von dem Wunsche beseelt, das Thier nocli genauer kennen zu lernen, ersuchte ich im Sommer ISTfi Herrn Fatio in Genf um gefällige Zusendung einiger Exemplare, welcher denn auch, in Ermanglung lebender Thiere, mir solche, die in Weingeist aufbewahrt gCAvcsen, zuzuschicken die Güte hatte; es waren zum Thcil typische, von Thomas gesammelte Exemplare aus Nantes in Frankreich , theils Individuen aus der Gegend von Genf. Im Frühjahr 187 7 richtete ich die gleiche' Bitte an Herrn Fernand Lataste in Paris, welcher mich denn auch bald darauf mit etwa einem Dutzend lebender Thiere hoch erfreute und mich so in die Lage setzte, gar Manches unter- suchen zu können, worüber man nur am Lebenden sich zu unterrichten vermag. Ich bin daher den beiden Naturforschern zu besonderem Danke verpflichtet. 1) Ann. ri. sc. nat. Tom. 17, 1872 — IS75. 2) Calalogue des Batraciens et Replilos de l'^ris 1S76, Actes, Soc. Linn. de Bordeaux T. XXM und Essai d'iiiip hei-|ielolo,!,'if|up de la r.iroiide 1X7(1. Leider kenne ii'li diese beiden Schriften bisher nur aus den Aus7.üf;en, welche das Journal de Zoologie, Paris I8"(), veniffentlicht hat. 3) De Betta, der Verfasser der Erpetologia delle l'rovincie Yenete, Verona 1857, unterschied bei Herausgabe dieser Schrift die Rana agilis noch nicht, sie bleibt dort unerwähnt; wohl aber steht sie in der unterdessen ans Licht getretenen l'auna d'ltalia als ein in der Lombardei vor- kommender Batrachier. ■i) Morphologisches .lahrbuch, Hd. IL 5) a. a. 0. S. 184, Anmerkung 1. Beilagen. 1. Zur Frage luich den Ba.sltird- Formen. Schon vor langer Zeit liandelte Schlothauber i) über einen Frosch aus der Umg-egend von Bremen, den er für eine Varietas hijhrida von Rana csciilenla und Raiia fusca („temporaria") ansieht. Nach den Worten der Besclireibung ist es zulässig, anzunehmen, dass dem Beobachter die Rana arvaVis vorgelegen hat. Der Verfasser der „Formen und Wandlungen der ecaudaten Batrachier des Untermain- und Lalmgebietes" glaubt als Ergebniss seiner Wahrnehmungen ebenfalls aussprechen zu können, dass Rana arvaUs (.,K. oxyrrhinus") eine hybride Form der Rana fusca (..temporaria") und der R. escidenta sei. Er schliesst dies daraus, weil die Rana arvalis in ihren körperlichen Eigenschaften die Mitte halte zwischen den zwei genannten Arten und ausserdem nur da vorkomme, wo die beiden anderen Arten sich finden. Gedachter Autor bespricht auch eine Varietas gracUls^ ])e- züglich welcher er es nicht für unmöglich hält, dass sie die Rana agilis Thomas sei, und letztere wäre nach ihm eine Hybride von Rana fusca („temporaria") und Rana esculenta^ oder von R. fusca und R. arvalis („oxyrrhinus"). (Nur nebenbei sei er- wähnt, dass derselbe Schriftsteller von „Rana temporaria" noch eine „Var. cinereus" -) als „hybride Form" aufstellt.) Endlich will er auch bei Kröten einen Bastard erkannt haben, hervorgegangen aus der Paarung des Bafo cinereus und Bufo viridis. 1) Beiträge zur Diagnostik der elnlieimischen Froscharten. Archiv für Naturgeschichte 1844. 2) Unser Verfasser scheint durch Missvcrständniss der STKExsTrap'schcn Bezeichung ..platyrrhinus, oxyrrhinus" verleitet worden zu sein, durchweg zu schreiben : Rana temporaria Var. uu)ntanus, uiaximus etc. 154 Bastard- Formen. Man darf sich nicht wimclern, dass Rana arvaMs bei flüchtiger Bekanntschaft für eine hybride Form zwischen Rana fusca. und Rana esculenta erklärt wird, denn sie uinnut in der Tliat durcli Rildunu' der Schnauze und des Fusses die Mitte ein zwischen den beiden bezeichneten Species, und stellt sieh auch in manchem anderen Betracht, so durcli Farbe und Zeichnung, zwischen die beiden Arten. Aehnliche Beziehungen walten auch gegen die Rana agUis hin ol). Und so könnten Diejenigen, welche sich für die hyl)ride Natur gedachter Frösclie erklären, sich auch berufen^ auf die künstlichen Befruchtungsversuche, welche russische Natur- forsclier an Acipcnser ausführten und wornacli verschiedene Arten des genannten Fisches als hybride Formen sich ausgewiesen hätten, worüber mir jedocli weder das Nähere bekannt geworden ist, noch etwaige Bestätigung dieser Angaben. Allein wie ungünstig ist nicht von vorne herein der Auf- fassung, dass es sich bezüglicli unserer Frösche um Bastarde handle, die Thatsache, dass allenthalben in Deutschland und der Schweiz die angeblichen Stammeltern sich vorfinden. Mährend die vermeintlichen Bastarde Rana arvaUs und Rana agiüs nur in ganz bestimmter Vertheilung leben, erstere Form als nordisches Thier, das sich strichweise südwärts zieht, letztere Art als ein Glied der südlichen Fauna, das bis jetzt in Deutschland uiit Sicherheit noch nicht nachgewiesen werden konnte. Ferner, wie soll im Freien und ohne Ilinzuthun des Menschen eine geschlechtliche Vermischung der angeblichen Stammformen stattfinden, wo doch die Laichzeit der beiden Arten weit aus- einander liegt. Rana fusca paart sich bei uns im März, Rana csculcnla im .Turn ! Endlicli hat in neuester Zeit ein französischer Beobachter, DE l'Isle, mit den Am})hibien seines Landes und ihrer Lebens- weise wohl vertraut, den \N<.^i:. der künstlichen Befruchtung wieder betreten, den Spallanzam im vorigen Jahrhundert eröfluet hatte. ])i: l'Isle l)eschreibt im Einzelneu die Befruchtungsversuche, welche er mit unverkennbarer Sorgfalt zwischen den in Frankreich einheimischen Fröschen, der Rana esculenta^ Rana fusca und Rana agiUs vorgenommen hatte. ') Das Ergebniss fiel aber dahin aus, dass zwischen den genannten Tliieren keine Befruchtung sich Annales d. scienc. natur. 1872, N. 17, Bastard - Formen. 1 55 bezwecken lässt uml tlalier liastarde nielit zu erzielen seien. Unser Forscher erklärt sich den Misserfol^y- aus der g-rossen Ver- schiedenheit, welclic im männliclien Zeuuungsapparat zwischen den drei genannten Arten bestellt, wobei er aucli , was ilini un- l)ekannt gel)lieben war, auf die verscliiedene Form der Samen- ekMnente liätte hinweisen können. Hingegen gelang es, zwischen Prufo cnlamKa und Bufo imigaris durch kiiiistliclie Befruclitung Larven zu erhalten ; zwar aus der IMenü'e der Eier nnr eine verh.ältnissmässig canz üerinsi'e Anzahl und auch diese Hessen sich nicht nm Leben erhalten, sondern starben bald Aveg. Man darf wohl die Fraüe aufwerfen, ob nicht die oben erwälmte ütossc Aelmlichkeit, welche in der Form der Zoospermien zwischen beiden Arten besteht, bei diesem Erf(dge mit im Spiele war? Es muss sonach die Möglichkeit der Bastard- Idlduns' anch im Freien zwischen den beiden genannten Arten von ßufo zugegeben werden Immerhin tritt uns wieder als llinderniss entgegen, dass die Laichzeit von Bufo vulgaris nnd ßufo calamita weit auseinander liegt, so dass ohne Hinzuthun des Menschen, durch künstliche Befruchtungsversuche, schwerlich es zur Bastardbildung kommt; auch ist mir bis jetzt unter den vielen Exemplaren der Kröten unseres Landes, welche ich näher ansah, nicht ein einziges Individuum aufgestossen, das als Bastard unter- zubringen nöthig gewesen wäre. Keinen Wertli zur Unterstützung der Ansicht, dass man es in obigen Fällen mit Hybriden zu thun linbe, kann man den Wahr- nehmungen zugestehen, welche sich auf ..Paarung" verschiedener Arten und selbst Grattungen der Batrachier beziehen. Man sah Bana esculenia und Rana fusca in Umarmung ; selbst Bufo vulgaris mit Rana fusca in fester geschlechtlicher Vereinigung, die mehrere Tage anhielt; Alyles ohstelricans und Rana esculenia von Bornbinator igneus umschlimgen.') Das Weibchen von Bufo vulgaris in Be- gattung mit zwei Männchen von Pelohalcs fuscus-) und Anderes. Jeder mit dem Leben der Amphibien vertraute Naturforscher kennt die Seltsamkeiten, Avelche hier vorkommen, und die so weit 1) TscHUDi in der Isis 1837, ö. 701. 2) Bkügukma: zu Bremen 1874. 2) Bkügukmaxn in deu Abhandlungen des naturwissenschaftlichen Vereins 156 Missbildungen, gehen, dass man Bnfo vulgaris sogar an AVass^ermolclien und selbst an Fischen ani;-eklanimert fand.') Es ist sonach aucli im Hinblick auf die kiinstlicl» angestellten Befruciitungsversuche und das Auseinauderliegen der Laichzeit im Freien klar, dass sowold Rana arva/is als auch Ra)ia agiäs die Bedeutung einer vollen Species hat. Und wenn wir uns ausserdem ins Gcdächtniss zurückrufen, dass die l)eiden Frösche nicht nur im äusseren und inneren Bau, bis auf die Form der Zoospermieu herab, Verschiedenlieiten darbieten, welche von l)leibendem Wesen sind, sondern auch in den Lebenseigenschaften Eigeutliiimliclikeiten kundgeben; so müssen wir die Ueberzeugung schöpfen, dass Rana arvalis und Ra)ta agilis auf derselben Stufe der Sonderung und Formbeständigkeit stehen, wie Rana fusca und Rana csculcnla. 2. Missbil (lullgeil. Da mir bei den Studien, welche diesen Blättern zu Grunde liegen, zahlreiche Exemplare der Batrachier durch die Hände gingen, konnte es nicht fehlen, dass auch Missbildungen zur An- sicht kamen. Vielleicht verlohnt es sich dieselben hier in Kürze aufzuführen als einen Beitrag zu dem, was andre Beobachter ül)er i\(^n gleichen Gegenstand veröffentlicht haben, 1. Nicht selten stösst man auf Mangel oder Vorbildung einzelner Zehen, ja ich fand ein Thier von Bvfo vulgaris^ das an dem einen Vorderfuss nicht mehr als eine einziüc Zehe besass. Es ist wahrscheinlich, dass ein solcher Mangel wohl ebenso häufig auf Ver- stümmelungen als auf ursprünglicher Bildungsabweichung beruhen kann, und es steht zu vermuthen, dass hieran die Kreismuschel, Cyclas^ nicht selten Schuld sein mag. Die Zehen gerathen zwischen die Schalen der geöffneten Muschel uud das erschreckte AVeich- thier kneipt sich fest. Der Vorgang lässt sich nicht bloss zu Hause l)eol)achten, sondern auch im Freien begegnen uns solche Fälle liiu uud wiedi'r. Finnml erregte auch am Bande eines Weihers ein weiblicher Triton lacniatus meine Aufmerksamkeit, indem dessen Unterkieferi-and von einer Cyclas Cornea gefasst und 1) Man vci-i,^. z. B. die ]\littliollimgen in der Zcitsflirift: Zooloirisclier (Jurten 1S73, S. 11)7. — Wiederholt sah ich auch im Freien ein todtes Weibchen von Ihi/'o vulgaris von dem lebenden Männchen lunkJamniert. Missbildungen. 157 der Molcli dnilureli unfäliii;' war den IMuiul zu scliliessen ; ver- gebens bemühte er sicli durch heftige Bewegungen die Muschel tos zu werden, i) An Bufo calamita begegnete mir eine Verdickung der End- glieder am längsten Finger und an der längsten Zehe, derart, dass walire Ballen daraus geworden waren. Es war October und die Thiere scliwammen im Bassin eines botanischen Gartens, dessen glatte Steinwand sie am Emporklettern hindern mochte ; was ich auch daraus schloss, dass sie den Grift' des Spazierstockes, welchen ich ihnen darreichte, sogleich fest umklammerten und sich lieraus- ziehen Hessen, zum deutlichen Zeiclien, dass sie aus dem Wasser zu kommen suchten. Und so erkläre ich mir die Umbildung der Zellenspitzen zu den Ballen aus dem gezwungenen langen Wasser- aufenthalt als eine pathologisclie Erscheinung. Bedeutsamer sind wohl die Fälle, wenn eine Art Finger ent- fernt von den übrigen echten Fingern oder Zehen auftritt. Ich habe anderwärts schon auf eine hierlier gehörige von mir an Bombinalor igneus gemaclite Beobachtung hingewiesen.-) Dahin zälilt auch eine R. fasca^ auf welche ich im bairischen Hochlande stiess, und die an dem einen Vorderfuss gar keine Zehen besass, an dem andern noch drei. Aber es hatte sich wie zum Ersatz der verlorenen Zehen ein fingerartiger, doch viel dickerer Auswuchs etwas weiter nach hinten, am Handwurzel- gelenk, entwickelt. Das Thier, ein Weibchen, ein wahi'er Riesen- frosch, übertraf das von Rösel dargestellte Weibchen, Avelches er auf acht Jahre schätzt und als eines der grössten ihm zu Gesichte gekommenen Thiere erklärt, bedeutend, so dass man ihm wohl darnach ein Alter von zwölf Jahren beilegen durfte. (Eben dess- halb und weil nach der Beschaffenheit seiner Vordergliedmassen das Tliier durch manche Unbill des Lebens sich glücklich durchge- schlagen hatte, konnte ich es damals nicht über mich gewinnen, ihm die Freiheit zu rauben, so dass ich ausser Stand bin, über den Bau des fingerartigen Fortsatzes nähere Angaben vorzulegen.) Mit Bezug auf solche Neubildungen ist auch ein Individuum IJ Vergl. auch Mittheilungen Anderer im Zool. Garten 1869. 2) Bau der Zehen der Batrachier und die Bedeutung des Fersenhöckers, Morphol. Jahrbuch, Bd. II, S. 191. 158 Missbildnngen. von R. arvalls evwälineiiswcrth, das icli nuf dem oben erwülmten Moor von Selivveblieim in Franken einfing-. Das Tliier mochte schon in früliester Jiiji'end den linken llinterfiiss, von der Ferse an, eini;ebiisst haben. Merkwürdigerweise liat sich nun die Haut au der Beugeseite zwisclien 01)er- und Untersclienkel dermassen entwickelt und verbreitert, dass beide Theile dadurch wie von einer Art Schwimmhaut verbunden werden') und so bis zu einem gewissen Grade physiologisch der verloren gegangene Sclnvimmfuss ersetzt erscheint. 2) Das Sehorgan betreifende Deformitäten beobachtete ich an Bomhinator lyncus. Einem Thiere fehlte die Pupille auf dem linken Auge völlig, indem die Iris durchaus gescblossen war. Das andere Auge besass die Pupille in regelrechter Form. — Bei einem andern Individuum zeigte sich der eine Augapfel, es war abermals die linke Seite, völlig verkümmert. 3) An einem stattlichen, äusserlich durchaus wohl gebildeten Männchen von R. fnsca fand icli beim OetKnen der Leibeshöhle, dass dem Thier auf der rechten Seite das ganze Uro-genital- system fehlte; es besass und zwar auf der linken Seite nur eine einzige Niere, einen Hoden und eine Samenblase. 1) Icli habe das Exemplar der anatoiuisclien Samniliinjj- in Bonn ein- verleibt. Erklärmi2: der Tafeln. Tafel I. Sämmtliche Figuren unter Vergrüsserung mit der Lupe ; die drei ersten Figuren nach ein- jährigen Tliieren gezeichnet. Fig. 1. Kopf ijiit der Form der Ohrdrüsen von B^tfo calamita. „ 2. Kopf und Form der Ohrdrüsen von Bufo vulgaris. ,, 3. Kopf mit den Ohrdrüsen von Btifo variabilis. ,, 4. Höcker am Metacarpalknochen des Daumens vom Männchen des Bufo vulgaris. „ 5. Vorderfuss des männlichen Bufo vulgaris, um die Ausdehnung der Daumenschwiele zu veranschaulichen. „ 6. Zehen'und Schwimmhaut des Hinterfusses von Bufo vulgaris. ,, 7. Zehen und Schwimmhaut des Hinterfusses von Bufo calamlla. ,, S. Zehen und Schwimmhaut des Hinterfusses von Bufo variabilis. „ 9. Hand und Vorderarm des Männchens von Bombinator igui'us : man sieht die Verbreitung der Daumenschwiele. „ 10. Hinterfuss des Männchens von Bomhinator igueus, untere Fläche: auch hier eine „Daumenschwiele". "^afel II. Sämmtliche Figuren unter Lupenvergrösserung. „ 11. Kopf von Rana arvalis. Weibchen. „ 12. Ko]jf von Rana fusca. Männchen. „ 13. Kopf von Ra)ia agilis. Weibchen. „ 14. Vorderfuss der männlichen /?««« arvalis: man sieht die Form der iJaumeuschwiele. ,, IIa. Sculptur der P^pidermiszellen auf der Daumenschwiele von Rana arvalis, nach der Laichzeit. ,, 14b. Schnitt durch die Daumenschwiele von Rana arvalis. a) Papillen der Leflerhaut, b) Die gleichsam zurückgezogenen Höcker der Epidermis. ,, 15. Vorderfuss der männlichen Rana fusca : Form der Daumenschwiele. 20 21 22 23 24 25 160 Eiklärung der Tafeln. Fig. IT). Vorderfuss der Rana agih's , Weibchen. Den Vorderfuss des Miunu'lieiis siehe auf der letzten Tafel. „ 17. llinterfuss der Hnna ayilis, Weibchen. Vergl. hierzn Fig-. 27 u. 28 der nächsten Tafel. „ 18. Vorderfuss der männlichen Puaia esculeiila: Form der Daumen- selnviele. „ U). Hiiitorfiiss von Bmui csculaidi, kleines ]\länuchen / Tafel III. , Sämmtliche Figuren unter Vergrüsserung mit der Lupe. ^ Stellung der Ganmenzähne bei Ratia escii/eiilo. Gaumen und Gaumenzähne von Rana arvalis. f Gaumen und Gaumeuzähue von Rana fusca. llinterfuss von Rana fusca, Männchen. Hinterfuss von Ra)ia arvalis, Weibchen. Vom Urogenitalapparat der Rana anmlis: a) Unteres Ende der Niere, b) Harnsameugang, c) Samenblase, dj Enddarm. 2(1. Vom Urogenitalapi)arat der Rana fusca: a) Unteres Ende der Niere, b) Harnsameugang, c) Samenblase, d) Enddarm. • Längste Zehe des Iliuterfusses vom Männchen der Rana agilis, zeigt, wie weit die Schwimmhaut geht. Längste Zehe des Iliuterfusses vom Weibchen der Ra)ia agilis, zeigt, wie weit die Schwimmliaut geht. Vorderfuss von Pclobulcs /'uscus. Hinterfuss von Pelohalcs fuscus. Tafel IV. Sämmtliche Figuren geringer oder stürUi'r mikroskoiüscli vergrössert. Stück der Oberkinnlade mit den Zähnen von fionibinator igneus. ^ Freies Ende eines Zalnies desselbim Tineres, stäi-ker vergrössert. Stück der Oberkinnladc mit den Zäliueu von Ih/la arborea. Freies Ende eines Zahnes desselben Tineres, stärker vergrössert. Gaumenzähne von Pclobulcs fuscus. Ganz junger Zahn vom Vomer des Ahjics ohstetricans Fertiger Zahn vom Vomer des Atylcs obstclricans. Zahn der Oberkinulade von Alijtcs obstclricans. (jaumenzäliue von Rana arvalis. Gaitmenzähne von Rana fusca. Gaumenzähne von Rana csculoila. T> 27 7J 28 )» 20 )) 30 31. 3 2. 33. 34. 35. 3 t;. 37. 38. 39. 40. 41. Fig. 44. 45. 46. 47. 4S. 49. 50. 51. 52. 53. Erklünmg- der Tafeln. IGl Fig. 42. Der Knochen des rudimentären (unter der Haut liegenden) Daumena von Btifo vuhjaris. ,, 43. Form einer Endplialanx von Rana fusca. / Tafel V. Alle Figuren unter starksr Vergrüsserung. Die Tafel giebt eine vergleichende Zusammenstellung der Form der Samenelemente : Rana arratis. Rana fusca. Rana escidenta. Bufo vulgaris. Bufo calamita. Alytes obstetricans. Neben fertigen Zoospenuieu auch unfertige. Pclobaies fuscus. Bombinalor igneus. Hyla arborea. Ein einzelnes Zoosperm der letzteren Art in sehr vergrösserter und halb schematischer Darstellung. Tafel VI. Sämmtliche Figuren vergrüssert, theils mit der Lupe, theils mit dem Mikroskop. Fig. 54. Wucherungen am Metacarpalknochen des „Daumens" von der männlichen Rana fusca. „ 55. Metacarpalknochen des „Daumens" von Rana arvalis. „ 56. Metacarpalknochen des Daumens von Rana esculenta. „ 57. Metacarpalknochen des sog. Daumens des Bufo variabilis. a) Der eigentliche Daumen. „ 5*^. Metacarpalknochen des sog. Daumens von Bufo calamita. a) Der eigentliche Daumen. „ 59. Zehe des Vorderfusses von Hyla arborea. Ansicht von unten. „ 60. Zehe des Vorderfusses von Hyla arborea. Seitenansicht. ,, 61. Flächenschnitt durch den Ausführungsgang eines Balges der Ohrdriise von Bufo vulgaris. a) Der Gang selber, b) die ihn umstellenden kleinen gewöhnlichen Hautdrüsen, c) die weiter nach aussen liegenden zahlreichen Kalkkörper, d) Hautdrüsen der kleinsten Art, zwischen die Kalkkörper eingestreut. „ 62. Haut von Bufo calamita, a) Drüsen ohne Einschnürungen, b) Drüsen, deren Wand nach einwärts in Scheidewandbildung vorspringt. „ 63. Von der Epidermis des Bombinator igneus. a) Oeffnung, zu welcher die seitwärts liegende, schlauchartig sich verlängernde Zelle b gehört. Das Ganze einzelliger Gang und Oetfnung einer kleinen Hautdrüse. Leydig, UiUrachier. 1 1 162 Erklärung der Tafeln. Fig. 64. Stück des Axisführungsg-anges einer grösseren Hautdrüse von Bombinator igiieus. Er ist vielzellig. "^Tafel VII. Sämmtliche Figuren massig stark mikroskopisch vergrössert. „ 65. Epidermis von Ähjtes ohstetricans : a) geringe, glatte Cuticula, b) DrUsengang, c) Drüsenöftnnng. „ 66. Senkrechter Schnitt durch die Haut des Rückens von Bufo vulgaris : a) Epidermis mit Leistenbildung, b) Epidermis, indem sie über eine Warze der Lederhaut zu ziehen beginnt, glatt, c) Feine Leistenbildung der Lederhaut so weit sichtbar als sich die Epidermis abgehoben hat, d) Papillen mit Tastkörperchen, • ej Kalkconcremente, in der Substanz der Lederhaut, f) kleine Hautdrüsen, g) Theil einer grossen Hautdrüse, h) Muskelzellen nach einwärts von der bindegewebigen Wand der Drüse, i) Nerven, k) Gelasse, 1) Pigment, säramtlich im lockeren Bindegewebe. „ 67. Schnitt durch einen Theil der Ohrdrüse von Btifo vulgaris: a) kleine oder gewöhnliche Hantdrüsen rechts und links vom Drusenhalse, bj Kalkkörper, c) glatte Muskeln, nach einwärts von der bindegewebigen Wand des Follikels, d) Elemente des Secretes, e) den Balg umspinnende Blutcapillaren, f) ein aufsteigender Nervenzweig. „ 68. Morphologische Elemente des Secretes der Ohrdrüsen von Bufo vulgaris, frisch und nach Behandlung mit Reagentien. „ 69. Durchschnitt der Haut des Rückens von Alytes ohstetricans: a) Epidermis, b) Pigmentschicht, * c) grosse Drüse, dl Lederhaut. ■^ Tafel VIII. Sämmtliclie Figuren geringer oder stärker mikroskopisch vergrössert. „ 70. Stück einer Drüse der Kloackenwand von Triton helveticus: a) Ausführungsgang, b) Drüsenkörper. i 11 73 1} 74 11 75 11 76 11 ( ( 11 78 11 79 Erklärung der Tafeln. 163 FiiT. 7t. Theil des Ausfiihruugsganges und des Körpers einer Drüse aus der Kloackenwand von Triton helveticus, stärker vergrössert : a) Intercellularräume, b) Protoplasmatisclies Netz im Zellenkürper. „ 72. Schnitt durch die Haut des Rückens von Botnbiaator igneus : a) grössere und kleinere Hornhöcker auf der Epidermis, b) Drüsenanhäufungen in den Hautwarzen, c) Ausbreitung des Pigmentes von der oberen Grenzschicht der Lederhaut durch die senkrechten Verbiudungsstränge zur unteren Grenzschicht. Ein Dorn der Epidermis für sich, um die scharfe Absetzung des Endtheiles in Form und Farbe hervortreten zu lassen. Morphologische Elemente des Hautsecretes von Bombinator igneus im frischen Zustande. Oberfläche der Haut des Rückens vou Alytes ohstetricans. Oberfläche der Haut des Rückens von Bomhinalor igneus: auf den Warzen stehen grössere Hornhöcker, die sich nach den Seiten und Zwischenräumen in feinere abstufen. Oberfläche der Haut des Rückens von Bufo vulgaris: auf den Warzen steht je ein Hornhöcker. Oberfläche der Haut von Bufo vulgaris^ var. scaber aus Südtirol. Schnitt durch die Haut von Bufo calamila: a) Epidermis abgehoben, b) Warze der Lederhaut, c) Papillen mit Tastkörperchen, d) Blutcapillaren, welche die Drüsenöffnungen umspinnen, c) Hautdrüsen mit Einfaltung der Wand, (die dunkle Zone einwärts von der Grenzhaut der Drüse bezieht sich auf die Muskellage), f) Pigment, g) Blutgefäss, h) Nerv. „ 80. Schnitt durch die Haut von Pelobates fuscus : a) obere Fläche der Haut, herübergeschlagen, b) glatte Epidermis, c) dünne Lederhaut, d) Drüsen, e) Lymphräume unter der Haut im lockeren Bindegewebe. y Tafel IX. Sämmtliche Figuren theils mit der Lupe, theils mit dem jNIikruskop vergrössert. Fig. 81. Hand des Männchens von Puma agitis : a) Daunienschwiele. ,. 82. Schnitt durch die Oberfläche der Daumenschwiele von Rana agilis, nach der Laichzeit, a) Epidermis, nach unten abgehoben, b) Papillen der Lederhaut, einige mit Tastkörperchen. 11* 164 Erklärung der Tafeln. Fig. 83. Zellen der äussersten Lage von der Epidermis der Daumenschwiele, von der Fläche gesehen, ebenfalls von Rana agilis: es zeigt sich fein gekörnelte lieliefbiklung. „ 84. Von der Hand der männlichen Rana at/ilis: a) Metacarpalknochen des eigentlichen Daumens, b) Metacarpalknochen des zweiten Fingers (sogenannten Daumens) mit seinen Höckerbilduugen. „ 85. Vom ürogenitalsystem des Männchens von Ra)ia agilis: a) unteres Stück der Niere, b) Samenblase, c) Mastdarm. 86. Zoospermieu von Rana agilis. 87. Gaumen von Rana agilib : a) Die Gruppe der Vomerzähne. 88. Zähne des Vomer von Paina agilis, vergrössert. 89. Freier Rand des Epithels aus den Schallblasen von Rana escnlejita. Starke Vergrösserung. 9U. Larve von Alytes ubstelricans : a) Oeffnung der Kiemenhöhle (Spiraculum). 9t. Larve von Pelohales fiiscus: a) Oeft'nung der Kiemenhöhle. (Spiraculum). 92. Zoospermien von Pelodytes punctaius. 93. Von der Innenseite eines grossen subcutanen Lj-uiphraumes der Rana arvalis: a) Oeflfnungen von Lymphgängen, b) eigenthümliche Zellen. 1 I Zu verbessern: Seite 31 Kaluza anstatt kaluga ,, 46 Lalreille anstatt l.ntrcile. \ Druck von Fischer & Wittig in Leipzig. Taf.I. /. 4. !Äfe^-'j /ü. I 3/. ■■i.i 32. c Tarn: SJf. ^^1 '^., r, s j'.i. ^*' \ 'J^^^tAt.i 39. \' f . 36. 37. -w .J \ 1 ^d\ Jhl. ?.« .^«^■' lOJ-*-" ^2. -?, ''•^' ^3. Leydlg del. Litli.jAiist.-vifJ. Gr.Bacli, Leipzig. Ta/: V. Leydi^ del Ta/iVf. oj. Ji. ■ "^-A 37. 5S. 56\ \l 39. a & 6i. 60. .- o I* 0'3. «..■ b / Uyai.^ dei. ^ l'i n nst.vJ C-bach, Leipzig l 6d. a. '^ M' (L -yy -!*)}<>? a G6\ >^> :#>-' -*-.■■ ; k "' '^S^v w=*te- .iS'^^ 7?//f{Z^. .. '■ -^ ,^/ ?.' ^M\ V ^ ">!-. -#■. ,^ 69. •5k >fr ^j d \ Leydi^ del. Lith.Anst.Y IGJa-Ch .Leiüzi^. TwfMä. ■■^^ va fS.-_-,4 ^ y^. yy. :r' -i» '-'4. £, aSs-^ -i'r^ rf. "^t Leydig del. Lith,A-nst,v:J.G.ßach,Leipzi^ Taf: IX. Leydig' del. Lirfi i'^^S.lflBa'^h'.pIrrf Veilct ! Max Cohen & Sohn (Fr. Cohen) in Bonn. Arcliiv für mikroskopische Aiiiiloutle, begründet von Max Schiiif 'ort sresetzt von v. la Valette St. »George und W. Waldeyer. Archiv für die ^esamiatc PhysiVioarie des Menschen und der Thiere, heraus- jjegeben von £. F. W. Pfiiiger. Boll, Fr., Beiträge zur vergleichenden Histiologie des Molluskentypus. Mit 4 Tafeln. 6 M. Bnrkart, R., Die chronische Morphiumvergiftung in Folge subkutaner Morphium- Injektionen und deren Behandlung. (50 l't'. Deiters, 0., Untersuchungen über die Laniina spivalis membranacea. Ein Beitrag zur Kenntniss des inneren Geliörorgans. Mit 8 Tafeln, 5 M. Dittniar, C, lieber regulatorische und über cyclische Geistesstörungen, su l't. Ferber, A., Situsphantora der Organe der Brust und oberen Bauchgegend. 6 M. Helmholtz, H., Die Mechanik der Gehörknöchelchen und des Trommelfells. 1 M. 5ü Pf. Knablauch, 0., Qualitative chemische Analyse nach Gleichungen iu neuen Formeln. IM. KiipfFer, C, Stamm verwand tschaft der Aseidien und Wirbelthiere. Mit .3 Tafeln. 4 M. 5.0 Pf. Lahs, H., Die Theorie der Geburt. Mit H7 Holzschnitten. 7 M. 80 Pf. Lehmann, L., Bäder- und Bruunenlehre. Zum Gebrauch für Aerzte und Studirende. H) M. Leydig, Fr., Ueber die allgemeinen Bedeckungen der Amphibien. '. M. Lipschitz, R., Lehrbuch der Analysis. Erster Band: Grundlagen der Analysis. 15M. .>Iohr, Fr,, Geschichte der Erde. Ein Lehrbuch der Geologie auf neuer Gmnd- lage. Zweite durchaus umgearbeitete und stark vermehrte Auflau "' lis^t einem polemischen Anhang. 10 M. 50 Pf. Noeggerath, E., Die latente Gonorrhoe im weiblichen Geschlecht, i M, 80 Pf. Pfliiger, E. F. W., üebeT die Kohlensäure des Blutes. 60 Pf. l'fliiger, E. F. W., Die Endigungen der Absonderungsnerven in den Speichel- drüsen. Mit :i Tafeln. 2 M. 40 Pf: Pflüger, E, F. W., Die teleologische Mechanik der lebendigen Natur, l M. tin lt. Richter, V. v., Kurzes Lehrbuch der anorganischen Chemie. 7 M. Richter, Y. >., Kurzes Lehrbuch der organischen Chemie. 11 M. Rieih, R., Die Volumetrie oder chemische Maassanalyse. 5 M. 40 Pf. Ritthaiisen, H., Die Eiweisskörper der Getreidearten , Hülsenfrüchte und Uel- samon. Beiträge zur Physiologie der Samen der Culturgewächse, der Nahrungs- und Futtermittel, ö M. Saemisch, Th., Das Ulcus Corneae Serpens und seine Therapie. 80 Pf. Nohroeder, K., Lehrbuch der Geburtshülfe. fünfte Auf.age. 15 M. Schnitze, 31., Zur Anatomie und ]'1iv.v;i.l.,i.ie il^v Retina. Mit ^ Tnfpli. 7 M. 50 l'f. Schnitze, M., Untersuchungen über die A-:gen der Krebse unä Insecten. 1h cart. S M. Y. la Valette St. ^leurge, i./ie rtpenuaiogenefe iiei den Anipliibien. Mit 2'rilr'!i. j \I. Druck V Wittig in Leipzig. \ Wk.